Stellvertretender Küchenchef Andreas Salzmann mit Auszubildendem Ali Nawazash
Stellvertretender Küchenchef Andreas Salzmann mit Auszubildendem Ali Nawazash
Weihbischof Ansgar, Auszubildender Ali Nawazash und Kardinal Woelki
Weihbischof Ansgar, Auszubildender Ali Nawazash und Kardinal Woelki
Ali Nawazash lernt von stellvertretendem Küchenchef Andreas Salzmann
Ali Nawazash lernt von stellvertretendem Küchenchef Andreas Salzmann
Auszubildender Ali Nawazash und Geschäftsführer Geiger in der Küche des Kardinal-Schulte-Haus Bensberg
Auszubildender Ali Nawazash und Geschäftsführer Geiger in der Küche des Kardinal-Schulte-Haus Bensberg
Geschäftsführer Martin Geiger mit Auszubildendem Ali Nawazash
Geschäftsführer Martin Geiger mit Auszubildendem Ali Nawazash
Geflüchteter Ali Nawazash in der Ausbildung zum Koch
Geflüchteter Ali Nawazash in der Ausbildung zum Koch

19.06.2017

Wie ein pakistanischer Flüchtling im Erzbistum Köln zum Koch ausgebildet wird "Mein Gott hat mir geholfen"

Seit 2015 sind zwei Jahre vergangen, in denen über eine Million Geflüchtete nach Deutschland gekommen sind. Viele von ihnen sind auf der Suche nach einem Neubeginn. Die Chance auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz hilft ihnen dabei, sich zu integrieren. So ging es auch dem Geflüchteten Ali Nawazash.

Wenn Ali Nawazash mit dem Rührgerät in der Hand die Sahne für das Dessert schlägt, tun sich noch kleine Probleme auf. Er hat Mühe, das Tuch schützend über die Rührschüssel zu halten. Es soll warmen Apfelkuchen geben. Ali ist in seinem ersten Ausbildungsjahr zum Koch. Noch klappt nicht alles so wie bei den Profis. Aber er findet, er ist auf einem guten Weg.

Seine Kollegen und er stecken mitten in den letzten Vorbereitungen für das Mittagessen. Die anderen Köche wuseln in der Großküche um ihn herum – jeder Handgriff muss sitzen. Alle arbeiten zusammen. Und am Ende steht das fertige Essen auf dem Buffet bereit.

Seine Fähigkeiten wurden erkannt

Der 23-jährige Ali Nawazash ist aus Pakistan geflohen. Im Tagungshaus des Erzbistums Köln macht der junge Mann mittlerweile eine Ausbildung zum Koch. Die Chance hat ihm der Geschäftsführer des Kardinal-Schulte-Haus Bensberg, Martin Geiger, gegeben. Als kirchlicher Arbeitgeber im Erzbistum Köln wollte er einen Beitrag zur Integration Geflüchteter in Arbeit und Ausbildung leisten. Für ihn ein Experiment.

Aber schon bei einem Praktikum hat Martin Geiger gemerkt: Das kann klappen. Ali Nawazash sei gut in der Küche zurechtgekommen, erinnert sich der Geschäftsführer. Einer Chance stand nichts im Wege. Der 23-Jährige habe von Anfang an gut mit Gästen umgehen können und sich als teamfähig erwiesen.

Längst sei er auch eine große Hilfe in der Küche – und damit auf dem besten Weg zum vollwertigen Mitarbeiter. Seine Kollegen nennen ihn einfach "Herr Ali". Anfangs dachten sie, es sei sein Nachname. Mittlerweile ist es ein Zeichen der Wertschätzung geworden.

Erster Anstoß und Hilfe

Während es mit den Kollegen gut klappt, hat Ali Nawazash allerdings noch sprachliche Probleme. Das Lernen der deutschen Sprache fällt ihm nicht so leicht. Weil es in seiner Sprache kein "o" und "u" gibt, ist das für den jungen Geflüchteten besonders kompliziert. Deshalb besucht er jetzt an zwei Tagen pro Woche einen Deutschkurs.

