Greenpeace: Mit dabei beim C20-Gipfel
Greenpeace: Mit dabei beim C20-Gipfel
Abschlusserklärung entgegengenommen: Kanzlerin Merkel
Abschlusserklärung entgegengenommen: Kanzlerin Merkel

20.06.2017

Kanzlerin nimmt Forderungen der Zivilgesellschaft entgegen Applaus und Gegenwind für Merkel beim Civil 20-Gipfel

Vertreter von mehr als 200 Organisationen aus aller Welt sind in Hamburg zum Civil 20-Gipfel zusammengekommen. Für ihre Einbeziehung in die G20-Beratungen finden einige lobende, manche aber auch kritische Worte.

Die Luft ist stickig und heiß in dem Saal, in dem gleich die Bundeskanzlerin auftreten soll. Den mehreren Hundert Vertretern von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, die sich versammelt haben, rinnt der Schweiß von der Stirn. Als sich die Türen öffnen und Angela Merkel eintritt, weht ein Luftzug durch die Reihen. Die Teilnehmer erheben sich und applaudieren für die Frau, der sie gleich ihre kritischen Forderungen übergeben wollen.

Große Geste

Im Saal sitzen nach Angaben der Veranstalter Vertreter von mehr als 200 Organisationen aus rund 50 Ländern, darunter Greenpeace, die Kindernothilfe, Misereor, Brot für die Welt und die Robert Bosch Stiftung. Die sogenannten Civil 20 (C20) sehen sich als Vertreter der Zivilgesellschaft, als solche werden sie in die Beratungen der G20 miteinbezogen. Dass die Kanzlerin eigens zu ihrem Gipfeltreffen anreist, um die Abschlusserklärung entgegenzunehmen betrachten sie als große Geste. In dem Dokument fordern die Vertreter unter anderem die Bekämpfung des Hungers, Klimaschutz und den Ausbau des internationalen Gesundheitssystems.

"Afrika braucht auch eine Merkel"

Forderungen, die Merkel dem Grundsatz nach unterstützt. Für ihre knapp zehnminütige Rede erntet die Kanzlerin immer wieder Applaus, etwa nach Sätzen wie: "Ich bin überzeugt, dass nur eine freie Zivilgesellschaft dauerhaftes Wohlergehen garantieren kann", oder: "Globalisierung ist kein Schicksal, dem man tatenlos zusehen muss, sondern Globalisierung ist gestaltbar." In der folgenden Podiumsdiskussion sagt ihr die aus Uganda stammende Geschäftsführerin von Oxfam International, Winnie Byanyima, dass sie sich Führungspersönlichkeiten wie Merkel auch in Afrika wünsche.

Fundamentale Veränderungen gefordert

Byanyima, die in der bunten Tracht ihres Landes auftritt, ist es allerdings auch, die Tacheles redet, nachdem die Debatte einige Zeit nur vor sich hingeplätschert ist: "Entschuldigung, Frau Bundeskanzlerin, wir brauchen nicht ein paar Änderungen hier und da, wir brauchen fundamentale Veränderungen." Sie fordert konkrete Ergebnisse bei der weltweiten Bekämpfung der extremen Armut oder bei der Herstellung von Steuergerechtigkeit. Merkel weist auf die Erfolge bei der Armutsbekämpfung in Asien hin und erklärt: "Globalisierung wird nicht allein dadurch gerecht, wenn wir nur die extreme Armut bekämpfen würden. Es braucht mehr."

"…aber die Hoffnungen waren größer."

Dass es mehr braucht, davon ist auch Klaus Schilder, Vertreter des katholischen Hilfswerks Misereor auf dem C20-Gipfel, überzeugt: mehr politisches Engagement, mehr Transparenz, mehr Mitspracherecht der unabhängigen Organisationen. "Ja, die Einbindung der Zivilgesellschaft ist besser als in den letzten Jahren", sagt Schilder, "aber unsere Hoffnungen waren größer". Was beispielsweise in den zahlreichen Arbeitsgruppen der G20 besprochen werde, sei für Außenstehende nicht transparent. Zu den politischen Entscheidungsprozessen gebe es keinen Zugang. Und nur darauf komme es eigentlich an, der Rest sei "Kosmetik". "Es geht nicht darum, der Bundeskanzlerin die Forderungen nur zu überreichen, sondern sie auch umzusetzen", so Schilder im Gespräch mit Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Merkel: "Aber es geht schrittweise voran"

Dass das harte Arbeit ist, weiß auch Merkel. Manche Forderung sei leichter ausgesprochen als verwirklicht und nur gegen viele Widerstände durchsetzbar. "Wir werden nicht alles erfüllen können, was Sie sich vorstellen, aber es geht schrittweise voran", verspricht sie den Civil 20. Bevor die Kanzlerin das Treffen verlässt, sagt sie zu, auch Argentinien, das im Dezember die G20-Präsidentschaft von Deutschland übernimmt, bei der Auflage eines Zivilprozesses zu helfen.

Wieder gibt es Applaus für Merkel, allerdings nicht so lang, wie zu Beginn. Noch einmal weht ein Luftzug durch die Sitzreihen, als die Bundeskanzlerin das Treffen wieder verlässt. Doch heiß ist es immer noch. Schweißgebadet verlassen die Zuhörer den Raum.

Michael Althaus
(KNA)

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