Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig
Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig
Aktionskünstler Gunter Demnig mit einem Stolperstein
Aktionskünstler Gunter Demnig mit einem Stolperstein

23.10.2018

70.000. Stolperstein wird in Frankfurt verlegt "Das sind bewegende Momente"

Es ist das größte dezentrale Mahnmal der Welt: Die Stolpersteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Am Dienstag wird der 70.000. Stein verlegt. Doch immer noch gibt es Widerstand gegen das Projekt, wie der Künstler Gunter Demnig erzählt.

DOMRADIO.DE: Was für eine Bedeutung hat diese Zahl "70.000" für Sie?

Gunter Demnig (Künstler und Initiator der "Stolpersteine"): Vor dem Hintergrund dieses Projekts ist es immer schwer zu sagen: "Ich freue mich". Der Hintergrund ist kein Grund zur Freude. Denn letztendlich sind 70.000 Steine 70.000 zu viel.

DOMRADIO.DE: Für wen genau ist dieser siebzigtausendste Stein?

Demnig: Die Initiative in Frankfurt hat ihn bewusst ausgesucht. Willy Zimmerer war ein Mensch, der aus körperlichen Gründen, er war behindert, von den Nazis ermordet worden ist. Man muss sich klarmachen, dass die Nazis das Vergasen von Menschen mit den Behinderten geübt haben und dass die Männer, die in den Tötungsanstalten von Hadamar und Grafeneck ihr Werk getan haben, nach Auschwitz geschickt worden sind, um Juden in riesigem Stil zu vergasen.

DOMRADIO.DE: Die meisten Menschen denken spontan, wenn Sie von Opfern des NS-Regimes hören, wahrscheinlich zuerst an Juden. Sind das die meisten Geschichten und Steine, die Sie recherchiert haben?

Demnig: Im Ganzen genommen sind es die meisten Geschichten, aber es gibt durchaus Unterschiede in Deutschland. In Backnang bei Stuttgart sind 26 behinderte Menschen ermordet worden und sechs jüdische Opfer. Das ist ein extremer Unterschied. Aber überall dort, wo Behinderte ermordet worden sind, kommen jetzt Steine. Es war erst sehr schwierig, weil auch Kliniken gemauert haben, die nicht zugeben wollten, dass so etwas passiert ist. Aber das wird besser.

DOMRADIO.DE: Sie haben bisher in 23 Ländern solche Stolpersteine verlegt. Sind die immer und überall willkommen?

Demnig: Natürlich sind sie nicht willkommen, ich auch nicht. Aber mit drei Morddrohungen in 20 Jahren kann man leben. Natürlich gefallen die nicht jedem, manche werden ja daran erinnert, wem die Häuser vorher gehört haben. Aber es ist eben deutsche Geschichte. Das gehört dazu.

Das Grundkonzept meines Projektes war überall dort in Europa, wo die deutsche Wehrmacht, SS, Gestapo ihr Unwesen getrieben haben, für alle Opfergruppen irgendwann symbolisch Stolpersteine verlegt zu haben.

DOMRADIO.DE: Es kommen nach Frankfurt zu der Verlegung der Stolpersteine auch Angehörige der Menschen, deren Namen auf den Steinen stehen. Woher kommen die Leute?

Demnig: Von der ganzen Welt, kann man sagen. Die weiteste Anreise, die ich bisher erlebt habe, war von Tasmanien nach Köln. Weiter geht es nicht. Es gibt Familientreffen, wo Menschen aus fünf Ländern aus drei Kontinenten anreisen, die sich vorher noch nie getroffen haben. Es kommen manchmal wirklich vier Generationen zusammen. In Polen hatte ich die Verlegung eines Steines von einem Großvater und einer Großmutter und es kam aus St. Louis in den USA eine 19-köpfige Familie angereist. Das sind bewegende Momente.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

Mit Willibert auf Sizilien

Eindrücke von der DOMRADIO.DE-Reise

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Tageskalender

Radioprogramm

 20.10.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Neuer Generalsekretär der Seemannsmission
  • Flüchtlinge über Belarus und Polen
  • DOMRADIO.DE-Hörerreise auf Sizilien
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • „Bibel in leichter Sprache“
  • Caritas International zur "Belarus Route"
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • „Bibel in leichter Sprache“
  • Caritas International zur "Belarus Route"
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Regensburger Domspatzen singen im Altenberger Dom
  • Vatikan stellt Gebets-App „Click to Pray 2.0“ vor
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Regensburger Domspatzen singen im Altenberger Dom
  • Vatikan stellt Gebets-App „Click to Pray 2.0“ vor
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Himmelklar Podcast

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…