Syrerin am Grenzzaun in Röszke
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Am Bahnhof in Budapest
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10.09.2015

Osteuropas Bischöfe und die Flüchtlingsfrage In der Zwickmühle

Mitteleuropa riegelt sich ab: "Bloß keine Flüchtlinge!" lautet die Parole in Ungarn, Tschechien oder Polen. Für die Kirche ist diese Haltung problematisch - spätestens seit dem Papstappell zur Flüchtlingsaufnahme.

Sie marschieren über Autobahnen, übernachten auf Bahnsteigen, drängen in überfüllte Züge - und wollen einfach nur weg. Die Bedingungen, auf die Flüchtlinge in Ungarn und anderen Ländern Mitteleuropas treffen, sind katastrophal. Ob das hier wirklich Europa sei, habe eine ankommende Familie entsetzt gefragt, berichtete zuletzt eine ARD-Korrespondentin aus dem ungarischen Grenzort Röszke. Man setzt auf Abschreckung - und das bringt auch die katholische Kirche vor Ort in eine schwierige Lage.

So erklärte etwa die Ungarische Bischofskonferenz nach dem Appell des Papstes, Pfarreien und katholische Einrichtungen für Flüchtlinge zu öffnen, die Kirche werde diesem Wunsch "mit Freude und bereitwillig" nachkommen - wohlwissend, dass sie dabei mit dem Gesetz in Konflikt geraten könnte. Die komplizierte und sich ständig verändernde Rechtslage verbiete es Kirchen, Quartiere für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen, erläuterte Ungarns Primas, Kardinal Peter Erdö vergangene Woche. "Wenn sie es dennoch täten, wären sie Menschenschlepper." Man führe aber Verhandlungen mit der Regierung und hoffe auf eine rasche Lösung vor dem winterlichen Kälteeinbruch.

Zwar leisten auch in Ungarn kirchliche Organisationen wie die Caritas Flüchtlingshilfe. Insgesamt tue die Kirche aber zu wenig, so der Bischof von Vac (Waitzen), Miklos Beer. Zu lange habe man zu dem Problem geschwiegen. "Das tut mir weh, und ich schäme mich dafür. Wir reagieren viel zu langsam."

Auch drastische Stimmen unter den Bischöfen

Frust in der Flüchtlingskrise herrscht auch in Tschechien. "Von dem Problem wissen wir schon länger. Auch über mögliche Hilfsaktionen reden wir an der Basis schon seit einiger Zeit. Aber unsere Bischöfe schweigen nach wie vor", kritisiert Pfarrer Vaclav Vacek aus dem ostböhmischen Letohrad. Der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Tomas Holub, wird mit den Worten zitiert: "Vorrang für die Bischöfe haben die Wünsche und Bedürfnisse des Staates." Und Tschechien würde am liebsten gar keine Flüchtlinge aufnehmen. Gemeinsam mit der Slowakei plädiert die Regierung in Prag stattdessen für einen Korridor von Ungarn nach Deutschland, um die Flüchtlinge direkt "dorthin zu bringen, wo sie sowieso hinwollen".

Neben den offiziellen, um Ausgleich bemühten Positionen der Bischofskonferenzen werden unter mitteleuropäischen Bischöfen auch drastischere Stimmen laut. Der Bischof von Szeged, Laszlo Kiss-Rigo, sorgte mit einer Aussage über die "Gefährdung der universalen christlichen Werte des Kontinents" durch die Flüchtlinge für Aufsehen. "Die Angekommenen sind keine Flüchtlinge. Das ist eine Invasion. Die meisten der in Ungarn eintreffenden Migranten sind zynisch und arrogant. Sie kommen hierher und rufen dabei 'Allahu Akbar'", so der Bischof. Er stimme Ministerpräsident Viktor Orban in der Asylfrage eindeutig zu. Inzwischen hat Kiss-Rigo seine Aussage relativiert.

Ähnlich meldete sich auch der Erzbischof von Warschau-Praga, Henryk Hoser. Muslimische Flüchtlinge könnten ein "Ghetto" schaffen, "in dem Gewalt und Terrorismus wächst». Die Integration christlicher Flüchtlinge sei «unvergleichlich einfacher". Ganz anders der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki; er redete den rund 33 Millionen Katholiken des Landes ins Gewissen: "Jede Gemeinde muss Platz für jene vorbereiten, die verfolgt sind."

Kirchen am Tropf des Staates

Auch wenn die offiziellen Kirchenspitzen Bereitschaft zur Flüchtlingshilfe signalisieren. Vor offener Kritik am Kurs ihrer Regierungen scheuen sie eher zurück. Er sehe ein, "dass wir diesen Flüchtlingsstrom irgendwie bremsen müssen, damit wir mit der Situation umgehen können", räumt Bischof Beer ein. Ministerpräsident Orban habe "sehr weise" gesagt, der Zaun werde nur gebaut, «damit die Menschen legal durch die Tür reinkommen und nicht illegal durch das Fenster".

Den Grund für diese Haltung bringt der evangelisch-lutherische Bischof Tama Fabiny auf den Punkt: Ungarns Regierung erwarte von den Kirchen «bedingungslose Treue». Das habe auch finanzielle Gründe - denn letztlich hingen die Kirchen doch von staatlichen Geldern ab.

Inga Kilian
(KNA)

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