KZ-Gedenkstätte Ravensbrück
KZ-Gedenkstätte Ravensbrück
Symbolbild: Jung und Alt
Symbolbild: Jung und Alt

08.08.2018

Jugendliche aus aller Welt treffen KZ-Überlebende in Ravensbrück Eindrückliche Erinnerungen an die "Hölle am Schwedtsee"

Geschlagen werden bis zur Ohnmacht - für die Insassen von Konzentrationslagern der Nazis gehörte das zum Alltag. Damit dies nicht vergessen wird, haben Überlebende in Ravensbrück jungen Menschen ihr Schicksal erzählt.

"Ich habe in Büchern schon viel über die Zeit der Nationalsozialisten gelesen. Aber das Treffen mit Überlebenden hat das auf das nächste Level gehoben", sagt der 21-jährige Pavel Gajic beim Ravensbrücker Generationenforum. Auf Einladung der Hildegard Hansche Stiftung trafen der Serbe und rund 40 weitere Jugendliche aus ganzen Welt am Dienstag Überlebende des Konzentrationslagers im Norden Brandenburgs.

Die 96-jährige Selma van de Perre ist eine von ihnen. Die Jüdin aus den Niederlanden erzählte den Jugendlichen, wie sie dem Tod entkam. Nachdem die Nationalsozialisten das Land besetzt hatten, ging sie 1942 in den Untergrund und nahm eine nicht-jüdische Identität an. Sie schloss sich einer Widerstandsgruppe an, bis sie bei einem Treffen mit Verbündeten verhaftet wurde.

Schläge mit dem Gürtel bis zur Ohnmacht

Als 22-Jährige kam van de Perre 1944 ins KZ Ravensbrück und wurde bald darauf schwer krank. "Ich konnte nicht mehr runter von der Toilette", erzählt sie. Ein Aufseher entdeckte sie. Mit einem Gürtel schlug er auf sie ein, bis sie ohnmächtig wurde. Zwei andere Gefangene brachten sie danach auf die Krankenstation. Eine Aufseherin war am nächsten Tag sichtlich überrascht, dass van der Perre die Nacht überlebt hatte. "Ich musste wirklich schlimm ausgesehen haben", erinnert sie sich.

Als sie sich erholt hatte, meldete sie sich freiwillig zu Siemens-Werkstätten und konnte dort als Sekretärin arbeiten. Dort waren die Bedingungen besser als im KZ-Hauptlager. Bis zu ihrer Befreiung konnte sie ihre jüdische Identität geheim halten.

 "Hölle am Schwedtsee" 

Die SS ließ ab 1939 in Fürstenberg das größte Frauenkonzentrationslager auf deutschem Gebiet errichten. Das KZ Ravensbrück wurde nach dem benachbarten See als die "Hölle am Schwedtsee" bezeichnet. 132.000 Frauen und Kinder waren dort inhaftiert, darunter Jüdinnen, Sinti und Roma sowie "Asoziale" aus mehr als 40 Nationen. Auf dem KZ-Gelände entstanden Produktionsstätten für traditionelle Frauenarbeiten wie Schneidern, Weben und Flechten. Daneben errichtete die Firma Siemens und Halske 20 Werkhallen, in denen Häftlinge ab 1942 schuften mussten.

Mehrere Zehntausend starben dort an Hunger, Krankheiten oder medizinischen Experimenten, bis die Rote Armee das Lager 1945 befreite. Anschließend verfielen große Teile. Die seit 1993 bestehende Gedenkstätte bemüht sich, möglichst viel zu erhalten.

"Ich sehe es als meine Pflicht an, meine Geschichte zu erzählen"

Auch von ihrem Leben nach der Zeit im Lager erzählt van de Perre viel. Wie sie sich danach fremd fühlte in ihrer Heimat, wie ihr Bruder sie nach London holte, wie sie dort ihren Ehemann kennenlernte und studierte. Wie sie als Lehrerin und Journalistin arbeitete und wie sie im Ruhestand zum Golfen kam. Mit einem Hauch Sarkasmus und Humor in der Stimme erzählt sie, wie das Leben nach Zwangsarbeit und Misshandlungen weitergegangen war.

Wie viele Überlebende der Nazi-Lager wollte auch van de Perre keinen Fuß mehr auf deutschen Boden setzen. Doch sie brach das Versprechen. "Ich sehe es als meine Pflicht an, meine Geschichte zu erzählen", erklärt sie. Ihr Eindruck sei, dass gerade die jungen Leute in Deutschland wenig von ihren Großeltern aus der Zeit erführen. "Wahrscheinlich erzählen sie wenig, weil sie mitverantwortlich sind."

Viele Fragen

Zum 17. oder 18. Mal ist sie wieder in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück, um von ihren Erfahrungen zu erzählen. Beim ersten Mal sei es schrecklich gewesen. "Ich habe in den Nächten damals kein Auge zugemacht. Mein Gehirn arbeitete und alle Erinnerungen kamen hoch." Die jungen Workshop-Teilnehmer stellen ihr viele Fragen. Ob sie Rachegelüste gegenüber den Aufsehern habe, fragt ein junger Mann. "Sie haben es nach dem Krieg verdient, gehängt zu werden", antwortet van de Perre. Grundsätzlich sei ihr Groll gegen Deutschland aber weniger geworden.

Ihr Schicksal berührt auch die Hamburger Schülerin Dorys Lassey von der Irena-Sendler-Schule. Für sie ist es unvorstellbar, dass an einem so schönen Ort wie am Schwedtsee so Schreckliches passiert ist. Die Schülerin nimmt auch an einem Rap-Workshop teil, bei dem die Teilnehmer Texte der KZ-Überlebenden Batsheva Dagan im Stil von Poetry-Slams gestalten.

Maren Breitling
(KNA)

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