15.12.2019

EU will Fokus auf Ethik Künstlicher Intelligenz legen Eine Chance für Europa und die katholische Kirche

Künstliche Intelligenz findet sich bereits im Alltag vieler Menschen. Verbindliche ethische Regeln für die Nutzung der Technologie gibt es jedoch nicht. Die EU und die katholischen Kirche wollen das ändern.

Mal eben den virtuellen Assistenten nach dem Wetter befragt, das neue Smartphone mit der Gesichtserkennung entsperrt oder mit einem Chatbot geschrieben - in all diesen Fällen kommt Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Ein Thema, das auch die neue EU-Kommission umtreibt.

Ethischer Leitfaden für KI-Systeme

Digitalkommissarin Margrethe Vestager will bereits im Februar Antworten auf dringliche Fragen im Bereich der KI vorlegen. Ihr angekündigter Ansatz: eine "ethische Ausrichtung", die Europa im Wettbewerb mit China und den USA abheben soll. "Menschen sollen begreifen: Das ist etwas für mich und nicht gegen mich", so Vestager vor EU-Abgeordneten.

Wie aber könnte die ethische Gestaltung einer europäischen KI aussehen? Mit dieser Frage hat sich auch eine Expertengruppe der EU befasst, bestehend aus 52 Sachverständigen. 2019 veröffentlichte sie unter anderem einen ethischen Leitfaden für KI-Systeme und identifizierte vier ethische Prinzipien, die auf grundlegenden Rechten beruhen, etwa Bürgerrechten oder der Freiheit des Einzelnen.

In der Kurzfassung liest sich das so: KI-Systeme dürfen die Selbstbestimmung der Nutzer nicht beeinträchtigen, müssen Würde und Unversehrtheit der Menschen schützen, fair und nicht diskriminierend sein. Zudem sollen Fähigkeiten und Zweck des Einsatzes von KI-Systemen transparent sein.

Regulierung der Grenzen

Für Friederike Ladenburger, juristische Referentin für Ethik, Forschung und Gesundheit der EU-Bischofskomission COMECE, ein erster Schritt in Sachen KI-Ethik, aber keine endgültige Antwort auf drängende Fragen. "Künstliche Intelligenz ist ein neues Gebiet, das unglaubliche Veränderungen in der Gesellschaft mit sich bringen wird und fast jeden gesellschaftlichen Bereich berührt", sagt sie der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Dafür braucht es zuerst eine ethische Bewertung und dann eine Regulierung, die Grenzen setzt."

Grundsätzlich müsste ein Diskurs über ethische Grundlagen von KI noch breiter geführt werden, betont die COMECE-Referentin. Schließlich sei von dieser Frage die gesamte Gesellschaft betroffen. Eine Beteiligung von Sozialverbänden, politischen Akteure, der akademischen Welt und der Kirchen sei ebenso notwendig wie die der Wirtschaft.

Aber was kann die katholische Kirche eigentlich zu KI-Ethik beitragen?

Für Ladenburger ist es neben dem christlichen Menschenbild, das sich von dem anderer Akteure unterscheidet, auch die besondere Verantwortung der Kirche, für jene zu sprechen, die etwa mit Krankheiten, in Armut oder Benachteiligung leben und sich nicht selbst am Diskurs beteiligen können.

Ein weiterer Aspekt: die weltweite Präsenz der katholischen Kirche. "Die Vorteile, die Nutzbarkeit, aber auch die Nachteile von KI-Systemen werden in unterschiedlichen Teilen der Welt unterschiedlich gesehen und diskutiert", erklärt Ladenburger. Die Kirche sei in den verschiedenen Gesellschaften präsent und besitze dadurch enorme Expertise.

Papst: Ethik von Frieden, Verantwortung und Geschwisterlichkeit

Dass technologische Entwicklungen die Welt zu einem besseren Ort machen können, betont auch Papst Franziskus. Allerdings unter der Bedingung einer Ethik, die das Wohl aller fokussiert: eine Ethik von Frieden, Verantwortung und Geschwisterlichkeit.

In den USA und China stehen ethische KI-Systeme nicht gerade auf dem Wunschzettel, wie eine Untersuchung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) von 2019 zeigt. Spielten demnach ethische Fragen unter Ex-US-Präsident Barack Obama noch eine größere Rolle, so ist dies unter seinem Nachfolger Donald Trump wenig präsent. Auch für China stellt KI-Ethik keine Priorität dar; sie ist bislang noch kaum entwickelt. Das soll sich aber der KAS-Untersuchung zufolge künftig ändern.

"Ich sehe den Mehrwert ethischer KI-Richtlinien für Europa auch in Abgrenzung gegenüber anderen Gesellschaften", so COMECE-Referentin Ladenburger. Nicht umsonst habe die neue Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Thematik neben dem "Green Deal" zu ihrer Priorität erklärt.

Lisa Konstantinidis
(KNA)

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