Vatikan äußert sich zu US-Missbrauchsskandal
Symbolbild Missbrauch in der katholischen Kirche
Kardinal Theodore E. McCarrick
Kardinal Theodore E. McCarrick

24.07.2018

Schwere Missbrauchsvorwürfe belasten Kardinal McCarrick Neue Anschuldigungen gegen "Onkel Ted"

Immer neue Vorwürfe gegen den früheren Erzbischof von Washington: Theodor E. McCarrick soll nicht nur erwachsene Seminaristen, sondern auch Jugendliche missbraucht haben. Der Skandal belastet die US-Kirche.

Einmal mehr könnte die Vergangenheit die US-Kirche einholen. Und wieder geht es um einen ranghohen Würdenträger, der wie kein zweiter das liberale Gesicht des US-Katholizismus prägte.

Kardinal Theodore E. McCarrick (88), der von 2001 bis 2006 die Erzdiözese Washington leitete, soll laut "Washington Post" nicht nur junge Priesteranwärter missbraucht haben, sondern mindestens auch zwei Minderjährige; vielleicht sogar mehr.

Schon im Juni wurde bekannt, dass der Geistliche auf Anweisung von Papst Franziskus nicht mehr öffentlich priesterliche Aufgaben ausüben darf. Hintergrund war der für glaubwürdig befundene Vorwurf, McCarrick habe sich als Priester vor 45 Jahren des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht.

Welle der Empörung

Als bisher letzte Person erstattete am 17. Juli ein Mann mit dem Decknamen "James" aus Virginia Anzeige. Der heute 60-Jährige behauptet, im Alter von elf Jahren erstmals Opfer des prominenten Seelsorgers geworden zu sein. "Ich wurde so erzogen, dass ich den Priestern und der katholischen Kirche vertraute", sagte das mutmaßliche Missbrauchsopfer in einem Interview. "Ich sollte glauben, dass sie mir immer helfen würde." Nahezu zeitgleich meldeten sich drei weitere Personen.

Bereits vor Wochen lösten im Fall McCarrick Enthüllungen über sexuelle Vergehen gegenüber Erwachsenen eine Welle der Empörung aus.

Dass er - nach neuen Informationen - auch Kinder und Jugendliche missbraucht haben soll, macht nun erst recht viele Gläubige sprachlos.

"Null-Toleranz"-Politik der US-Bischofskonferenz trug seinen Stempel

Es ist fast so wie in den frühen 2000er Jahren, als der "Boston Globe" erstmals über Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche berichtete. Ausgerechnet McCarrick setzte sich damals an die Spitze der Kirche im Umgang mit dem Missbrauchsskandal.

Die "Null-Toleranz"-Politik der US-Bischofskonferenz als Reaktion trug auch seinen Stempel. Besonders schmerzhaft ist für viele US-Katholiken, dass der Kardinal wegen seines besonderen sozialen Engagements in seiner Washingtoner Diözese als "Papst-Franziskus-Bischof" galt.

Die Vorwürfe gegen "Onkel Ted", wie er angeblich unter seinen Opfern bekannt war, sind in vielerlei Hinsicht deckungsgleich. Mehrere Betroffene berichten von ein- und demselben Strandhaus, in das sie von McCarrick allein oder in einer Gruppe eingeladen worden seien. Für die Nacht habe er einen Begleiter bestimmt, mit ihm das Bett zu teilen.

"Ich wollte nicht, dass er das tut. Ich mochte es nicht", sagt Robert Ciolek, ein ehemaliger Priesteramts-Anwärter, der kürzlich mit der "New York Times" über die Strandhaus-Erlebnisse sprach. 80.000 Dollar habe ihm die Kirche 2004 als Entschädigung gezahlt. Aus seiner Sicht ein "kühles Zahlenspiel" ohne Entschuldigung, Reue oder Anteilnahme.

Ciolek arbeitet heute als Anwalt. Andere ertränkten ihre Erinnerungen nach eigenen Angaben in Alkohol, kehrten dem Priesterleben ebenfalls den Rücken. McCarrick gibt indes an, er könne sich an die ihm vorgehaltenen Delikte nicht erinnern.

Nicht beachtete Hinweise?

Die mutmaßlichen Missbrauchstaten eines der höchsten Würdenträger der US-Kirche sorgen auch deshalb für Entsetzen, weil es im Laufe der Jahre zahlreiche nicht beachtete Hinweise gegeben haben soll. So informierte Pfarrer Boniface Ramsey aus New York, wie er in Interviews angab, im Herbst 2000 den Vatikan und berichtete mündlich über die Vorhaltungen gegen McCarrick.

Der erbetene Brief nach Rom sei nie beantwortet worden. 2015 habe sich Ramsey an Kardinal Sean O'Malley von Boston gewandt, seit 2014 Leiter der päpstlichen Kinderschutzkommission. Auch in diesem Fall sei eine Stellungnahme ausgeblieben.

Kardinal Joseph Tobin von Newark hat sich in den vergangenen Tagen mit Ciolek getroffen. Der bot dem Kirchenmann seine Hilfe bei der Aufdeckung des Skandals an, wie die "Washington Post" schreibt. Die Bischofskonferenz will sich demnach für eine schonungslose Offenlegung einsetzen. Derweil werden in den USA erste Stimmen laut, die Papst Franziskus auffordern, McCarrick den Kardinalstitel abzuerkennen und ihn in den Laienstand zurückzuversetzen.

Thomas Spang
(KNA)

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