Werden in Irland bald wieder Wahlurnen aufgestellt?
Eine Wahlurne für das Referendum zum umstrittenen Abtreibungsgesetz in Irland

26.05.2018

Iren stimmen für Legalisierung der Abtreibung Prognose zum Referendum

Laut Prognosen haben sich die Iren mit deutlicher Mehrheit für die Abschaffung des strengen Abtreibungsverbots ausgesprochen. Einer Nachwahlbefragung zufolge votierten 68 Prozent dafür, 32 Prozent stimmten dagegen.

Im Auftrag der Zeitung waren mehr als 4.500 Wähler nach dem Verlassen der Wahllokale befragt worden. Ein amtliches Ergebnis des Referendums wird für den Samstagnachmittag erwartet.

Am Freitag waren die Iren aufgerufen, über den achten Zusatz zur Verfassung abzustimmen. Ihm zufolge ist das Lebensrecht des ungeborenen Kindes ebenso wertvoll wie das der Mutter. Das irische Recht sah deshalb Abtreibungen bisher auch in Fällen von Vergewaltigung, Inzest und bei schweren Missbildungen des Ungeborenen nicht vor. Nur wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, sind seit 2013 Ausnahmen möglich.

Ausland und Pillen

Für den Fall, dass die Wähler bei dem Referendum für die Abschaffung des achten Verfassungszusatzes stimmen, plant die Regierung eine Gesetzesinitiative, wonach eine Abtreibung in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen erlaubt ist. Wenn die Gesundheit der Mutter in Gefahr ist oder das ungeborene Kind eine tödliche Anomalie hat, soll ein Schwangerschaftsabbruch bis zur 23. Woche möglich sein.

Bislang gehören die gesetzlichen Vorgaben Irlands zur Abtreibung zu den strengsten der Welt. Nach einem Bericht des "Guardian" lassen jährlich rund 3.500 Frauen einen Schwangerschaftsabbruch außer Landes vornehmen, weitere geschätzte 2.000 Frauen greifen demnach illegal auf Abtreibungspillen zurück. In diesem Fall drohen jedoch bis zu 14 Jahre Haft. Der achte Verfassungszusatz war 1983 per Referendum in dem vorwiegend katholischen Land eingeführt worden.

"Dammbruch" in Sachen Lebensschutz

Abtreibungsgegner warnen dagegen vor einem leichtfertigen Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen. Die katholische Kirche befürchtet einen "Dammbruch" in Sachen Lebensschutz. Die Gesellschaft dürfe nicht akzeptieren, "dass ein Mensch das Recht habe, das Leben eines anderen zu beenden", so der Vorsitzende der Bioethik-Kommission der Irischen Bischofskonferenz, Bischof Kevin Doran von Elphin, in einem Hirtenbrief.

In einer gemeinsamen Stellungnahme vom März ermutigte die Bischofskonferenz alle Katholiken, sich "im Namen von Gleichheit, Fairness und Mitgefühl für jedermann" für das "Recht auf die Wahrung des Lebens" einzusetzen und "das Leben zu wählen". Auch nach Vergewaltigungen und bei schweren Behinderungen des Embryos dürfe man nicht vergessen: "Diese Kinder sind unschuldig und haben Anspruch auf die beste Unterstützung und Fürsorge."

"Ethisch nicht tragbar"

Erst kürzlich begründete Irlands Primas und Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, in einer Botschaft seine Nein-Stimme: Es sei widersinnig, den Verfassungsschutz für das ungeborene Kind in einer Zeit "wegzuwerfen", in der man durch medizinischen Fortschritt mehr als je zuvor über die Entwicklung des Babys im Mutterleib und "dessen Originalität und einzigartige Identität" wisse. Auch der Primas der anglikanischen Kirche von Irland, Richard Clarke, nannte die Abschaffung des Zusatzartikels "ethisch nicht tragbar".

Prognosen sahen lange einen deutlichen Vorsprung für die Befürworter von Abtreibungen, doch dieser schmilzt: Laut einer Umfrage von Sky News vom Montag unterstützen 47 Prozent der Befragten eine Reform. 37 Prozent möchten den Zusatzartikel unverändert in der Verfassung belassen. Ende Januar setzten sich noch 56 Prozent der Befragten für eine Lockerung des Abtreibungsgesetzes ein.

Vor drei Jahren hatten sich die Iren in einem Referendum überraschend deutlich für die Homo-Ehe ausgesprochen. Seit einem Jahr hat Irland mit Leo Varadkar einen Ministerpräsidenten, der homosexuell ist und indische Wurzeln hat. Jetzt steht die nächste große Entscheidung für die Iren an.

(epd, KNA)

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