Das Sterben auf dem Mittelmeer geht weiter
Das Sterben auf dem Mittelmeer geht weiter

24.05.2017

Flüchtlingsboot mit vielen Kindern kentert - zahlreiche Tote Das Drama dauert an

​Das Boot sieht man kaum noch, wie kleine Punkte treiben Menschen im Wasser. Viele Kinder überleben das neue Flüchtlingsunglück auf dem Mittelmeer nicht. In diesem Jahr sind bereits mehr als 1340 Menschen ums Leben gekommen

Ein Flüchtlingsboot mit zahlreichen Kindern an Bord ist auf dem Mittelmeer gekentert. Bis zum Mittwochnachmittag seien 34 Leichen geborgen worden, die meisten davon kleine Kinder, twitterte der Gründer der Hilfsorganisation MOAS, Chris Catrambone. Nach Angaben einer Sprecherin waren drei Holzschiffe mit insgesamt rund 1500 Menschen vor der libyschen Küste unterwegs. Eines der Boote sei gekentert. Rund 200 Menschen seien ins Wasser gefallen, darunter zahlreiche Kinder und Frauen.

"Das ist keine Szene aus einem Horrorfilm, das ist die Wirklichkeit vor den Toren Europas", so Catrambone. Auf Bildern sieht man, wie viele Menschen im Wasser treiben. Nach Angaben der italienischen Küstenwache wurden etwa 20 Leichen geborgen. Die Rettung sei fast abgeschlossen.

 

Gutes Wetter ermuntert Flüchtlinge

Erst am Vortag war bekannt geworden, dass am vergangenen Freitag möglicherweise mehr als 150 Migranten gestorben sein könnten. Überlebende hätten von 156 Vermissten berichtet, hatte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitgeteilt. In diesem Jahr sind bei der Überfahrt über das Mittelmeer bereits mehr als 1340 Menschen ums Leben gekommen. Derzeit setzen vermehrt Boote in Richtung Italien über, weil das Wetter gut ist.

Derweil wurde die deutsche Hilfsorganisation Jugend Rettet Zeuge eines weiteren Zwischenfalls. Von Booten der libyschen Küstenwache sei während einer Rettungsaktion auf Flüchtlingsboote geschossen worden. Zudem seien Migranten geschlagen worden, hieß es in einer Mitteilung. Zwei Boote seien wieder zurück nach Libyen gebracht worden. "Über 100 Menschen sind aus Panik ins Wasser gesprungen. Zum Glück hatten die meisten Rettungswesten an, die wir schon verteilt hatten", erklärte der Kapitän des Schiffs Juventa der Mitteilung zufolge. "Für uns selber war die Situation äußerst kritisch: Wir sind hier, um zu helfen, waren aber gezwungen tatenlos zuzusehen, um nicht selber eine Kugel einzufangen."

(dpa)

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