Chip unter der Haut als Türöffner
Chip unter der Haut als Türöffner
Bruder Paulus Terwitte
Bruder Paulus Terwitte

17.03.2016

CeBIT: Chip für unter der Haut "Eine Beeinträchtigung"

Die eigene Visitenkarte oder Schlüssel könnten bald immer bei einem sein. Ein Chip unter der Haut soll es möglich machen. Auf der Computermesse CeBIT kann man ihn testen. Bruder Paulus sieht den Chip kritisch.

domradio.de:  Würden Sie sich einen solchen Chip transplantieren lassen?

Bruder Paulus (Kapuziner, Ordensmann und Priester): Niemals, weil ich dann nicht mehr die Kontrolle habe, wer mich kontrolliert und wo die Daten abgegriffen werden. Das ist das Eine und zum Zweiten ist der menschliche Körper von Gott so geschaffen, dass er eigentlich zur Integrität gerufen ist. Und da ist jede Form von technischer Veränderung, die nicht direkt der medizinischen Unterstützung des Körpers dient, nicht zuträglich. Wir werden im Grunde genommen zu einem "Ding" degradiert, indem man ein Ding einpflanzt, das ist bei medizinischen Hilfegeräten richtig. Aber hier geht es auch um die Wünsche des Menschen. Da habe ich große Bedenken, dass das richtig ist.

domradio.de:  Sie haben es ja schon angedeutet, ein großes Problem könnte potentieller Datenmissbrauch sein?

Bruder Paulus: Genau das ist ein Grund. Das Zweite ist, dass Menschen gezwungen werden können, dass sie diese Chips bekommen. Das hätten manche sogar ganz gerne, dass Leute nur noch gechipt durch die Welt gehen - so wie die Tiere. Das zeigt auch die Tendenz, dass die Würde des Menschen eigentlich nicht mehr gesehen wird, also, dass er einmalig ist, dass er selber entscheiden kann. Ein Hund, ein Schwein oder eine Katze kann sich nicht entscheiden, da mag das hilfreich sein.  Aber beim Menschen ist es so, dass es zu seiner Würde gehört, dass er sich täglich neu entscheiden kann und ein eingepflanzter Chip ist dann für immer.

domradio.de:  Nun entwickeln solche technischen Neuheiten eine Eigendynamik - fast einen Automatismus - nach dem Motto "alles was möglich ist, wird auch gemacht". Sehen Sie hier auch die Gefahr?

Bruder Paulus: Ja, ich sehe diese Gefahr auch. Es ist schon so, dass es in der Konsumwelt so ist, dass der Mensch beworben wird und dass ihm gesagt wird "du musst das und das haben, damit du ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft bist". Ein Smartphone, Radio, Fernseher, Fax email. Du musst ein Auto haben, ein großes ein Zweitauto ein Elektroauto Elektrofahrrad. Und was weiß ich noch alles. Jetzt kommt das auch noch dazu. In dieser Welle ich muss was Neues haben, kann schon mancher seine freie Entscheidung beeinträchtigt sehen und von daher möchte ich sehr deutlich sagen, dass diese Neuheiten gemacht sind, dass wir vernünftig mit ihnen umgehen. Ein vorhandenes Werkzeug braucht die freie Vernunft des Menschen, der sich zu entscheiden hat und zu untersuchen hat, ob er das haben will oder nicht. Die sehe ich beeinträchtigt, wenn so eine Welle kommt "muss ich auch haben".

Das Interview führte Tommy Millhome

(dr)

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