Balkanflüchtlinge
Balkanflüchtlinge

26.12.2015

Hilfskonvoi nach Slowenien, Serbien, Kroatien und Frankreich Auf dem Weg Flüchtlinge zu begleiten

Nicht nur spenden - sondern etwas vor Ort machen! So ist der Verein entstanden: Refugees Foundation, "Support for Refugees on the Run". Der Verein setzt sich für die Flüchtlinge ein.

domradio.de: Sie fahren jetzt über Silvester wieder mit einem Hilfskonvoi nach Slowenien, Serbien, Kroatien und Frankreich. Warum über den Jahreswechsel?

Nicole Malmedé (Gründerin der Refugees Foundation): Weil wir auf der einen Seite jetzt die Helfer unterstützen bzw. ablösen können, die da permanent in den Lagern vor Ort tätig sind. Damit geben wir ihnen die Möglichkeit die Feiertage zu Hause zu verbringen.  

domradio.de: Warum Frankreich?

Malmedé: Da ist der Dschungel. Da ist Kalai, da sitzen 7000 oder 8000 Menschen fest. Aber schon seit einigen Jahren fest. Die wollen alle nach England und kommen nicht weiter. 

domradio.de: Wie laufen solche Fahrten bei Ihnen ab?

Malmedé: Wir fahren zusammen los. Aber jeder fährt in seiner Geschwindigkeit, weil Konvoifahren ist einfach zu gefährlich. Wir starten abends in der Dunkelheit und da ist es besser jeder fährt alleine. Unser Ziel ist ein Haus in Zagreb, was uns von einem Mitglied unsere Facebook-Gruppe, die mittlerweile mehr als dreieinhalbtausend Mitglieder hat, zur Verfügung gestellt wird. Das ist das Haus ihrere Großeltern, in das wir einkehren können. Das Team, das in Slowenien tätig sein wird, wird sort dann auch länger wohnen. 

domradio.de: Wenn Sie als Hilfsorganisation vor Ort sind, wie ist dann der Empfang der jeweiligen Länder?

Malmedé: Ich werde wieder nach Dimitrovgrad in Serbien fahren. Wir werden das Vorort-Team unterstützen. Es gibt ja immer feste Teams von Menschen, die sich der Sache widmen um dort den Menschen zu helfen, die über die bulgarischen Grenze und über die Wälder kommen. Die Jungs sind in einem sehr desolaten Zustand, die Kleidung ist aufgeschnitzt, sie sind verletzt, sie haben Bisswunden von Hunden, die auf sie gehetzt wurden, sie wurden geprügel oder geschlagen von der Polizei. Die Anziehsachen sind an allen Nähten aufgetrennt, weil immer wieder geguckt wird, ob sie noch Geld oder so etwa mit sich rumschmuggeln um ihnen das auch noch wegzunehmen. Die sind oft tagelang ohne Essen und Wasser ausgekommen, die freuen sich dann einfach uns zu sehen. Die bekommen aus unseren Autos heraus von uns was warmes zu Essen und Brote, sowie Schuhe. 330 Paar Schuhe nehmen wir jetzt mit in den Süden. Vor allem Männerschuhe werden gesucht.  

domradio.de: Wie ist denn der Empfang der Leute im Land? Wie reagieren zum Beispiel Grenzbeamte vor Ort?

Malmedé: Das ist sehr unterschiedlich. Man muss sehr aufpassen. Immer freundlich immer höflich sein, auch denen was abgeben -  das ist unsere Devise. Die sehen, dass wir den Flüchtlingen was bringen. Sie sind selber arm. Sie haben gefragt, ob sie Bananen haben können. Wir geben natürlich Taxifahrern Kekse, wir geben den Busfahrern welche und auch den Beamten. Einfach um die Stimmung nicht noch schlechter zu machen als eh schon. Damit das nicht mehr eskaliert. Denn teilweise werden Flüchtlinge von Beamten geschlagen und verprügelt.

domradio.de: Viele kommen ehrenamtlich mit, zum ersten Mal treffen welche auf schlimme Schicksale? Wie ist das?

Malmedé: Es ist meine fünfte Reise. Die Menschen freuen sich. Es ist wichtig mit ihnen zu reden und ihnen zuzuhören. Das ist viel wichtiger als warmes Essen. Es ist das erste Mal, dass sie wie Menschen behandelt werden und nicht wie Vieh. Da kommt unheimlich viel Höflichkeit und Wärme zurück.

domradio.de: Wie ist es dann zurückzukommen nach Deutschland?

Malmedé: Rückkehr ist sehr, sehr schwierig. Vor allem, bei denen, die das erste Mal mit waren. Wir kommen hier in eine Gesellschaft, wo jeder alles im Überfluss hat. Nicht alle natürlich, aber viele Menschen sind sich gar nicht bewusst, was sie haben, was wir hier für selbstverständlich nehmen.

domradio.de:  Was war bei Ihnen der Auslöser?

Malmedé: Anfang September gab es einen Aufruf, es müsse ein Camp in Ungarn aufgeräumt werden, dann habe ich kurzerhand einen Aufruf bei Facebook gestartet und hatte am nächsten Morgen zwei Personen am Telefon, die gesagt haben, sie würden mitkommen. Abends waren es vier.  Zwei Kombis voll mit Babynahrung, die uns gespendet wurden, von Menschen, die wir vorher nie gesehen oder gehört haben. Nach der Rückkehr haben wir beschlossen, dass wir das weiter machen.

Das Interview führte Silvia Ochlast

(dr)

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