Konzertbesucherin nach den Schüssen in Las Vegas
Konzertbesucherin nach den Schüssen in Las Vegas

02.10.2017

Nach Las-Vegas-Massaker: Papst und Bischöfe rufen zu Gebet auf "Sinnlose Tragödie"

Nach den tödlichen Schüssen bei einem Konzert in der US-Metropole Las Vegas, bei denen mindestens 59 Menschen ums Leben kamen, rufen Papst Franziskus und Bischöfe in den USA zum Gebet auf.

In einem Telegramm an den örtlichen Erzbischof Joseph Anthony Pepe sprach der Vatikan am Montag von einer "sinnlosen Tragödie". Franziskus sei "tieftraurig" über das Geschehen; er sei allen Betroffenen im Geist nahe. Den Verletzten sicherte Franziskus sein Gebet zu. Die Menschen, die ums Leben kamen, vertraue er der "barmherzigen Liebe des allmächtigen Gottes" an, hieß es in dem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gesendeten Schreiben.

Bei einem Musikfestival in Las Vegas hatte am Sonntagabend (Ortszeit) ein Mann aus dem 32. Stock eines Hotels auf Konzertbesucher geschossen. Nach aktuellen Polizeiangaben wurden mindestens 58 Menschen getöte, 500 verletzt. Der Sender CNN sprach vom größten Massenmord mit einer Schusswaffe in der jüngeren US-Geschichte.

Reaktionen im Inland

US-Präsident Donald Trump bezeichnete den Anschlag als "Akt des puren Bösen". Gouverneur Sandoval sprach auf Twitter von einer tragischen und abscheulichen Gewalttat. "Unsere Gebete gelten allen, die von diesem feigen Akt betroffen sind."

Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, betonte: "Wir sind heute Morgen aufgewacht und haben von einer weiteren Nacht voll unbeschreiblichem Terror erfahren." Die einzige Reaktion auf den Anschlag dürfe nun sein, "Gutes zu tun", betonte der Kardinal am Montag in einer Pressemitteilung. "Wir müssen nun beten und uns um die Leidenden kümmern."

Auch US-Bischof Michael Francis Burbidge rief zum Gebet auf: "Wir sind im Gebet vereint für diejenigen, die in der vergangenen Nacht bei dem schrecklichen Anschlag in Las Vegas getötet und verletzt wurden. Möge Gott sie in seiner Liebe umarmen", erklärte der Bischof von Arlington (US-Bundestaat Virginia) am Montag auf Twitter.

Auch der Bischof von Arlington im Bundesstaat Virginia, Bischof Michael Francis Burbidge, sowie der Gouverneur von Nevada, Brian Sandoval, hatten nach der Bluttat zum Gebet aufgerufen. Bischof Burbidge schrieb: "Wir sind im Gebet vereint für diejenigen, die in der vergangenen Nacht bei dem schrecklichen Anschlag in Las Vegas getötet und verletzt wurden. Möge Gott sie in seiner Liebe umarmen".

Stimmen aus dem Ausland

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb in einem Kondolenztelegramm an Trump, sie habe "mit Erschütterung" die Nachrichten aus Las Vegas vernommen, "wo bei einer Schießerei viele Menschen ihr Leben verloren und unzählige weitere verletzt wurden". Das Mitgefühl und die Anteilnahme der gesamten Bundesregierung würden den Angehörigen und den Familien der Opfer gelten. "Den Verwundeten wünschen wir rasche Genesung", so Merkel in "stiller Anteilnahme".

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sandte am Montag ein Kondolenzschreiben an US-Präsident Donald Trump - der sich zunächst nicht zu dem Anschlag äußerte. "Mit Entsetzen verfolge ich die Nachrichten über den Anschlag auf ein Musikkonzert in Las Vegas. Fröhlich feiernde Menschen sind offenbar Opfer eines einzelnen Attentäters geworden, dessen Motive noch völlig unklar sind", schrieb Steinmeier. An den US-Präsidenten gerichtet fügte Steinmeier hinzu: "Ich wünsche Ihnen und den Menschen in den USA viel Kraft, um die Trauer und den Schmerz über dieses Attentat zu bewältigen."

Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, äußerte sich auf Twitter "tief betroffen" über die Morde von Las Vegas. Sein Mitgefühl sei bei den Hinterbliebenen. Offenbar mit Blick auf anfängliche falsche Spekulationen über die Hintergründe des Massenmords fügte Mazyek hinzu: "Und Schande über all die #fake-newser, die Leid instrumentalisieren."

Mutmaßlicher Täter gestellt und getötet

In den sozialen Online-Netzwerken war auf Videos zu hören, wie während des Open-Air-Konzert am Hotel Mandala Bay auf dem berühmten Las Vegas Strip plötzlich zahlreiche Schüsse fallen. Der Schütze feuerte vom 32. Stock des Hotels offenbar aus einer automatischen Waffe. In seinem Hotelzimmer befanden sich Medienberichten zufolge mehrere Waffen. Das Tatmotiv blieb zunächst unklar.. Der Bruder des Verdächtigen sagte in verschiedenen Interviews, der mutmaßliche Täter sei kein Fanatiker gewesen, weder politisch noch religiös. Er habe mehr Geld gehabt als der Durchschnitt.

Der Schütze hatte Polizeiangaben zufolge am späten Sonntagabend (Ortszeit) von einem Hotelzimmer aus das Feuer auf Besucher eines Country-Musik-Konzerts eröffnet. Als die Polizei sein Hotelzimmer stürmte, habe er sich selbst getötet, hieß es. Der 64-jährige Stephen Paddock soll demnach allein gehandelt haben. "Wir glauben, dass es ein Einzeltäter ist. Ein einsamer Wolf", sagte Sheriff Lombardo.

Paddock wohnte den Angaben zufolge nahe Las Vegas. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) reklamierte allerdings den Anschlag in ihrem Informationsdienst Amaq für sich, wie es hieß. Der Täter sei vor wenigen Monaten zum Islam konvertiert.

Augenzeugen berichteten von Hunderten Schüssen

Der Tatort befand sich nahe dem Mandalay Bay Resort and Casino - es gehört wegen seiner goldschimmernden Fassade zu den markanten Gebäuden des Unterhaltungsboulevards Las Vegas Strip. Die Schüsse fielen bei dem beliebten Route 91 Country Music Harvest Festival. Augenzeugen berichteten von Hunderten Schüssen.

Viele Menschen hätten blutüberströmt am Boden gelegen, sagte ein junger Mann dem Sender CNN. Die Konzertbesucherin Cari Copeland Pearson sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir krochen über Tote." Sie habe viele Schüsse gehört, vermutlich aus einem automatischen Gewehr. Ein weiterer Augenzeuge sagte CNN: "Menschen begannen, wie Fliegen zu fallen". Viele hätten sich zu Boden geworfen, um sich vor den Schüssen in Sicherheit zu bringen.

Gabriele Chwallek und Aliki Nassoufis
(dpa, KNA)

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