Eheringe mit dem Wort Liebe
Eheringe mit dem Wort Liebe

11.08.2017

Soziologe: Religion prägt Länge und Qualität von Ehen Christliche Regeln des Zusammenlebens

Protestanten und Katholiken bleiben Studien des Kölner Soziologen Michael Wagner zufolge länger verheiratet als Menschen ohne eine religiöse Bindung. Ein geringeres Scheidungsrisiko ist jedoch nicht mit einer glücklichen Ehe gleichzusetzen.

Ehen würden seltener geschieden, wenn sich die Partner an christliche Regeln des Zusammenlebens halten, sagte Wagner, der seit Jahrzehnten über die Stabilität von Partnerschaften forscht, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressdienst. Dazu gehörten etwa die Versprechen, einander treu zu sein oder sich umeinander zu kümmern. Förderlich für eine lange Ehe sei auch, wenn die Partner die eheliche Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellten und nicht nur das eigene Wohl.

Glücklich geschieden?

Ein geringeres Scheidungsrisiko sei jedoch nicht automatisch mit einer glücklichen Ehe gleichzusetzen, betonte der Soziologieprofessor. So blieben viele Menschen aufgrund von "externen Scheidungsbarrieren" zusammen, obwohl sie unglücklich in der Beziehung seien. Dazu zähle etwa, wenn einer der Partner vom anderen finanziell abhängig sei oder die Angst, als geschiedene Person gesellschaftlich benachteiligt zu werden. Auch Kinder seien vielfach ein Grund, warum Paare sich nicht scheiden ließen.

Eine weitere Hemmschwelle ist Wagner zufolge die Religion. "In den Kirchen gilt immer noch die Regel, dass eine Ehe nicht geschieden werden soll." Dies treffe insbesondere auf die katholische Kirche zu, die die Ehe als Sakrament ansehe. Dabei seien hohe Scheidungsraten nicht per se ein gesellschaftliches Problem, betonte er: "Es ist doch gut, dass unglückliche Ehen geschieden werden können und die Partner die Chance bekommen, eine glücklichere Beziehung einzugehen."

Das Umfeld miteinbeziehen

Der Soziologe forderte von der Gesellschaft eine bessere Unterstützung für Ehepaare in Scheidung. Eine gesellschaftlich geregelte und unterstützte Trennung sei wichtig, damit Partner und Kinder nicht mit ihren Verletzungen sowie ihrer Wut und Trauer allein gelassen würden. Auch die Kirchen könnten helfen, eine solche "Scheidungskultur" sowie Rituale zur Trennung zu entwickeln.

Vorstellbar sei etwa eine Abschiedsfeier mit Freunden und Verwandten. Das Umfeld könne so miteinbezogen werden und dabei helfen, dass die Partner auch nach der Trennung eine gute Beziehung aufrechterhielten. "Das ist wichtig für die Kinder, und letztlich ja auch für die Partner."

(epd)

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