Symbolbild Priesterweihe
Seminaristen bei der Priesterweihe (Archiv)
Wunibald Müller
Dr. Wunibald Müller

20.05.2021

Künftige Priester sollen Sexualität thematisieren Nicht "wegspiritualisieren"

Nach Ansicht des Theologen Wunibald Müller ist es "unerlässlich", dass sich Priesteramtskandidaten mit der eigenen Sexualität auseinandersetzen. Sonst drohe die Gefahr eines Defizits, das auf ungesunde Art gestillt werden könne.

"Auch für die Person, die vorhat, ehelos zu leben, ist es wichtig, sich dem emotionalen Reifungsprozess, der zur Beziehungsfähigkeit führt, zu stellen", schreibt er in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Theologie und Glaube" am Mittwoch, die von der Theologischen Fakultät Paderborn herausgegeben wird.

Künftige Priester müsste fähig sein, "tiefe, bedeutungsvolle und innige Beziehungen mit anderen Menschen eingehen zu können".

Defizite werden trotzdem gestillt

Sexualität dürfe nicht "wegspiritualisiert" werden, erklärt der Psychotherapeut. Die Entscheidung für den Verzicht auf Sexualität beseitige nicht deren Macht und Kraft. Priester stillten mitunter ihre "Defiziterfahrung an Intimität" auf unterschiedliche Art - "von Cybersex über Bordellbesuche bis hin zu sexuell übergriffigem Verhalten".

Viele lebten ihre sexuellen Bedürfnisse durch Selbstbefriedigung, vorübergehende und feste Beziehungen und Pornografie aus.

Nicht vor sexuellen Erfahrungen drücken

"Hier verlangt es die Redlichkeit eines Priesters sich selbst gegenüber", schreibt Müller. "Seinem Verlangen nach sinnlichen, sexuellen Erfahrungen ins Gesicht zu sehen und sich nicht davor zu drücken." Nur dann könnte er realistisch mit seinen Bedürfnissen umgehen.

Zudem sollten die eigenen psychischen Anliegen nicht außer Acht geraten, rät der Theologe. Hier könnten unter anderem Hobbys und Konzertbesuche hilfreich sein. "Es kann heißen, eine Kunstausstellung zu besuchen, mit anderen etwas zu spielen, z. B. ein Kartenspiel, was früher unter Priestern oft üblich war."

Müller war von 1991 bis 2016 Leiter des Recollectio-Hauses in Münsterschwarzach, eine Einrichtung der dortigen Benediktinerabtei. Dort sollen sich Priester, Ordensleute und Mitarbeitende in der Seelsorge körperlich, psychisch und geistlich-spirituell sammeln können, um sich für die pastorale Aufgabe zu stärken.

(KNA)

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