Zahl der Organspenden auf neuem Tiefstwert
Zahl der Organspenden auf neuem Tiefstwert

12.01.2017

Zahl der Organspenden fällt auf den bislang niedrigsten Wert Weiter im Spendentief

Trotz aller Aufklärungs- und Werbekampagnen: Die Zahl der Organspender ist im Jahr 2016 auf den bislang niedrigsten Wert gefallen. Transplantationsmediziner wollen vor allem die Krankenhäuser in die Verantwortung nehmen.

Im vergangenen Jahr spendeten 857 Verstorbene ihre Organe, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. 2015 waren es 877 und im Jahr zuvor 864 Spender gewesen. 2010 waren es noch 1.296.

Die Anzahl der nach dem Tod gespendeten Organe lag 2016 nach den Angaben bei 2.867 gegenüber 2.901 Organen im Vorjahr. Auf eine Million Einwohner gab es im deutschlandweiten Durchschnitt 10,4 Spender, was ebenfalls ein Tiefstwert ist. 2010 betrug die Quote noch 15,9.

"Verheerende Zahlen"

Für die DSO, die bundesweit für die Organisation der Organspende zuständig ist, sind das verheerende Zahlen - zumal viele Verantwortliche angesichts steigender Zustimmungsraten in Umfragen und einer größeren Verbreitung von Organspendeausweisen auf eine Trendwende spekulierten. "Insgesamt ist Deutschland bezüglich der Organspende und des Transplantationswesens auf einem guten Weg", hatten DSO-Vorstand Axel Rahmel und der Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft, Bernhard Banas, noch im November bei der DSO-Jahrestagung in Frankfurt erklärt und dabei auf einen großen Strauß laufender und noch ausstehender Reformen verwiesen.

Laut Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stehen 81 Prozent der Bundesbürger der Organspende positiv gegenüber. Die Zahl der Menschen, die eine Entscheidung zur Organspende dokumentiert haben, ist sogar von 22 Prozent 2012 auf mittlerweile 36 Prozent gestiegen.

Nicht nur Skandal verantwortlich für Rückgang

Weithin wird für die beständig zurückgehenden Zahlen ein Vertrauensverlust verantwortlich gemacht, der durch mehrere Skandale an Transplantationszentren entstanden ist und 2012 bekannt wurde. Doch Rahmel und weitere Experten verweisen darauf, dass der Rückgang schon vor dem Skandal einsetzte. Verantwortlich dafür seien auch "erhebliche Struktur-, Qualifikations- und Qualitätssicherungsdefizite im Transplantationsbereich", argumentieren sie.

Als Nadelöhr sieht die DSO vor allem die Krankenhäuser. "Wenn dort nicht an die Organspende gedacht wird, dann passiert auch nichts", sagt Rahmel. So gebe es zwar mittlerweile mehr als 1.600 Transplantationsbeauftragte in den 1.300 potenziellen Entnahmekliniken. Sie seien aber teilweise für diese Aufgaben nicht freigestellt und müssten ihre Fortbildungen selbst bezahlen, kritisierte der DSO-Mediziner.

Schwieriges Thema wird vernachlässigt

Außerdem offenbarten Umfragen unter Medizinern und Pflegepersonal "ein erhebliches Informationsdefizit" zur Organspende, gepaart mit einer "relativ hohen Ablehnung der Transplantationsmedizin". Darüber hinaus führe der hohe wirtschaftliche und personelle Druck dazu, dass die Kliniken das schwierige Thema vernachlässigten.

Das soll sich ändern: Die Deutsche Transplantationsgesellschaft hat eine Zusatzweiterbildung für "Transplantationsmediziner" entwickelt; bislang gibt es noch kein festes Berufsbild. Auch für die Transplantationsbeauftragten wurde ein Lehrplan zur Weiterbildung entwickelt.

Appell an Kliniken

Rahmel appellierte an die Kliniken, diese strukturellen Änderungen auch umzusetzen. "Das betrifft vor allem die Ausgestaltung der Aufgaben der Transplantationsbeauftragten, ihre kontinuierliche Weiterbildung, aber auch die Entlastung von anderen Aufgaben und die Wertschätzung ihrer Tätigkeit - nicht zuletzt durch die Klinikleitung."

Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) rief die Medizin bei der Jahrestagung auf, eine Kultur zu schaffen, die die Organspende stärke. Dazu gehöre es, dass Krankenhäuser die Transplantationsbeauftragten auch fortbildeten und angemessen entlohnten.

Christoph Arens
(KNA)

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