Bischof Franz-Josef Overbeck
Bischof Franz-Josef Overbeck
Die Rückseite eines ausgefüllten Organspendeausweises
Die Rückseite eines ausgefüllten Organspendeausweises
Gesundheitsminister Jens Spahn
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht im Deutschen Bundestag

14.01.2020

Bischof Overbeck zur Debatte um Organspende "Es muss ein freier Akt sein"

Wenn es nach Gesundheitsminister Spahn geht, soll bei der Organspende die doppelte Widerspruchslösung Gesetz werden. Darüber stimmt der Bundestag diese Woche ab. Bischof Overbeck hat Bedenken und erklärt im Interview, warum.

DOMRADIO.DE: Die katholische Kirche lehnt die doppelte Widerspruchslösung ab. Warum?

Franz-Josef Overbeck (Bischof von Essen): Wichtig ist, darauf hinzuweisen: Es ist immer gut, ein Organ zu spenden. Aber es muss ein freier Akt sein, den ein Mensch als Person setzt. Denn es geht dabei um die Integrität des eigenen Körpers und damit auch des Menschen, der das Organ spendet. Das zweite ist: Eine Spende ist eine Spende, und die ist immer freiwillig. Darüber kann man nicht durch ein Gesetz von vornherein entscheiden.

DOMRADIO.DE: Aber man könnte, wenn man sich nicht sicher ist, oder sich damit nicht auseinandersetzen will, erst einmal widersprechen. Dann ist es trotzdem freiwillig.

Overbeck: Stimmt das, müsste man es aber aktiv tun. Aber auch das unterliegt wiederum der Freiheit des Menschen, nämlich sich nicht zu entscheiden.

DOMRADIO.DE: Sie sagen, dass das eher ein strukturelles Problem ist und Krankenhäuser besser für die Organentnahme ausgestattet werden müssten – auch personell. Glauben Sie, dass das Problem der niedrigen Transplantationszahlen in Deutschland damit gelöst werden kann?

Overbeck: Ich glaube, dass hier zwei Güter zur Entscheidung stehen, die man so einfach nicht gegeneinander abwägen kann. Das eine ist nämlich die Freiheit des Menschen als Person. Dieser Mensch muss eine wirklich existenzielle Entscheidung treffen.

Wir wollen als katholische Kirche mit der Stellungnahme deutlich machen: Wir sagen, unterstützt alle besseren und auch noch weiter zu verbessernden Strukturmöglichkeiten in Krankenhäusern. Gerade im Blick auch auf die Frage: Wie können Menschen unterstützt werden, wenn sie auf den Tod zugehen, vorher zu entscheiden, dass sie eine solche Organspende machen wollen.

DOMRADIO.DE: Sie sprechen sich für einen anderen Gesetzesentwurf aus, für die Zustimmunglösung. Menschen müssen der Organspende aktiv zustimmen, so wie jetzt auch. Das Ganze soll von Information und Aufklärung begleitet werden. Aber seit Jahren wird informiert. Die Zahlen steigen trotzdem nicht. Da kann man dann nicht einfach sagen: Weiter so, wird schon funktionieren, oder?

Overbeck: Das ist möglicherweise so. In der Tat muss man sehr deutlich sagen, dass man da neue Strukturen in Krankenhäusern schaffen muss. Aber die grundsätzliche Entscheidung mit Blick auf die Freiheit des Menschen steht an dieser Stelle auch im Grundgesetz an einer so hohen Position. Bedeutet: In dieser Auseinandersetzung muss man die Bereitschaft fördern, aber man kann sie nicht erzwingen. Das muss der Mensch in seiner Freiheit tun dürfen. Und zwar auf Dauer, und sehr grundsätzlich.

DOMRADIO.DE: Haben Sie denn eigentlich einen Organspendeausweis?

Overbeck: Ja, den habe ich auch schon lange.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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