Unter Druck: Kardinal Philippe Barbarin
Unter Druck: Kardinal Philippe Barbarin

17.03.2016

Affäre um Lyons Kardinal Staatssekretärin fordert Barbarins Rücktritt

Die französische Staatssekretärin Juliette Meadel hat den Rücktritt von Lyons Kardinal Philippe Barbarin gefordert. "Nicht in der Lage zu sein, um Verzeihung zu bitten, ist nicht sehr christlich", sagte die sozialistische Politikerin dem Sender Radio Classique-Paris.

Ein Amtsverzicht sei "das Mindeste", was Barbarin noch tun könne, statt sich "hinter juristischen Spitzfindigkeiten zu verstecken", so die Staatssekretärin für Opferfragen. Die Ehrenvorsitzende der französischen Christdemokraten, Christine Boutin, antwortete via Twitter, es sei "nicht sehr christlich", sich so exponiert zu äußern, "ohne Kenntnis der Akten zu haben".

Barbarin sieht sich wegen des Vorwurfs der Missbrauchsvertuschung wachsendem Druck ausgesetzt. Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls hatte zu Wochenbeginn erklärt, es sei an Barbarin, "Verantwortung zu übernehmen". Dem Erzbischof von Lyon und "Primas Galliens" wird vorgeworfen, einen Priester nicht suspendiert zu haben, dem sexueller Missbrauch eines damals 16-Jährigen im Jahr 1990 vorgeworfen wird. Eine entsprechende Anklage gegen den Priester wurde 2009 wegen Verjährung fallengelassen.

"Er muss sprechen und handeln"

Der heute 42-jährige Kläger wandte sich zuletzt erneut an die Behörden. Er wird nun neu angehört; eine Voruntersuchung wegen "Nichtanzeige eines Verbrechens" gegen Barbarin wurde eingeleitet. Der Kläger gibt an, im persönlichen Gespräch habe Barbarin ihm gegenüber eingeräumt, genau über den Fall Bescheid zu wissen. Dennoch habe er den Vorfall weder den Strafbehörden mitgeteilt noch den Priester aus der Seelsorge entfernt.

Valls sagte dazu wörtlich: "Es braucht jetzt Taten, Gesten - dass er [der Primas] Verantwortung übernimmt." Er sei zwar kein Richter, so der französische Regierungschef, "aber ein Mann der Kirche, ein Kardinal, Primas von Frankreich, der einen moralischen und intellektuellen Einfluss hat und eine hohe Verantwortung in unserer Gesellschaft trägt, muss den Schmerz [der Opfer] verstehen". Er müsse nun "Verantwortung übernehmen, er muss sprechen und handeln".

Barbarin selbst hatte nach Bekanntwerden der neuerlichen Vorwürfe gebeten, man möge die Untersuchungsbehörden "in Ruhe ihre Arbeit tun lassen" und dass seine Rechte, seine Ehre und die Unschuldsvermutung gewahrt bleiben mögen. Einen Rücktritt schloss er aus und versicherte, immer auf der Seite der Opfer gestanden zu haben. Die französischen Bischöfe tagen seit Dienstag bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Lourdes.

(KNA)

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