Schild "Autonomes Fahrzeug kreuzt"
Schild "Autonomes Fahrzeug kreuzt"
Scheidet aus: Weihbischof Anton Losinger
Weihbischof Anton Losinger

21.06.2017

Weihbischof Losinger berät zum "autonomen Fahren" Wer entscheidet beim Crash?

Ins Auto setzen, Ziel eingeben und entspannen: Das könnte beim "autonomen Fahren" Realität werden. Doch wer übernimmt Verantwortung bei einem Unfall? Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger hat sich mit dieser Frage beschäftigt.

domradio.de: In einigen Jahren könnten viele Neuwagen autonom fahren: Das heißt, der Fahrer muss nicht mehr selber bremsen, Gas geben und den Verkehr überwachen. Das übernehmen dann die vielen Assistenzsysteme, die über Radar, Sensoren und Stereokameras das Verkehrsgeschehen beobachten und das Auto selbstständig steuern. Sie sind im Vorhinein einmal selbst in einem selbstfahrenden Auto mitgefahren. Hand aufs Herz, fühlt man sich hundert Prozent wohl darin?

Anton Losinger (Weihbischof in Augsburg und Mitglied einer Ethikkommission zum "Autonomen Fahren"): Man steigt zunächst mit einer gewissen Skepsis in so ein Auto ein. Aber schon sehr bald merkt man, mit welcher technischen Perfektion diese neuen digitalen Programme das Fahrzeug steuern können. Es beruhigt sehr, zu sehen, wie genau so ein Auto fährt und wie präzise es sich an die Verkehrsregeln hält - und vor allem wie defensiv und rücksichtsvoll eine solche digitale Steuerung beim Umgang mit anderen Autofahrern programmiert ist.

domradio.de: Über die ethischen Folgen des selbstfahrenden Autos hat sich eine Expertenrunde Gedanken gemacht und am Dienstag in Berlin ihre Vorschläge vorgestellt. Der Kommission gehören auch Sie an. Mit Ihrer Kommission haben Sie 20 Thesen verfasst, die sich darum drehen, wie man mit autonomen Autos umgehen soll. Da steht unter anderem drin, dass Autos sich nur dann selbst steuern dürfen, wenn das die Sicherheit gegenüber dem menschlichen Fahren erhöht. Ist autonomes Fahren wirklich sicherer? 

Losinger: In unserer Stellungnahme gehen wir davon aus, dass die autonomen Steuerungsmöglichkeiten die Sicherheit im Straßenverkehr dramatisch erhöhen werden. Wir kennen das jetzt schon, Beispiel: teilautonomes Fahren mit dem ABS-Bremssystem. Wir könnten mit den digitalen Programmen problemlos diese brutalen Unfälle – zum Beispiel wenn Laster auf Stau-Enden drauf fahren – vermeiden. 

domradio.de: Die große Frage ist: Was passiert, wenn es trotz aller Technik zum Unfall kommt? Fährt man lieber das Kind oder lieber die Großmutter um? Sie sind Ethikexperte und waren die vergangenen Jahre im deutschen Ethikrat. Kann man denn aus ethischer Sicht einen Computer so eine Entscheidung treffen lassen?

Losinger: Solche Unfallsituationen und Dilemma sind sehr selten, also "Eins zu einer Million"-Fälle. Vorausgesetzt ist, dass eine ethische und technische Programmierung solcher Systeme angesetzt wird, die Unfälle im Vorfeld dramatisch reduziert und nach Möglichkeit ganz vermeidet. Inhärente Sicherheit nennt man das. Wenn es aber zu tödlichen Unfällen kommt, wird auch künftig so etwas wie ein Restrisiko da sein. Unsere ethische Antwort lautet: Zunächst muss das Maximum an Sicherheit herausgeholt werden. Wenn es aber zu so einer Kollision kommt, gilt eins: Aufgrund unseres Begriffs der Würde des Menschen dürfen Menschen nicht nach persönlichen Merkmalen ausgesucht, bevorzugt oder benachteiligt werden - auch nicht nach dem Alter. Wo immer die Würde des Menschen in den Raum kommt, sind alle Menschen gleich an Würde und Rechten. Es steht einer digitalen Steuerung nicht zu, solche Unterscheidungen vorzunehmen, die für jeden Menschen einzigartig sind.

domradio.de: Wenn wir jetzt all das bedenken: Kann ich als Christ guten Gewissens in ein selbstfahrendes Auto einsteigen?

Losinger: Ich habe es getan und mich in ein Testfahrzeug gesetzt. Ich war von der Leistung dieser Programmierung sehr überzeugt. Es wird in dieser dramatischen technischen Entwicklung - Stichwort Digitalisierung und Big Data  - in absehbarerer Zeit mehr und mehr perfektionierte Systeme geben. Ich denke sogar, dass wir in absehbarer Zeit in eine Situation kommen, wo der Staat eine solche Ausstattung gesetzlich vorgeben kann – sofern das technische System die Sicherheit deutlich erhöht. 

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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