Ein Plakat mit einem Porträt von Asia Bibi
Ein Plakat mit einem Porträt von Asia Bibi
Berthold Pelster
Berthold Pelster
Islamisten protestieren gegen Freispruch für Asia Bibi
Islamisten protestieren gegen Freispruch für Asia Bibi

05.11.2018

Wie Islamisten Pakistan im Fall Asia Bibi vorführen Ein Spielball von Extremisten?

Der Freispruch der wegen Blasphemie in Pakistan angeklagten Christin Asia Bibi wird nun doch noch einmal rechtlich überprüft. Ist dies das Resultat des Aufbegehrens eines islamistischen Mobs? Ein Rechtsstaat, der sich in die Knie zwingen lässt?

DOMRADIO.DE: Nach Asia Bibis Freispruch haben Islamisten so lange lauthals auf den Straßen und in den sozialen Netzwerken gewütet, bis die Regierung des neuen pakistanischen Premierministers Imran Khan doch nachgegeben hat. Was zeigt uns das? 

Berthold Pelster (Katholisches Hilfswerk 'Kirche in Not'): Wir sind erschüttert über diese neue Wendung in diesem doch schon sich über Jahre hinziehenden Prozess. Der Druck der Islamisten scheint wirklich immens gewesen zu sein. Es gab Proteste und Demonstrationen auf den Straßen, sogar Straßenblockaden. Vielfach hatten die Islamisten angedroht, die Richter zu ermorden, falls sie Asia Bibi freisprechen würden.

Ebenso haben sie angedroht, die Familie zu ermorden, Asia Bibi zu ermorden, falls sie freigelassen werden würde. Dieser Druck der Extremisten war immens und offensichtlich hat die Regierung noch versucht, mit den Islamisten zu verhandeln. Aber sie musste dann wohl dem Druck nachgeben und hat also ein Ausreiseverbot für Asia Bibi verhängt. Sie haben wohl auch die Möglichkeit eingeräumt, dass Berufung eingelegt werden kann gegen diesen Freispruch. 

DOMRADIO.DE: Dabei war dieser Freispruch ja ein Urteil der höchsten Instanz. Kann man Pakistan vor diesem Hintergrund noch als Rechtsstaat bezeichnen? 

Pelster: Das ist sehr schwierig. Es ist natürlich in gewisser Weise ein demokratischer Staat. Aber die Regierung hat enorme Schwierigkeiten, mit islamistischen Gruppen und mit der islamistischen Stimmung im Land fertig zu werden. Ein wirklicher demokratischer Rechtsstaat ist das nicht.

DOMRADIO.DE: Asia Bibis Schutz sei erhöht worden und ihr Leben nicht in Gefahr, das versichert zumindest die Regierung. Wie wird es Ihrer Einschätzung nach nun weitergehen in dem Fall?

Pelster: Ja, das ist schwer zu sagen. Niemand weiß ja genau, wo Asia Bibi sich überhaupt aufhält. Eine Möglichkeit ist, dass sie noch in ihrer Gefängniszelle sitzt. Eine andere Möglichkeit ist, dass sie das Gefängnis letzte Woche nach dem Freispruch verlassen konnte. Sie hätte ja theoretisch gehen können. Möglicherweise hat sie das Land auch schon längst verlassen. All das ist völlig unklar. Es gibt da keine genauen Informationen. Falls sie sich noch im Land befinden sollte, ist die Situation ziemlich fatal.

Der Prozess geht ja schon seit ungefähr neun Jahren und es hat immer wieder Berufungsverhandlung gegeben. Immer wieder sind die Anhörungen verschoben worden. Das Ganze hat sich sehr in die Länge gezogen und im schlimmsten Fall wird es jetzt wieder Monate oder noch schlimmer Jahre dauern, bis etwas vorangeht. 

DOMRADIO.DE: Und wie wird sich das auf die Situation im Land auswirken? 

Pelster: Die Lage im Land ist wirklich sehr undurchschaubar. Der jetzige Premierminister hat in seinem Wahlkampf immer auch Aussagen getroffen, die den Islamisten entgegen kamen. Möglicherweise war das nur Wahlkampftaktik. Möglicherweise steckt aber auch mehr dahinter. Wir wissen wirklich nicht, wie die Situation im Land weitergehen wird.

DOMRADIO.DE: Der Anwalt von Asia Bibi hat Pakistan aus Angst um sein Leben bereits verlassen. Der Ehemann hat an westliche Staaten appelliert, ihn und seine Familie aufzunehmen. Viele sehen da auch Deutschland in der Pflicht. Wie sehen Sie das?

Pelster: Die internationale Staatengemeinschaft muss meines Erachtens sehr viel mehr Druck auf die pakistanische Regierung ausüben und deutlich mehr Solidarität zeigen, auch mit verfolgten Christen – gerade auch in diesem exemplarischen Fall. Da passiert vielleicht noch zu wenig. Ja, auch die Bundesregierung wäre da gefordert.

(DR)

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