Johannes-Wilhelm Rörig
Johannes-Wilhelm Rörig

17.08.2018

Missbrauchsbeauftragter wirft Kirche mangelnde Aufarbeitung vor Strukturelle Probleme angehen

​Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, wirft der katholischen Kirche in Deutschland schlechte Aufklärung sexuellen Missbrauchs vor. Die Deutsche Bischofskonferenz wies die Anschuldigungen zurück.

Aufarbeitung werde wohl noch zu oft als Gefahr für die eigene Institution gesehen, erklärte Rörig in einem Interview mit der Funke Mediengruppe (Freitag). Die Haltung mache deutlich, wie sehr Institutionen- und Täterschutz noch immer vor Opferschutz stehe. "Es darf nicht mehr nur um den Schutz und das Ansehen der Kirche gehen." Für eine entsprechende Studie der Deutschen Bischofskonferenz hätten leider nicht alle Bistümer ihre Archive geöffnet. 

 

 

Um Missbrauchsfälle in Deutschland aufzuarbeiten, hatten die Bischöfe 2014 das Projekt "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen Ende September bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe in Fulda vorgestellt werden. "Es sind nicht nur Einzelfälle oder Einzeltäter - es sind immer auch strukturelle Probleme, die sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen ermöglichen", so Rörig. "Diesen Strukturproblemen muss sich die katholische Kirche auch in Deutschland stellen."

"Dunkle Seiten unserer Geschichte"

Die Deutsche Bischofskonferenz wies die Vorwürfe zurück. Der Missbrauchsbeauftragte, Bischof Stephan Ackermann, erklärte in einer Stellungnahme gegenüber DOMRADIO.DE: "Woher Herr Rörig die Information nimmt für seine Behauptung, dass nicht alle Bistümer dazu 'ihre Archive geöffnet' hätten, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich jedenfalls habe dazu keine Anhaltspunkte."

Der Pennsylvania-Bericht sei in seinem Resultat erschütternd, betonte Ackermann weiter. "Er zeigt, dass wir als katholische Kirche auch in der Aufarbeitung dieser dunklen Seite unserer Geschichte längst nicht am Ende sind. Deshalb ist es gut, dass am 25. September 2018 während der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda auch das Ergebnis des großangelegten Forschungsprojekts für den Bereich der Deutschen Bischofskonferenz vorliegt."

(KNA, dpa)

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