In Gedenken an den chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiabo
In Gedenken an den chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiabo

16.07.2017

Liu Xiaobo findet letzte Ruhe im Meer Freunde protestieren

Der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist am Samstag beigesetzt worden - in kleinem Kreis und auf See. Kritiker sprechen von einem Schachzug der Regierung, um Anhängern keine Erinnerungsstätte zu bieten.

Abschied mit Distanz: Zwei Tage nach seinem Tod ist der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo in Stille beigesetzt worden. Der Leichnam sei am Samstagmorgen eingeäschert und die Asche später auf See verstreut worden, meldeten chinesische Medien. Freunde des Dissidenten und Aktivisten protestierten gegen die "überhastete" Bestattung. Mit der Seebestattung gebe es nicht einmal ein Grab, an dem Anhänger Lius Abschied nehmen könnten.

"Dies ist übel, sehr übel", zitierte die englische Zeitung "The Guardian" den im Exil lebenden Autor Liao Yiwu, einen Freund des Verstorbenen. Der Künstler Ai Weiwei sagte, er gehe davon aus, dass Liu auf See bestattet worden sei, um seinen Anhängern keine Erinnerungsstätte für den Menschen Liu und seine Ideen zu bieten. "Es ist ein Spiel", zitierte ihn die Zeitung. "Traurig aber wahr."

Der seit Jahren inhaftierte Dichter und Philosoph Liu Xiaobo war am Donnerstag im Alter von 61 Jahren an den Folgen seiner Leberkrebserkrankung in einer chinesischen Klinik gestorben. Der Abschiedszeremonie am Samstagmorgen zu Klängen von Mozarts Requiem hätten neben der Witwe Liu Xia Freunde und Angehörige beigewohnt, berichteten chinesische Medien unter Berufung auf staatliche Angaben. Anhänger Xiaobos hätten jedoch klargestellt, dass keine engen Freunde dabei gewesen seien, meldete die in Hongkong erscheinende "South China Morning Post".

Äußerungen eines Behördensprechers, die bislang unter Hausarrest stehende Witwe sei frei, widersprach der Anwalt ihres Mannes, Jared Genser, laut Berichten den britischen Senders BBC. Die 56-jährige Künstlerin werde seit dem Tod ihres Mannes in Abgeschiedenheit gehalten, sagte er. "Die Welt muss etwas unternehmen, um sie zu retten - und zwar schnell."

Bedrängt von den Behörden?

Ein Bruder des Verstorbenen wurde laut "South China Morning Post" indes bei einer im Fernsehen ausgestrahlten Pressekonferenz der Behörden von Shengyang mit Dank an die Partei gezeigt. Von der medizinischen Betreuung bis zur Beisetzung hätten Partei und Regierung die Wünsche der Familie erfüllt. Menschenrechtler äußerten die Vermutung, der Bruder sei von den Behörden dazu gedrängt worden. Nicolas Bequelin, Ostasien-Direktor von Amnesty International, sprach dem "Guardian" zufolge von einer "grausamen und kaltschnäuzigen politischen Show". Lius Witwe war nicht zu sehen.

Liu Xiaobo war erst Ende Juni aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus verlegt worden. China hatte dem Sterbenskranken und seiner Frau trotz vieler Appelle die Ausreise verweigert. 2009 war der Schriftsteller zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Anlass war die "Charta 08", ein Aufruf für demokratische Reformen.

In Hongkong gingen am Samstagabend Tausende Menschen auf die Straßen, um des verstorbenen Dissidenten zu gedenken. Im Kerzenschein trauerten sie um den großen Aktivisten.

(epd)

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