Flüchtlinge in Uganda
Flüchtlinge in Uganda

13.08.2017

Malteser-Koordinator über Ugandas Flüchtlingskurs Projekt mit Vorbildcharakter

Der "ugandische Weg" gilt international als einzigartiges Beispiel für einen positiven Umgang mit der Flüchtlingskrise in Afrika. Alexander Tacke-Köster, Programmkoordinator von Malteser International in Arua, spricht über seine Eindrücke.

KNA: Mehr als 1,2 Millionen Menschen hat das rund 40 Millionen Einwohner große Uganda bereits aufgenommen - die meisten aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Südsudan. Immer noch fliehen Tausende über die Grenze. Wie konnte ausgerechnet das arme Uganda zu einem Vorbild in Sachen Flüchtlingspolitik werden?

Alexander Tacke-Köster (Programmkoordinator von Malteser International in Arua): Uganda ist seit Jahrzehnten von Flüchtlingsbewegungen in die eine oder andere Richtung betroffen. Irgendwann hat man eben gesagt, auch auf Initiative der UN: Wir wollen diesen Menschen eine Perspektive aufzeigen. Flüchtlinge bekommen ein Stück Land, um sich zu ernähren. Sie dürfen sich frei bewegen und arbeiten, sind also deutlich weniger eingeschränkt als anderswo. Insgesamt ist das ein sehr mutiges und fortschrittliches Projekt.

KNA: Und die Zuweisung von Land funktioniert auch in der Praxis?

Tacke-Köster: Bisher klappt das ganz gut. Aber wegen der enormen Zahl von Menschen, die gekommen sind - zeitweise bis zu 8.000 pro Tag - kommt es freilich zu Verzögerungen.

KNA: Stößt Uganda allmählich an seine Kapazitätsgrenze?

Tacke-Köster: Freies Land gibt es immer noch. Allerdings muss man fragen: Warum ist dieses Land noch frei? Es gibt gute Gründe, weshalb sich die Bevölkerung dort nicht ansiedelt - etwa weil der Boden weniger fruchtbar ist. Abgesehen davon hat die ugandische Regierung ein Interesse daran, bestimmte Gegenden durch den Zuzug von Flüchtlingen zu stabilisieren. Der Nordwesten des Landes galt lange Zeit als sehr unsicher. Inzwischen haben sich Städte wie Arua enorm entwickelt. Es gibt nun viel mehr Unternehmen und kleine Geschäfte.

Problematisch könnte die Lage aber in Distrikten werden, wo Flüchtlinge schon fast 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Womöglich besteht die Grenze darin, dass die Einheimischen eines Tages sagen: Stopp! Denn die nötige Versorgung für einen solchen Zuwachs gibt es nicht von heute auf morgen.

KNA: Aber im Moment ist die Stimmung in der ugandischen Bevölkerung noch positiv?

Tacke-Köster: Ja, weil die Ugander die positiven Effekte sehen: Es kommen internationale Hilfsgelder in die Region. Viele Organisationen, die sich im Land engagieren, suchen händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern; lokale Firmen bekommen Aufträge. Natürlich gibt es überall Leute, die sich nicht berücksichtigt fühlen. Aber die Mehrheit ist bislang positiv eingestellt. Zudem sieht der Plan ja vor, dass die Flüchtlinge nach einer gewissen Zeit wieder in ihre Heimat zurückkehren.

KNA: Halten Sie das für realistisch?

Tacke-Köster: Bei einigen, die schon mehrmals aus dem Südsudan geflohen sind, kommt wahrscheinlich irgendwann der Punkt, an dem sie sagen: Ich bleibe jetzt ganz in Uganda. Aber ich glaube nicht, dass am Ende eine Million Menschen hierbleiben.

KNA: Was passiert, wenn die Hilfsgelder aus dem Ausland nicht mehr fließen? Bricht das ugandische Modell dann zusammen?

Tacke-Köster: Das ist eine gute Frage. Es kommt darauf an, über welche Zeiträumen wir sprechen. Die derzeitige Finanzierung lässt sich sicher nicht über Jahrzehnte aufrechterhalten. Darum ist das Modell darauf ausgerichtet, die Selbstständigkeit der Betroffenen zu fördern.

KNA: Welche Aufgaben erfüllen die Malteser in Uganda?

Tacke-Köster: Wir sind im Rhino-Camp und in der Flüchtlingssiedlung Bidi-Bidi im Norden des Landes aktiv, wo wir zur täglichen Versorgung der Menschen mit sauberem Trinkwasser beitragen.

KNA: Außenminister Sigmar Gabriel hat das Rhino-Camp in dieser Woche besucht. Sie waren mit dabei. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Tacke-Köster: Ich fand gut, dass er gekommen ist, um sich das Ganze mal anzuschauen. Es ist wichtig, das Thema Uganda in den deutschen Medien sichtbarer zu machen. Aus Deutschland kommt viel Hilfe. Nicht zuletzt von privaten Spendern, die auch uns Malteser sehr unterstützen.

Das Interview führte Alexander Pitz.

(KNA)

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