Pater Christoph Gerhard
Pater Christoph Gerhard
Richard Branson im All
Richard Branson im All

13.07.2021

Benediktiner kritisiert Weltraumflüge von Milliardären "Das steht für mich in keiner Relation"

Richard Branson, Jeff Bezos und Elon Musk waren oder wollen ins All, aber zu welchem Preis? Pater Christoph Gerhard aus dem Kloster Münsterschwarzach ist seit über 30 Jahren Hobbyastronom. Er sieht diese Entwicklung kritisch.

DOMRADIO.DE: Millardäre wie Richard Branson, Elon Musk und Jeff Bazos wollen das All in absehbarer Zeit nicht nur für sich, sondern auch für Touristen erschließen. Was denken Sie darüber? Größenwahn oder Visionäre?

Pater Christoph Gerhard OSB (Benediktiner und Hobby-Astronom): Es ist für mich eher das erstere, muss ich ehrlich zugeben. Für mich stellt sich ganz einfach die Frage: Was ist der tatsächliche Gehalt davon, dass man nur für zahlungskräftige Leute diese Weltraumflüge anbietet und sie letzten Endes wenig bringen außer, dass einige die Schwerelosigkeit für paar Minuten erleben.

Ich fände es eigentlich wesentlich interessanter, wenn sie ihre Flüge zum Beispiel für wissenschaftliche Untersuchungen, die ja natürlich auch an längerer Schwerelosigkeit interessiert sind, zur Verfügung stellen würden. Aber das tun sie bislang nicht.

DOMRADIO.DE: Eine Chance in diesen Flügen liegt vielleicht auch darin, dass Leute aus dem All auf die Erde gucken und sehen, wie schön die Schöpfung ist und selber vielleicht ein bisschen mehr dafür tun?

Gerhard: Ich vertraue da ehrlich gesagt eher auf unsere Astronauten, wie es Alexander Gerst gemacht hat, die da ja wesentlich stärkere Botschafter sind. Toll wäre natürlich wirklich, wenn sich einer dieser Superreichen da oben bekehrt und sich  tatsächlich für unsere Erde einsetzt, für die Menschen, die hier leben und auch für die ganze Schöpfung. Die sehen sie dann natürlich von oben in einer Schönheit und können erkennen, was man von unten nicht unbedingt sehen kann.

DOMRADIO.DE: Und wenn wir mal die Risiken bedenkt und das mal ein bisschen weiterspinnt: Wenn das zunimmt, braucht man dann irgendwann mal Verkehrsregeln? Es ist ja auch schon jede Menge Weltraumschrott in der Umlaufbahn der Erde.

Gerhard: Also bei diesen Flügen ist es so, dass das relativ schnell wieder runter fällt. Da kann man von ausgehen. Es ist sozusagen noch nicht weit genug im Weltraum drinnen, hat nicht die entsprechenden Geschwindigkeiten, damit es im Weltraum bleibt. Also sowohl Richard Branson und auch Amazon-Chef Jeff Bezos werden relativ schnell wieder runter fallen, sage ich jetzt mal. Da bleibt nichts im All zurück.

Allerdings sprechen sie wirklich ein großes Problem an: Bei der Satelliten-Wolke - muss man ja sagen - von einem Elon Musk, der Zehntausende von Satelliten hochschießen will, ist zu befürchten, dass es dann im All wirklich eng wird und es schwer wird, durch diese Satelliten-Wolke auch noch in Zukunft sicher Dinge nach oben zu befördern.

DOMRADIO.DE: Sie sind ja auch Verantwortlicher des Energieprojektes in Ihrem Kloster. Der Ordensgründer Benedikt hat schon gemahnt, mit allem sorgfältig umzugehen und die Schöpfung geradezu wie "heiliges Altargerät" zu betrachten. Auf diesem Hintergrund: Wie beurteilen Sie da diese privaten Weltraumflüge?

Gerhard: Sehr, sehr kritisch. Ein ganz großes Problem, auch dieser Satelliten-Wolke von Elon Musk ist ja im Grunde genommen, dass wir den Sternenhimmel wahrscheinlich auf Dauer verlieren werden. Also man wird kaum mehr den Sternenhimmel bewundern können, ohne dass jetzt gerade irgendwo was vor einem durchfliegt. Also die ganzen Sternenbilder und so weiter, die uns durch die Schöpfung geschenkt sind, sind dann vielleicht passé.

Wir Fach-Astronomen haben dann schlichtweg auch ein Problem mit den Beleuchtungen und damit, dass man dann auch weiterhin die Asteroiden, die uns ständig um die Ohren fliegen beobachten kann und dingfest machen kann. Da ist schon eine massive Störung da.

Privatleute können, ohne dass es in diesem Sinne Umweltgesetze gibt, dort oben im Weltall machen, was sie wollen. Das ist schon bedrückend. Andererseits könnten wir dieses Geld wesentlich sinnvoller auf der Erde investieren und in den letzten Winkel der Erde zum Beispiel das Internet bringen, ohne dass man so viel Müll ins Weltall schießen muss.

DOMRADIO.DE: Würden Sie trotz aller Bedenken selber gerne mal ins All fliegen, wie Richard Branson?

Gerhard: Das man gerne ins All fliegen würde, glaube ich, ist für viele Menschen so. Das ist keine Frage. Ich gönne auch jedem den Blick von oben. Die Frage ist nur ganz einfach: Wieviel Umweltverschmutzung entsteht dabei? Es werden in den höchsten Schichten der Atmosphäre Abgase und Partikel reingetragen, die da nicht rein gehören. Wenn das im großen Stil geschieht, dann stellt sich für mich auch die Frage, was passiert eigentlich mit der Hoch-Atmosphäre? Da hat auch noch keiner wirklich drüber nachgedacht.

Jeff Bezos wirbt ja damit, dass sein Weltraumflug wesentlich umweltfreundlicher ist. Aber letzten Endes, wenn man sich überlegt, was da für ein Aufwand getrieben wird, auch energietechnisch, dafür, dass man direkt wieder runter fällt - Das steht für mich in keiner Relation.

DOMRADIO.DE: Was schätzen Sie, wird das Weltall zum Touristenziel? Werden wir das noch erleben?

Gerhard: Das sieht für die Reichen jedenfalls so aus. Ob das für den Normalbürger kommt? Das kann ich mir nicht vorstellen.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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