Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen
Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen
Kardinal Philippe Barbarin
Kardinal Philippe Barbarin
Kardinal Donald William Wuerl
Kardinal Donald William Wuerl, Erzbischof von Washington

11.01.2019

In der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Kirche sind klare und deutliche Worte nötig Euer Ja sei ein Ja!

Kardinal Wuerl in den USA, Kardinal Barbarin in Frankreich: In Sachen Missbrauch in der Kirche wird selten die Verantwortung übernommen. Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen fordert persönliche Konsequenzen auch von hohen kirchlichen Würdenträgern.

Dass ein Kölner Stadtdechant sich gleich mit zwei altgedienten Kardinälen im Vatikan anlegt, erlebt man auch nicht alle Tage. Aber für Robert Kleine war das Maß offenbar endgültig voll. Beim Dreikönigsempfang machte er seinem Ärger Luft und kritisierte in ungewöhnlich deutlicher Form die Aussagen "deutscher Kardinäle in Rom". Auch wenn er es klug vermied, die Herren Kardinäle Gerhard Ludwig Müller und Walter Brandmüller direkt beim Namen zu nennen, bekam der Stadtdechant starken Applaus, als er deren aktuelle Äußerungen zum Missbrauch mit klaren Worten zurückwies. Im gutgefüllten Maternussaal wusste jeder, wer gemeint war. Es ist ja auch wirklich abenteuerlich, wenn der ehemalige Chef der Glaubenskongregation jeden Zusammenhang zwischen "angeblichen kirchlichen Machtstrukturen" und Missbrauch in der Kirche leugnet und beide alten Kardinäle homosexuelle Priester als die eigentliche Quelle des Übels ansehen. Dom- und Stadtdechant Robert Kleine hat das klar als "untragbar" und "diffamierend" zurückgewiesen.

Wenn die katholische Kirche in diesen Monaten überall auf der Welt um Klarheit und Wahrheit bemüht ist, weil nur so die verlorene Glaubwürdigkeit zurückgewonnen werden kann, dann sind klare und deutliche Worte - selbst wenn sie sich gegen Kardinäle richten - notwendig. Nicht nur die Mehrheit, nein die überwältigende Mehrheit der Priester und Ordensmänner macht Tag für Tag einen guten seelsorgerischen Job. Sie haben nicht versagt - auch wenn sie jetzt oft alle durch die Bank mit verantwortlich gemacht werden. Versagt hat auch nicht "die katholische Kirche". Denn all die Gläubigen, die landauf und landab das Gemeindeleben tragen, sich bei Caritas, Kolping, in Frauengemeinschaften, Jugendverbänden oder sonst wo seit Jahren meist ehrenamtlich engagieren, haben nichts mit dem Missbrauch zu tun. Verantwortlich und ausnahmslos dafür zur Rechenschaft gezogen werden müssen die Täter und alle diejenigen, die mitgeholfen haben, dass diese Täter unerkannt blieben.

Es ist mehr als bedauerlich, dass trotz der hohen Anzahl der Täter und der vermutlich auch nicht so geringen Anzahl der Vertuscher kaum jemand freiwillig aufsteht und sagt: Es tut mir unendlich leid - ich bin mit verantwortlich - in Demut und Reue bekenne ich meine Sünden. Ich lege mein kirchliches Amt nieder und werde mich nach Kräften um Wiedergutmachung bemühen. Die aktuellen Fälle in Frankreich, Australien und den USA zeigen erneut: Nein, man kann sich nicht erinnern, man weicht aus und lenkt ab, spielt auf Zeit und wartet ab - vielleicht kann einem ja nichts mehr nachgewiesen werden … In Politik und Gesellschaft ist das ein bekanntes Spiel. Vielleicht darf man die betroffenen Kirchenmänner hier aber einmal an die Worte Jesu erinnern: "Bei Euch soll es nicht so sein!" und "Euer Ja sei ein Ja - Euer Nein ein Nein - alles andere stammt vom Bösen!"

(DR)

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