Eisenerzbergwerk in Brasilien: Nach einem Dammbruch verteilten sich Schlamm und schädliche Stoffe. Eine Kuh trinkt davon.
Eisenerzbergwerk in Brasilien: Nach einem Dammbruch verteilten sich Schlamm und schädliche Stoffe. Eine Kuh trinkt davon.

16.07.2018

Über das Verhältnis von Unternehmen und Entwicklungshilfe Von Ölbohrungen im Südsudan bis zum Bergbau in Lateinamerika

Einerseits sammeln große Unternehmen, Banken und Fondsgesellschaften immer mehr Kapital an. Andererseits sollen sie dazu beitragen, die nachhaltigen Entwicklungsziele der UN zu erreichen. Konflikte bleiben nicht aus.

Ein Ende von Hunger und Armut, mehr Schutz für die Umwelt, menschenwürdige Arbeit für alle. Bis 2030 sollen diese und weitere nachhaltige Entwicklungsziele der Vereinten Nationen umgesetzt sein. Ein Mammutprojekt, für das laut Berechnungen von Experten allein in den Entwicklungsländern pro Jahr zwischen fünf und sieben Billionen US-Dollar nötig wären. Eine Billion - das ist eine Eins mit zwölf Nullen oder der Gegenwert von 1.000 Milliarden.

Die Zahl mag eine Ahnung von den Herausforderungen vermitteln, vor denen die Staatengemeinschaft steht. Und wirkt doch ihrerseits verschwindend gering etwa angesichts des in Steueroasen gelagerten Privatvermögens: Schätzungen gehen hier von bis zu 36 Billionen US-Dollar aus.

Vereinten Nationen beziehen Unternehmen mit ein

Der private Sektor verfügt also über genügend Mittel und Einfluss, um die Lebensverhältnisse auch der Menschen in den armen Ländern zu ändern. Die Vereinten Nationen beziehen deswegen auch Unternehmen, Finanzinstitute und Stiftungen in die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele mit ein.

Das klingt allerdings einfacher als es ist, wie eine neue Studie des entwicklungspolitischen Dachverbandes Venro festhält. Denn Konzerne oder Banken verfolgen eigene Ziele. Sie können bei der Ausarbeitung oder Finanzierung von Projekten als Partner von Nichtregierungsorganisationen auftreten. Aber auch als deren Gegner.

Ruf nach umweltfreundlichen Produktionsbedingungen

"Gegenwärtig vereinen weniger als 800 Firmen 80 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf sich", heißt es in der Studie. Oft sei es "extrem schwierig", sich mit Anliegen wie dem Ruf nach umweltfreundlichen Produktionsbedingungen Gehör zu verschaffen.

Klaus Stieglitz von der Aktion Hoffnungszeichen hat mit dem Kampf David gegen Goliath seine Erfahrungen gemacht. Im Südsudan deckten er und seine Mitstreiter auf, dass bei der Ölförderung in dem afrikanischen Land das Trinkwasser für rund 600.000 Menschen mit Schwermetallen und Salzen verschmutzt wird.

Mehrjähriger Dialog mit Daimler und Petronas

Eher zufällig sei Hoffnungszeichen mit den Missständen konfrontiert worden, sagt Stieglitz. Und stand plötzlich dem malaysischen Ölkonzern Petronas gegenüber, der an drei großen Ölkonsortien im Südsudan maßgeblich beteiligt ist und mit dem deutschen Autobauer Daimler unter anderem als Sponsor in der Formel 1 geschäftlich verbunden ist.

In einem mehrjährigen Dialog mit Daimler und Petronas versuchte Hoffnungszeichen, die Zustände in den betroffenen Gebieten des Südsudan zu verbessern. Ein bislang letztes Treffen fand im April in Zürich statt. Die Bilanz von Stieglitz: "Leider ist dieser Dialog beim Dialog stehen geblieben."

Hoffnungszeichen im Südsudan

Mehr noch: Als Hoffnungszeichen den Fall vor rund zwei Jahren öffentlich machte, wächst der Druck auf die Organisation. "Die Ölförderer im Südsudan haben uns leider nicht als konstruktive Lösungspartner angesehen, sondern als Störenfried", sagt Stieglitz. Inzwischen ist Hoffnungszeichen im Südsudan nicht mehr aktiv.

Erfahrungen in der Konfrontation mit Branchenriesen hat auch das katholische Hilfswerk Misereor gesammelt. Ein Beispiel ist der in der Schweiz ansässige Rohstoffkonzern Glencore, der wegen Korruption sowie Verstößen gegen Menschenrechte und Umweltschutzbestimmungen bei seinen Bergbauaktivitäten unter anderem in Lateinamerika für Negativ-Schlagzeilen sorgt.

Misereor wird weiter auf Defizite hinweisen

"Deutsche Banken stellen trotz dieser zahlreichen Vorwürfe noch immer Kapital für Glencore zur Verfügung", kritisiert Misereor-Chef Pirmin Spiegel und nimmt die Politik in die Pflicht. "Aus unserer Sicht fehlen letztlich weltweit verbindliche Regeln, die die Rolle von Unternehmen nachhaltig und im Sinne eines sozial-ökologischen Wandels definieren."

Eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft schließe das nicht aus - wenn diese mehr sei als ein "hübsches Beiwerk" in der Unternehmensbilanz, betont Spiegel. Dessen ungeachtet werde Misereor weiter auf Defizite hinweisen.

So wie es die Menschenrechtler von Urgewald tun, laut Venro-Studie der "Pitbull" unter den Nichtregierungsorganisationen. Mit einer Mischung aus akribischer Recherche, publikumswirksamen Kampagnen und Verhandlungsgeschick habe das aus 17 Personen bestehende Team schon Großkonzerne wie RWE und Allianz das Fürchten gelehrt.

Joachim Heinz
(KNA)

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