Unterstützung bekommt er von einem ehrenamtlichen Flüchtlingsbegleiter. Er heißt Lutz-Eckardt Bohr, versucht in seiner Freizeit dem jungen Mann in allen Lebenslagen eine Stütze zu sein, hat mit ihm geübt und ihn manchmal auch schubsen müssen, wie er es beschreibt.

"Null Komma null" Sprachkenntnisse bei der Ankunft

Aber es hat funktioniert. Martin Geiger hat den jungen Mann beim ersten Treffen verstanden. Die Ausbildung zum Koch sei nicht so sehr von den Sprachkenntnissen abhängig. Vieles sei Learning by doing! "Man kann sich vieles abschauen", erklärt er.

Ali Nawazash freute sich, dass er ihm zusicherte, ihn brauchen zu können. Die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz motivierte ihn, weiter Deutsch zu lernen.

Ein rücksichtsvolles Team

Auch seine Kollegen unterstützen ihn, beteuert Ali Nawazash. Wenn er etwas nicht verstehe, würden sie ihm weiterhelfen. Außerdem fiele ihm das Lernen der Sprache im Umgang mit den Kollegen und Gästen des Tagungshauses leichter.

Als Auszubildender muss er natürlich hin und wieder nachfragen, auch wenn es ans Kochen geht. Dann hält er sich an Andreas Salzmann, den stellvertretenden Küchenchef. Zum Beispiel auch, wenn er die Zutatenliste für den Nachtisch entziffern muss. Schließlich kennt "Herr Ali" noch längst nicht alle deutschen Namen der Lebensmittel.

Stütze seiner Eltern

Davor, etwas völlig falsch zu machen und dass eventuell jemand von dem Essen krank werden könnte, hat er Angst. Andreas Salzmann findet das ganz normal. Für ihn ist es selbstverständlich, dass da, wo gearbeitet wird, auch Fehler passieren.

Dass er Koch werden wollte, war ihm schon früh klar. Nachdem Ali Nawazash als Jugendlicher gemerkt hat, dass das Einkommen des Vaters nicht für die Familie gereicht hat, entschloss er sich, fort zu gehen und Geld zu verdienen, um seine Familie zu unterstützen. Zunächst machte er das in einer Küche in Griechenland. Fünf Jahre später führte es ihn von dort aus weiter nach Deutschland.

Eine positive Ausstrahlung

Natürlich hat Ali Nawazash in seiner Heimat ganz andere Gerichte gekocht, als er jetzt in Deutschland lernt. Aber mit seinem guten Geschmack liegt er oft richtig: Viele fragen ihn, ob er einmal probieren kann.

Dass der 23-Jährige Moslem heute hier ist, liegt nicht nur daran, dass Kochen sein Hobby ist. Sein Glaube hat ihn immer begleitet – die ganze lange Flucht über, bis ins Berufsleben hinein. Fest überzeugt spricht er davon, sein Gott habe ihm geholfen. Bei diesen Worten lächelt er über das ganze Gesicht.

Für den Geschäftsführer ist Ali Nawazash eine Bereicherung in der Küche. Auch Andreas Salzmann bestätigt: "Er ist ein freundlicher, positiver Mensch, der immer als Strahlemann zur Arbeit kommt. Und von daher hilft man ihm auch gerne."

Lernen für die Zukunft

Als Arbeitgeber lohne es sich, darüber nachzudenken, diese Menschen zu unterstützen. Denn auch die Unternehmen könnten etwas davon haben – gerade bei Fachkräftemangel.

Genauso ist das eine gute Nachricht für den jungen Auszubildenden. Davon, dass in der Gastronomie in Zukunft Fachkräfte gesucht werden, sind Geschäftsführer und Küchenchef überzeugt. Das macht Ali Nawazash natürlich Mut. Wenn er so weiter mache, gehe alles gut, hofft er.

Katharina Geiger
(DR)

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