Päpstlicher Sonderermittler in Chile im Krankenhaus
"Auch in der evangelischen Kirche wurde vertuscht und versetzt"

11.11.2018

Betroffene: Evangelische Kirche muss sich Missbrauch stellen "Auch hier wurde vertuscht und versetzt"

Erstmals wird sich die EKD-Synode offiziell mit dem Thema Missbrauch beschäftigen. Kerstin Claus vom Betroffenenrat beim Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung hofft auf konkrete Schritte und eine stärkere Beteiligung von Betroffenen.

KNA: Frau Claus, Sie sind Mitglied im Betroffenenrat. Erstmals befasst sich nun die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit dem Thema sexualisierte Gewalt. Werden Sie dort für die Betroffenen sprechen?

Kerstin Claus (Mitglied im Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs): Nein, ich bin nicht dabei. Eine offizielle Einladung gab es nicht. Natürlich sind Betroffene dort auch nicht ausgeschlossen, meines Wissens sind sogar zwei dabei, aber in der Synode haben sie kein Rederecht, sie können im Anschluss in einem anderen Raum das Gespräch mit Kirchenvertretern suchen. Das finde ich nicht richtig. Eine wirkliche Beteiligung gibt es nicht. Die evangelische Kirche steckt da ganz in den Anfängen.

KNA: Wenn von Missbrauch in der Kirche die Rede ist, fällt in der Regel nur das Stichwort katholische Kirche...

Claus: Ja, und das hat ganz spezifische Gründe. Bei den meisten Missbrauchsfällen in der evangelischen Kirche, die ich kenne, waren die Betroffenen in der Regel 14 Jahre und älter – in einem Alter, in dem sie vermeintlich hätten "Nein" sagen können. Das macht es schwierig zu erkennen, dass es sich hier immer um sexualisierte Gewalt handelt, die von der Kirche nicht toleriert wird. Das braucht es, um auch diese Betroffenen zu ermutigen, sich zu melden. Die evangelische Kirche muss klar zeigen, dass sie das Ausmaß von Missbrauch in ihren Strukturen wirklich wissen will.

KNA: Was sagen Sie dann zu der Argumentation des früheren EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber, der sagt, dass die evangelische Kirche durch ihre andere Struktur nicht so anfällig für Missbrauch ist wie die katholische?

Claus: Diese Äußerungen finde ich unsäglich. Diejenigen, die denken, dass Missbrauch nur etwas mit der sexuellen Ausrichtung der Täter und mit dem Zölibat zu tun haben, haben nichts verstanden. Missbrauch ist erst mal Machtmissbrauch, davor ist die evangelische Kirche nicht gefeit. Auch bei deren Kirchenvertretern gibt es narzisstische Persönlichkeiten, die ihren speziellen Zugang in der Kinder- und Jugendarbeit ausnutzen und für die die absolute Verfügungsgewalt – auch über den Körper – der Inbegriff von Macht ist.

KNA: Was erwarten Sie denn von der Synode?

Claus: Trotz aller Kritik begrüße ich es, dass das Thema Missbrauch überhaupt auf der Tagesordnung einer Synode steht. Viel zu lange ist die evangelische Kirche im Windschatten der katholischen Kirche mitgesegelt. Für den notwendigen Druck hat erst ein Hearing im Frühjahr in Berlin gesorgt, das sich mit dem Thema Missbrauch in beiden Kirchen beschäftigte. Ich hoffe natürlich, dass jetzt weitere Schritte folgen.

KNA: Welche Forderungen haben Sie?

Claus: Es muss eine unabhängige zentrale Anlaufstelle für Betroffene geben, zu der auch diejenigen kommen können, die sich nicht direkt an die Kirche wenden wollen oder können. Zudem muss auch die evangelische Kirche eine wissenschaftliche Studie in Angriff nehmen, damit wir endlich wissen, über wie viele Fälle wir eigentlich sprechen, und es muss analysiert werden, wie die Kirche mit diesen Fällen – mit den Betroffenen und mit den Tätern – umgegangen ist. Auch hier wurde vertuscht und versetzt. Bei allen Schritten sollten Betroffene miteinbezogen werden.

KNA: Ein Beauftragtenrat hat das Thema für die Synode vorbereitet. Wie stehen Sie zu dem Gremium?

Claus: Natürlich begrüße ich auch hier, dass es ein solches Gremium gibt und dass dadurch das Thema auf der Synode zur Sprache kommt. Aber es ist ein Problem, dass jede Landeskirche mit dem Thema Missbrauch anders umgeht und auch in diesem fünfköpfigen Gremium niemand den Vorsitz hat. Ich frage mich, über welche Befugnisse dieser Rat verfügt, wer letztlich festlegen kann, in welche Richtung es geht. Wie man nicht zuletzt an den Äußerungen Hubers sehen kann, gibt es genügend Kräfte, die die positiven Ansätze, die es ja inzwischen auch gibt, torpedieren wollen.

Das Interview führte Birgit Wilke.

(KNA)

Sommer-Gewinnspiel

Ab dem 15. Juli wochentäglich: unser multimediales Sommer-Gewinnspiel. Kirchengeräusch anhören, erraten und gewinnen!

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 23.08.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • In Hoffnung auf Beistand von oben: FC-Andacht vor erstem Heimspiel
  • Wochenkommentar des Chefredakteurs: Urteil Kardinal Pell
  • Superbilk - Ferienfreizeit für Kids in Düsseldorf
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Neuss steht Kopf – Eine Millionen Besucher zu Schützenfest erwartet
  • #PrayforAmazonas – Adveniat zu dramatischen Waldbränden in Brasilien
  • „Religions for Peace“ – Konferenz am Bodensee geht zu Ende
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Neuss steht Kopf – Eine Millionen Besucher zu Schützenfest erwartet
  • #PrayforAmazonas – Adveniat zu dramatischen Waldbränden in Brasilien
  • „Religions for Peace“ – Konferenz am Bodensee geht zu Ende
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Betend in die neue Saison – FC-Andacht heute im Kölner Dom
  • Margot Käßmann – Berufung in den World Council von "Religions for Peace"
  • Ausflug in Amsterdamer Geheimkirche
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Betend in die neue Saison – FC-Andacht heute im Kölner Dom
  • Margot Käßmann – Berufung in den World Council von "Religions for Peace"
  • Ausflug in Amsterdamer Geheimkirche
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Margot Käßmann – Berufung in den World Council von "Religions for Peace"
  • „Religions for Peace“ – Konferenz am Bodensee geht zu Ende
  • #PrayforAmazonas – Adveniat zu dramatischen Waldbränden in Brasilien
  • Neuss steht Kopf – Eine Millionen Besucher zu Schützenfest erwartet
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag. (Achtung: Sommerpause ab 1. Juli)