Generalvikar Stefan Heße
Generalvikar Stefan Heße
Flüchtlingskind aus Syrien
Flüchtlingskind aus Syrien

09.12.2014

Generalvikar Heße über Flüchtlingshilfe "Offene Augen und offene Türen"

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat die Flüchtlingshilfe der Erzdiözese Köln noch einmal kräftig auf insgesamt 12,5 Millionen Euro aufgestockt. Generalvikar Stefan Heße über einen besonderen Auftrag.

domradio.de: Der Kölner Kardinal, das Kölner Erzbistum handelt. 12,5 Millionen werden jetzt für Flüchtlinge und Menschen in Not bereitgestellt. Wirklich eine Menge Geld. Wo kommt das her? Wird das woanders abgezogen?

Heße: Nein, um Gottes Willen. Wir können das ja nicht den Flüchtlingen zu Gute kommen lassen und es dann zu Anderen Lasten, zum Beispiel der Kindergärten, gehen lassen. Diese Politik möchte ich nicht betreiben. Deshalb bin ich froh, dass der Kirchensteuerrat am Samstag in einer Sitzung diesen Plänen, ohne das in irgendeiner Weise in Frage zu stellen, sofort zugestimmt hat und wir in der Tat diese 12,5 Millionen bewilligt haben. Davon werden zwei  Millionen dann auf Flüchtlingsarbeit konkret in den Gemeinden verwendet. Der Kardinal hat vor einigen Wochen einen Brief an die Gemeinden herausgeschickt, wo er schnelle Hilfe angekündigt hat. Bei uns sind auch schon die ersten Anträge im Generalvikariat eingegangen, die schnell und unbürokratisch bearbeitet werden, so dass wir Mittel zur Verfügung stellen, dass vor Ort für die Flüchtlinge gesorgt werden kann, etwa mit einer Willkommenskultur und vielem anderen mehr...

domradio.de: ...wie kann man sich diese Projekte in den Gemeinden ganz konkret vorstellen?

Heße: Zum Beispiel kann ich Ihnen erzählen von einem Pfarrer unseres Bistums, der in der vergangenen Woche die Flüchtlinge, die jetzt in seinem Pfarrgebiet leben, eingeladen hat. Die sind auch tatsächlich gekommen. Man hat das dann nicht nur auf Deutsch und Englisch gemacht, sondern in vier weiteren Sprachen, damit die Leute überhaupt etwas verstehen. Der sagte mir auch, es war überhaupt kein Problem, Dolmetscher zu finden, die die entsprechenden Sprachen übersetzen konnten. Damit fängt es an, dass wir die Leute willkommen heißen. Ein anderer Pfarrer erzählte mir dieser Tage, dass er in seiner Gemeinde jemanden gesehen habe, der ihm fremd vorkam. Nachher stellte sich heraus, dass es auch ein Mensch auf der Flucht ist, aber den hatte leider keiner angesprochen. Da hat es bei ihm "tack" gemacht und er hat gesagt, wir müssen in unserer Gemeinde etwas tun. Wenn schon einer zum Gottesdienst kommt, dann wollen wir den auch einladen und willkommen heißen. Da ist eine Sensibilität nötig, um ein offenes Auge und dann eben auch eine offene Tür für diese Menschen zu haben, gerade jetzt, wenn der Winter und die Weihnachtszeit vor der Tür stehen und wir sehr stark auch von den Gefühlen bestimmt sind. Dann sollten wir die Menschen auch daran teilhaben lassen. Aber es geht dann natürlich auch weiter. Der BDKJ (Bund Deutscher Katholischer Jugend, Anm. der Red.) hat mir ganz klar vor einiger Zeit berichtet, für sie steht außer Frage, dass auch Kinder und Jugendliche in den Gemeinden willkommen geheißen werden müssen und sollen. Also: in den Gruppenstunden oder Ferienfreizeiten müssen Wege gefunden werden, dass solche Kinder daran teilnehmen können. Wir müssen bedenken, ein Drittel bis 50 Prozent aller Flüchtlinge sind Kinder. Das heißt, da sollten wir ein besonderes Augenmerk drauf legen. Wenn wir schon bei den Kindern sind: die haben zum Teil ja ganz schwierige Dinge erlebt. Ich weiß von einem kleinen Jungen, der mitansehen musste, wie Vater und Mutter ertrunken sind. Das ist natürlich sehr schockierend und entsetzlich, so etwas mitzubekommen. Dass dieser Junge über eine Willkommenskultur hinaus natürlich weitere Hilfe braucht, darüber braucht man nicht zu reden. Psychologische Hilfe, Traumaberatung, Aufarbeitung - das sind alles Dinge, die jetzt anlaufen müssen. Oder ein großer Teil - da werden die Gelder auch investiert - ist eben für die Sprachförderung. Die Kommunen kommen an ihre Grenzen, die können nicht mehr. Und wir legen doch Wert darauf, dass die Leute unsere Sprache sprechen können und sich verständlich machen können. Deswegen wollen wir in Sprachförderung investieren. Aber der größte Teil dieser Gelder geht in Hilfen für Menschen vor Ort, zum Beispiel in Syrien oder im Irak. Da sind ja viele Städte kaputt, da gibt es keine Trinkwasserversorgung, da wissen sie nicht, wovon sie leben sollen. Deswegen bin ich froh, dass wir mit unserer Diözesanstelle Weltkirche einen verlässlichen Partner haben, der in der Welt bekannt ist und der Menschen vor Ort direkt Hilfe zuleiten kann. Das sind verschiedene Wege, wo überall dieses Thema virulent wird und wo wir als Diözese versuchen, unserem Auftrag gerecht zu werden.

