Sonnenstrahlen brechen sich an einem Kreuz, in der Hand einer bronzenen Jesusfigur
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 US-Bischöfe durch Missbrauchsskandal am Pranger
US-Bischöfe durch Missbrauchsskandal am Pranger

15.01.2019

Katholische US-Historiker analysieren Missbrauchskrise Ursachenforschung und Fakten-Check von außen

Geschichtswissenschaftler suchen nach historischem Kontext für die Missbrauchskrise der US-Kirche. Die "American Catholic Historical Association" will nun den Ursachen und Wurzeln des Skandals nachspüren.

Einkehr und Gebet hatte Papst Franziskus den US-Bischöfen zu Jahresbeginn auferlegt, um die Untiefen der Missbrauchskrise in ihrer Kirche zu ergründen. Wie der Zufall es wollte, versammelten sich nur wenige Kilometer von den Einkehrtagen im Mundelein-Seminar nördlich von Chicago katholische Historiker, um die Wurzeln des Skandals aufzuarbeiten. Während sich die Bischöfe der Gegenwart und Zukunft der größten Kirchenkrise der USA stellen müssen, befasste sich der Historikerverband mit der Frage, wie es dazu kommen konnte.

Sexueller Missbrauch in den Reihen des Klerus sei "kein brandneues Thema", so William Cossen von der Gwinnett School in Lawrenceville, Georgia. Es komme nicht aus dem Nichts, sagt Cossen, der für die dreitätige Historikerkonferenz noch kurzfristig ein Panel zum Thema "Eine Kirche in der Krise" organisierte. Die Frage, wie Historiker der Kirche helfen können, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, stand dabei im Mittelpunkt; insbesondere der Aspekt "Macht und Autorität".

Darauf schauen, wie die Institution jetzt ist

Es sei gar nicht nötig, argumentierte Cossen in Medien, "völlig neue Lösungen" zu finden. "Wir haben bereits Werkzeuge, um damit umzugehen", so der Verfechter für Laienaufsicht in den Gemeinden im Gespräch mit dem "Catholic National Reporter". Es sei "nicht unsere Theologie oder unser Glaubenssystem, das zu sexuellem Missbrauch geführt hat, sondern eine Kultur starker institutioneller Abschottung".

Massimo Faggioli, Theologe an der Villanova University in Philadelphia, meint, Historiker könnten der Kirche helfen, "mehr darüber zu erfahren, wie diese Institution funktioniert"; und zwar "nicht, wie sie funktionieren soll, sondern wie sie ist und wie sie in der Geschichte funktioniert hat".

Rückverfolgung mit wenigen schriftlichen Belegen schwierig

Ein Aspekt, der laut der Teilnehmerin Catherine Osborne eine historische Recherche lohnt, ist das Verhältnis zwischen Priesterseminar und Gesellschaft. Zwischen beiden gebe es eine Barriere. Auch daher sei die katholische Kirche so anfällig für Missbrauch. Das Priesterseminar abseits der Gesellschaft habe dazu beigetragen, Vertuschung zu fördern und "die Interessen der Mit-Priester und der Institution als 'grundlegender' anzusehen als die der Opfer", so die Katholikin.

Die Theorie, sexueller Missbrauch in den USA sei überwiegend ein städtisches Ostküsten-Thema, bei dem vor allem Weiße die Opfer seien, sei falsch, befindet die Amerikanistik- und Religionswissenschaftlerin Kathleen Holscher. Dafür fehlten schlicht historische Beweise. Die Forscherin aus New Mexico hat die Zahlen der Diözesen verglichen und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: Nicht Boston und Philadelphia liegen demnach in der Pro-Kopf-Hochrechnung zu Missbrauch vorn, sondern ländliche und westliche Regionen, in denen überproportional viele Indianerreservate und Missionsschulen beheimatet sind. Das Thema Missbrauch in der Kirche sei ohne die Rassen- und Kolonialismus-Frage nicht zu beantworten, urteilt die neue Präsidentin der katholischen Historikervereinigung.

Die Forscher stehen auch vor dem Dilemma, dass, je weiter die Rekonstruktion des Missbrauchs zurückverfolgt wird, die schriftlichen Belege immer dünner werden. Das mache es einfacher zu leugnen, zu vertuschen oder Selbstzensur zu üben, vermuten die Wissenschaftler. Die säkularen Historiker mit katholischem Hintergrund hielten in Chicago jede Prognose über die Zukunft der US-Kirche mitten im Missbrauchsskandal für schwierig. Der Rückblick mag schmerzen, lässt sich aber rekonstruieren. Und diese Aufgabe soll nun direkt angegangen werden.

Thomas Spang
(KNA)

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