Pater Oliver Potschien
Pater Oliver Potschien
Medizinische Sprechstunde im Petershof
Medizinische Sprechstunde im Petershof

03.12.2015

Katholischer Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus Ausgezeichnete Arbeit in Duisburg-Marxloh

Duisburg-Marxloh gilt als sozialer Brennpunkt. Gegen Vorurteile und für das Miteinander engagiert sich dort das soziale Zentrum Petershof, das jetzt mit dem ersten katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ausgezeichnet wird.

domradio.de: Integrationsarbeit im Petershof - wie sieht die aus?

Pater Oliver Potschien (Leiter des sozialen Zentrums Petershof in Duisburg-Marxloh): Für uns als Kirche gilt immer die Überlegung, wer unser Nächster ist. Wer ist eigentlich derjenige, um den man sich kümmern muss und wie macht man das? Wenn man davon ausgeht, dass der von Gott geschaffene und gewollte Nächste auch der unmittelbare Nächste ist, dann muss man sich auch um ihn kümmern. Da gibt es einen klaren Handlungsauftrag und dem versuchen wir uns zu stellen. Das heißt natürlich nicht, dass wir Probleme, soziale Schwierigkeiten und Kriminalität ignorieren oder sozial-romantisch darüber hinwegschauen. Daran arbeiten wir schon sehr hart. Im Grunde bedeutet es, den Menschen, der kommt, anzunehmen und mit ihm zusammen zu versuchen, zu gestalten. Das ist im Grunde das, was Integrationsarbeit hier im Petershof ausmacht.

domradio.de: Sie bieten unter anderem auch medizinische Versorgung für Menschen ohne Krankenversicherung an. Wie realisieren Sie das denn?

Pater Oliver Potschien: Unsere Gesellschaft leistet es sich völlig selbstverständlich, dass hier in Duisburg rund 12.000 Menschen nicht krankenversichert sind und damit keinen Zugang zum Gesundheitssystem haben. Sie werden auch im Notfall abgewiesen. Wir haben unsere medizinische Versorgung  mittlerweile so ausgebaut, dass bei unserer Sprechstunde am Donnerstag an vier Behandlungsplätzen sechs Ärzte sitzen - insgesamt sind es 25 Ehrenamtliche. Diese behandeln bei uns bis zu 90 Patienten.

domradio.de: Eröffnet haben Sie das Zentrum vor über drei Jahren. Merken Sie einen Unterschied zu heute, wo es jetzt diese große Menge an Flüchtlingen gibt?

Pater Oliver Potschien: Die Not der Menschen verschiebt sich ja immer ein wenig. Wir haben jetzt im Bereich der medizinischen Versorgung sicherlich einen Schwerpunkt in der Flüchtlingsbetreuung. Der überlagert schon vieles andere, das ist schon richtig. Aber langweilig wird es hier eigentlich nie.

domradio.de: Sprechen wir über Pegida und AfD. Das Miteinander zwischen den Kulturen ist nicht immer einfach. Wie sieht das denn bei Ihnen in Marxloh aus?

Pater Oliver Potschien: Hier gab es eine Demonstration von irgendwelchen Spinnern, zu der insgesamt sechs Leute gekommen sind. Das spricht für ein deutliches Zeichen, dass hier die Zivilgesellschaft zusammensteht, dass wir in Marxloh zusammenstehen. Das ist es etwas, dass das Ruhrgebiet in den letzten 150 Jahren ausgemacht hat. Hier sind immer viele Kulturen zusammengekommen und haben sich um ein gutes Zusammenleben bemüht. Das trägt jetzt Früchte und davon zehren wir jetzt auch.

domradio.de: Heute wird Ihnen der erste katholische Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verliehen, mit 5000 Euro ist der dotiert. Was wird das für Ihre Arbeit bedeuten?

Pater Oliver Potschien: Das bedeutet zunächst einmal für uns alle im Team, dass wir keine komischen Exoten sind, die etwas vollkommen Verrücktes machen. Vielmehr zeigt uns das, dass wir relativ in der Mitte der Kirche stehen, und das ist auch für uns die eigentliche Bedeutung. Darüber freuen wir uns dann auch.

domradio.de: Wissen Sie, was Sie mit dem Geld machen?

Pater Oliver Potschien: Ich komme ja nicht alleine, sondern ich bringe insgesamt elf Jugendliche bzw. junge Erwachsene mit libanesisch-muslimischem Hintergrund mit, mit denen ich zusammen arbeite. Wir gehen in die islamische Abteilung des Pergamon-Museums, wir besuchen das jüdische Museum und haben einen Termin im Bundestag. Wir schauen uns also ein bisschen um.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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