domradio.de: All das kostet eben immer Geld. Wenn wir jetzt nochmal auf die Willkommenskultur hier im Erzbistum schauen, da braucht man ja Strukturen. Da spielt die diözesane Caritas eine ganz wichtige Rolle.

Heße: Das ist unser großes Plus. Unser Caritas-Direktor sagt mir ganz deutlich, dass wir so schnell dieses Thema angehen konnten, liegt zum großen Teil daran, dass wir in der Caritas schon viel für Flüchtlinge getan haben. Das heißt, wir fangen nicht bei null an, wir müssen nicht alles neu erfinden, sondern wir können aufsetzen auf den Maßnahmen, die es in unserem Erzbistum gibt, im Diözesan-Caritas-Verband, aber auch in den Caritas-Verbänden vor Ort. Das müssen wir miteinander vernetzen. Wir haben Verbände in unserem Bistum, die auch schon auf diesem Weg unterwegs sind. Wenn wir das alles zusammenbringen, dann können wir wirklich tatkräftig und intensiv Menschen helfen, die es nötig haben.

domradio.de: Wenn man all die verschiedenen Hilfen zusammenrechnet, dann kommt man auf diese stolze Summe von 12,5 Millionen. Welches Signal setzt denn Kardinal Woelki mit diesem Einsatz kirchlicher Gelder?

Heße: Das Signal ist ganz klar und wird überall verstanden. Der Kardinal wir mit Flüchtlingshilfe identifiziert und damit nicht nur er, sondern die Kirche. Das ist etwas, was einfach zu unserem Grundauftrag dazugehört, dass wir Menschen in Not helfen. Wir müssen da nicht nach etwas suchen, sondern unser Auftrag ist immer, die Not zu lindern, die wirklich besteht. Wichtig ist, dass wir neben den Flüchtlingen auch die anderen Menschen, die in Not sind, nicht übersehen. Das darf nicht passieren. Wir müssen hier viele Augen und viele Ohren haben, um möglichst vielen Menschen zu helfen.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter. Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Weder domradio.de noch das Erzbistum Köln machen sich Äußerungen der Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen zu eigen.

(dr)

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