Journalist bei der Arbeit
Journalist bei der Arbeit
Joachim Frank
Joachim Frank

02.04.2017

Wie ein Christ als Journalist arbeiten sollte Kann Glaube auch Teil der Berichterstattung sein?

"Journalist und Christ - Macht der Glaube einen Unterschied?" Diese Frage haben sich Katholiken auf der Jahrestagung der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands gestellt. Ein Interview mit dem GKP-Vorsitzenden Joachim Frank.

domradio.de: Herr Frank, zu welchem Schluss sind Sie auf ihrer GKP-Jahrestagung in Passau gekommen? Macht der Glaube einen Unterschied?

Joachim Frank (Chefkorrespondent der DuMont-Mediengruppe und Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands): Wir haben festgestellt, dass man diese Frage nicht so einfach beantworten kann. Das muss und wird jeder Kollege für sich beantworten. Wir hatten auch Gäste aus Österreich von unserem Schwesterverband zu Gast. Eine Kollegin hat bei "Die Presse" eine Umfrage gemacht und hat sehr gegenteilige Antworten bekommen. Ein Kollege sagte: "Wenn man meinem Texten nicht anmerkt, dass da ein gläubiger Christ schreibt, dann mache ich etwas falsch." Und der andere sagte: "Ich mache genau dann etwas falsch, wenn irgendwie das katholische durchklingt."

Ich denke, der Glaube macht einen Unterschied für jeden, für den er existenziell etwas bedeutet. Aber ob und inwieweit er in die Berichterstattung oder in die Art des Schreibens einfließt, da würde ich ein Fragezeichen machen. Es gibt keine katholischen Nachrichten im engeren Sinne.

domradio.de: Das heißt aber, wenn wir es konkret machen: Ich kann als gläubiger Katholik durchaus einen Kommentar für die "Ehe für alle" schreiben?

Frank: Ich überlege. Solange ich jetzt nicht damit in Anspruch nehme, die Position des Lehramts zu vertreten, geht das. Wir hatten den Chefredakteur der "Tagespost" zu Gast, die sich ja als katholische Zeitung bezeichnet. Und der sagte: "Gerade, was dogmatische oder lehramtliche Fragen betrifft: Letztlich ist der Chefredakteur das Lehramt, oder - anders herum - das Lehramt der Chefredakteur." Das würde ich jetzt in einer säkularen Zeitung für ziemlich fatal halten.

domradio.de: Das heißt, in gewissem Sinne kann die Haltung die ich habe - durch mein persönliches Leben oder durch meinen Glauben und meine Überzeugung - auch Teil der Berichterstattung sein?

Frank: Das denke ich schon. Wenn der Glaube mein Leben prägt und wenn das Menschenbild vom Glauben bestimmt ist, dann fließt das sicherlich in die Berichterstattung mit ein.

Wir hatten einen Workshop, in dem ging es darum: "Welche Bilder zeige ich eigentlich in der Zeitung und wie gehe ich mit Menschen um?" Daraus war die Quintessenz, dass der Journalist, der sich als Christ versteht, sagt und im Kopf haben muss: Der Mensch, den ich zeige, ist auch ein Ebenbild Gottes. Man muss sich fragen: Wie stelle ich denjenigen dar? Das muss bei Opfern von Verbrechen ebenso gelten wie für den Umgang mit Verbrechern und Kriminellen.

domradio.de: Wie kann ich denn dann dem Vorwurf vorbeugen, dass ich nicht mehr objektiv bin?

Frank: Ich glaube, das hängt vom Genre ab. Im Nachrichtenjournalismus wird man viel größeren Wert drauf legen müssen, dass die Nachrichtenvermittlung neutral ist. Wir hatten einen Vortrag vom Passauer Professor Ralf Hohlfeld, der sehr schön dargestellt hat, wie sich auch das über die Jahrzehnte verändert hat. In den 60er und 70er Jahren hat der Journalist seine Rolle zum Beispiel deutlich stärker als gestalterisch, aufklärerisch und die Gesellschaft verändernd verstanden. Damals ging es um Bewusstseinswandel beim Leser.

domradio.de: Und jetzt?

Frank: Die Tendenz geht heute immer mehr dahin, dass sich Journalisten als neutrale Vermittler von Nachrichten verstehen - zumindest im Bereich des Nachrichtengeschäftes. Der Kommentator wird noch mal ganz anders da ran gehen. Einen Kommentar wird man ja im Publikum auch anders lesen als eine Nachricht. Von daher würde sich die Frage nach Fake-News oder gelenkter Berichterstattung immer erst dann stellen müssen, wenn man an den Berichten etwas auszusetzen hat. Wenn man an einem Kommentar etwas auszusetzen hat, findet das auf einer anderen Ebene statt.

domradio.de: Das heißt aber auch, Sie werben für eine strikte und klare Trennung von Berichterstattung und kommentierender Berichte und Meinung?

Frank: Es gibt ja die Genres, die so etwas vermischen. Zum Beispiel gibt es das Feature, in dem auch eine Tendenz oder eine Meinung erkennbar wird. Das würde ich auch nicht abschaffen wollen. Aber der Journalist sollte selber kenntlich machen: Hier berichte ich neutral und objektiv, und hier gehe ich in die Kommentierung über. Man erleichtert es sich selbst und dem Publikum, wenn es nicht das Gefühl bekommt: Ich werde vom Journalisten gelenkt.

domradio.de: Ist es aber nicht trotzdem so, dass eigentlich das Medium geschätzt wird, in dem Meinung und Haltung hochgehalten werden?

Frank: Davon bin ich fest überzeugt. Wir leben ja in Zeiten, in denen die Nachricht an sich nichts mehr wert ist, weil man sie mal eben schnell in der U-Bahn auf dem Smartphone konsumiert. Da erwartet der Leser aber dann eine Einordnung und Orientierung - aber so, dass erkennbar ist, was wo stattfindet. Ich glaube, dass es erforderlich ist, dass wir als Journalisten auch unsere Meinung klar sagen – gerade in Zeiten, in denen grundlegende Werte in unserer Gesellschaft gefragt sind.

Es war während der Tagung hoch interessant zu sehen, wie das eigentlich in Gesellschaften und Systemen ist, in denen Meinungsfreiheit und Grundrechte nicht gelten. Kann da eigentlich ein Journalist neutral bleiben? Und da ging die Meinung der Tagung in die Richtung: Nein, da muss er Partei ergreifen, da muss auch der Journalist in Verteidigung von grundlegenden Werten Position beziehen.

domradio.de: Auch mit Blick auf Kirche und Glauben wird viel hinterfragt: Brauchen wir den christlichen Glauben und die Kirchen in der Gesellschaft noch? Wie kann man da als katholischer Journalist seine Haltung bewahren?

Frank: Derjenige, der als bekennender Christ die positive Religionsfreiheit in Anspruch nimmt, der weiß ja auch eher, wovon er redet. Das kann er nutzen. Bei der Kirche ist es ja ähnlich wie bei der Fußballnationalmannschaft - jeder glaubt, er könne mitreden. Da ist es gut, wenn man sich auskennt und Fachkenntnisse hat.

Das Interview führte Matthias Friebe.

(dr)

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