Am Urlaubsstrand
Einsamer Strand

08.03.2019

Wie Klimaschutz und Urlaub zusammenpassen "Gedanken machen und Zeit nehmen"

An Stränden unter Palmen entspannen – was für die einen Traumurlaub bedeutet, heißt für andere allzu oft eine zerstörte Lebensgrundlage. Laura Jäger von Brot für die Welt erklärt, was für einen umwelfreundlichen Urlaub geschehen muss.

DOMRADIO.DE: Wo neue Ferienressorts entstehen, da müssen Alteingesessene weichen. Das ist logisch. Sie haben das anhand von 25 Beispielen untersucht. Wie kann das konkret aussehen?

Laura Jäger (Leiterin Fachstelle Tourism Watch bei Brot für die Welt): Das nimmt ganz unterschiedliche Ausmaße an. Überall dort, wo sich touristische Infrastruktur neu entwickelt, wo zum Beispiel neue Flughäfen gebaut werden, da müssen teilweise ganze Dörfer weichen. Das heißt, es findet oft für den Bau von Infrastruktur wie Flughäfen oder Hotels statt. Auf der südpazifischen Insel Efate in Vanuatu beispielsweise haben wir den Fall, dass ungefähr 80 Prozent der Küstenzone an ausländische Investoren und Hotelbetreiber verpachtet ist, sodass eigentlich die lokale Bevölkerung den Zugang zum Strand verliert, weil dort nur noch zahlende Gäste hinkommen. Die lokale Bevölkerung kann eben ihre Fanggründe nicht mehr erreichen. Damit bekommt sie eben auch Probleme, ihre traditionelle Lebensgrundlage aufrecht zu erhalten.

DOMRADIO.DE: Die meisten denken: Tourismus bringt wirtschaftlich schwächeren Ländern Auftrieb und davon profitieren am Ende alle. Aber warum stimmt das so nicht?

Jäger: Man kann natürlich schon sagen, dass der Tourismus Geld und Devisen ins Land bringt. Und man kann natürlich auch sagen, dass er Arbeitsplätze schafft. Aber wenn das Geld letztendlich bei internationalen Hotelketten landet, dann fließen die Gewinne natürlich auch schnell wieder direkt ins Ausland ab. Wenn man sich dann anschaut, was der Tourismus für Jobs schafft, dann sind das eben sehr häufig nur saisonal begrenzte Jobs. Meist sind das zum Beispiel Jobs während der Strandsaison.

Im Winter müssen die Leute und die Angestellten sehen, wie sie über die Runden kommen. Wir haben leider das Problem, dass im Tourismus die Jobs oft eher schlecht bezahlt sind, teilweise unter sehr prekären Bedingungen stattfinden, nicht immer gibt es soziale Sicherungssysteme. Teilweise gibt es nicht einmal formelle Verträge.

DOMRADIO.DE: Gefragt sind zum Beispiel die Reiseveranstalter. Wie können sie dafür sorgen, dass mit ihnen keine auf dem Rücken anderer Ferien macht?

Jäger: Die Reiseveranstalter müssen sich natürlich ihrer Verantwortung bewusst werden. Das heißt, sie müssen sorgsam analysieren, welche Gefahren für die Menschen und ihre Rechte in den Skigebieten von der eigenen Geschäftstätigkeit ausgehen. Sie müssen natürlich sorgsam auswählen, mit wem sie zusammenarbeiten. Zum Beispiel mit welchen Hotels. Sind sie zum Beispiel auf illegal erworbenen Land gebaut? Stellen diese Hotels sicher, dass die Beschäftigten fair bezahlt werden? Diese Fragen sollten sie sich stellen.

DOMRADIO.DE: Das heißt, wir müssen also grundlegend in Sachen Tourismus umdenken. Was fordern Sie denn von Politik und Wirtschaft, damit der Tourismus nachhaltig werden kann; also wirklich nachhaltig?

Jäger: Ich glaube, was wir machen müssen, ist wegkommen von dem Gedanken, mit Tourismus lässt sich schnell viel Geld erzielen. Sondern wir müssen nachhaltige Strategien entwickeln und weiter in die Zukunft blicken. Das heißt einerseits, dass wir versuchen, Tourismus und Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Das heißt, dass absolut weniger Ressourcen verbraucht werden. Gleichzeitig müssen wir die Menschen in den Zielgebieten in den Mittelpunkt stellen und ihre Bedürfnisse und Rechte schützen und wahren.

DOMRADIO.DE: Was kann ich als Reisender tun, damit mein Urlaub am Ende genauso fair wie schön wird?

Jäger: Natürlich muss man sich auch da auch vorab Gedanken machen, wie reise ich am Besten, welche Auswirkungen könnte mein Urlaub haben. Ich denke, je mehr Zeit wir uns für unseren Urlaub nehmen, je langsamer und klimafreundlicher wir anreisen, je länger wir vor Ort sind, desto mehr Zeit haben wir, uns auf die Menschen vor Ort einzulassen und desto mehr Geld lassen wir auch vor Ort.

Wenn wir in die kleinen inhabergeführten Lokale gehen und in Hotels übernachten, dann können wir sicherstellen, dass das Geld direkt bei den Betreibern, beziehungsweise bei den Kellnern und den Köchen vor Ort ankommt.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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