10.11.2015

"Refugee Guide" will Neuankömmlingen das Einleben erleichtern Orientierungshilfe in der Fremde

Wer als Flüchtling in Deutschland eintrifft, muss sich meist in eine völlig fremde Kultur einfinden. Eine ehrenamtliche Initiative hat nun eine Art Knigge für Flüchtlinge erstellt, der kostenlos im Internet abrufbar ist.

"Flüchtlinge können sich einfach nicht benehmen", so klagt mancher Deutsche - bevorzugt anonym über Facebook und Co.: "Sie lassen ihren Müll überall liegen, machen zu Unzeiten Lärm, sind nie pünktlich." Doch: Woher sollen sie wissen, wie der deutsche Alltag funktioniert, wenn es ihnen keiner sagt? Schließlich warten viele oft über ein Jahr auf staatliche Sprach- und Integrationskurse. Ein Umstand, den der Hamburger Michael Strautmann ändern wollte.

Ratgeber in zehn Sprachen

Gemeinsam mit Hunderten Unterstützern hat er in wenigen Tagen einen "Refugee Guide" entwickelt. Der kleine Ratgeber in bislang zehn Sprachen will den Neuankömmlingen eine erste Orientierungshilfe geben.

Strautmann hat einfach die lange Zeitspanne von der Registrierung bis zur Abwicklung des Asylverfahrens gestört, in der Flüchtlinge in Deutschland keinerlei Informationen über das Leben hierzulande bekommen. Zwar gebe es inzwischen formalrechtliche Leitfäden, wo sie sich melden können, um Anträge zu stellen - aber eben keine "Basics" zum Einleben in der Fremde. Auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge biete keine solche Orientierungshilfe an, bemängelt der 29-jährige Politikwissenschaftler und Kommunikationsberater: "Diese Informationslücke wollten wir schließen." "Wir", das sind mehrere Hundert Menschen, die Anfang September binnen weniger Tage bei der Fertigstellung der Broschüre geholfen haben.

Helfer schrieben im Internet mit

Strautmann hatte als Entwurf drei Din-A-4-Seiten geschrieben und in ein Internetforum eingestellt. Die Resonanz überraschte ihn selbst. "Schon nach fünf Minuten waren 60 Nutzer aktiv." In Windeseile griffen zahllose ehrenamtliche Unterstützer auf das Dokument zu und feilten daran mit - "vom Komma bis zum Verfassen ganzer Absätze". Zu ihnen zählten überwiegend Studenten und Doktoranden mit unterschiedlichsten geografischen und kulturellen Hintergründen.

In zehn Sprachen - darunter Arabisch, Dari und Paschto - werden "Besucher, Geflüchtete und zukünftige Bürger Deutschlands" willkommen geheißen und in acht Kapiteln wie "Öffentliches Leben", "Persönliche Freiheiten", "Gleichberechtigung" und "Essen, Trinken und Rauchen" auf das Leben hierzulande vorbereitet.

Sie erfahren, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte haben und dass ein Lächeln nicht gleich als Flirtversuch interpretiert werden darf - "die Menschen versuchen normalerweise einfach nur freundlich zu sein". Es sei normal, dass sich Menschen im Sommer leichter kleiden, etwa T-Shirt und kurze Hosen tragen. "Es ist unhöflich, diese Menschen für längere Zeit anzusehen." Bei den persönlichen Freiheiten wird unter anderem auf die Religionsfreiheit hingewiesen:

"Das heißt, dass man glauben darf, was man möchte - gleichzeitig wird aber auch erwartet, dass man akzeptiert, dass andere Menschen an einen anderen Gott glauben - oder an gar nichts."

Flüchtlinge bei Entwicklung dabei

Selbstkritisch heißt es in der Information, dass einige der Hinweise als "überheblich oder abwertend" empfunden werden könnten. Deshalb sei die Orientierungshilfe in enger Zusammenarbeit mit Menschen aus Syrien, Afghanistan, Sudan, Ägypten, Palästina und anderen Ländern verfasst worden. Auch Menschen, die kürzlich nach Deutschland immigriert sind, wurden um ihre Meinung gefragt. Etliche Zuwanderer hätten betont, "eine solche Infobroschüre bislang vermisst zu haben".

Mit dem kostenlosen Ratgeber, der online erhältlich ist, hat das Netzwerk offenbar einen Nerv getroffen. "Wir bekommen sehr viel positives Feedback von Leuten, die mit Flüchtlingen arbeiten", freut sich Strautmann, der das Projekt "nebenbei" betreut. Derzeit arbeiteten mehrere Übersetzer ehrenamtlich daran, den Ratgeber auch in Urdu, Farsi, Russisch und Tigrinisch zu übertragen. Nach Weihnachten wolle man sich "nochmals an den Inhalt wagen", verrät Strautmann. Vorschläge für ergänzende Kapitel gibt es bereits - beispielsweise zum Phänomen der Haustierhaltung der Deutschen.

Angelika Prauß
(KNA)

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