Forschung an einer menschlichen Einzelle
Forschung an einer menschlichen Einzelle
Scheidet aus: Weihbischof Anton Losinger
Weihbischof Anton Losinger

02.02.2016

Weihbischof Losinger fordert eine globale Einigung beim Embryonenschutz Das No-Go

Weihbischof Anton Losinger kritisiert die neue Genehmigung zur Embryonenforschung in Großbritannien. Sie erlaube Eingriffe in die Keimbahn des Menschen und gefährde damit Würde und Lebensrecht, erzählt er im domradio.de-Interview.

domradio.de: Das Ziel der Forscher in London ist es, herauszufinden, warum es in Schwangerschaften zu Fehlgeburten kommt. Das ist ja erst einmal ein guter Grund, oder?

Weihbischof Anton Losinger (Bistum Augsburg, Mitglied des deutschen Ethikrates): Die Gegenfrage müsste lauten: Heiligt der Zweck die Mittel? Denn diese neue Forschungsmethode erlaubt Genversuche an Embryonen, sie erlaubt Eingriffe in die Keimbahn des Menschen von klein auf - und damit die konstante Veränderung seiner Genstruktur auch für alle Nachkommen. Und was man vor allem sehen muss: Diese Forschung bedeutet, dass sämtliche Embryonen - also embryonale Menschen - am Schluss (nach der Forschung, Anm.d.Red.) verworfen, also abgeschafft, werden. 

Hier geht es um ein ganz wesentliches Grundrecht, das für jeden Menschen gilt: Würde und Lebensrecht vom ersten Augenblick seiner Zeugung an. Ich denke, überall muss sich Forschung dieser Frage stetig stellen: Heiligt der Zweck die Mittel?

domradio.de: Was genau sind das denn für Embryonen, an denen geforscht wird?

Weihbischof Losinger: Es sind sogenannte überzählige Embryonen, die in dem Verfahren der In-Vitro-Fertilisation - also der künstlichen Generierung von menschlichen Embryonen für die Einpflanzung in den Uterus einer Frau - gewonnen wurden. Und hier sind wir bei einem weiteren Punkt, der eigentlich Alarmglocken schrillen lassen muss: Wie kann es sein, dass in der Folge dieser Technik der künstlichen Befruchtung ganze Berge überzähliger Embryonen entstehen, bei denen im Grunde genommen kein Mensch genau weiß, was man damit anfangen soll? Wenn man davon ausgeht, dass jeder einzelne dieser Embryonen ein Mensch mit Würde und Lebensrecht ist, dann ist hier bereits der Anfang des Unheils geschehen.

domradio.de: Da ist die Einstellung der katholischen Kirche ganz klar. In Großbritannien muss jetzt noch die Ethik-Kommission zustimmen. Sie sind Mitglied des deutschen Ethikrates: Könnte eine solche Genmanipulation an Embryonen auch bald in Deutschland möglich sein?

Weihbischof Losinger: Die Möglichkeiten der Genmanipulation sind ja erst denkbar durch eine ganz neue Technologie, eine weitreichende Technik mit großen Möglichkeiten. Aber so wie überall in der Forschung muss eine nüchterne Technikfolgenabschätzung und eine Wertung der Zwecke geleistet werden. Hier ist etwa die Frage der genetischen Veränderung von Menschen und der Eingriff in die Keimbahn - also die Programmierung sämtlicher künftiger Generationen, die von so einem Menschen abstammen - ein No-Go.

domradio.de: Was genau fordern Sie in dieser Sache?

Weihbischof Losinger: Ich kann mir drei Dinge gut vorstellen. Erstens: Wir müssen uns über den Status des menschlichen Embryos neu gewiss werden. Wir müssen über Würde und Lebensrecht nachdenken, die einem solchen Menschen im Anfangsstadium zukommen. Ein menschlicher Embryo ist keine Sache. 

Zweitens: Wir müssen über ein Ende embryonenzerstörender Forschung nachdenken. Und wir müssen uns Gedanken darüber machen, ob wir in Deutschland eine Reproduktionsmedizin wollen, bei der stetig eingefrorene Embryonen entstehen - und das in einer Zahl, die fünfstellig ist. Kein Mensch weiß, was man damit tun soll.

Und schließlich drittens: Wir brauchen ein globales Recht. Es kann nicht in Deutschland durch das Embryonenschutz-Gesetz verboten sein, was in England erlaubt und gefördert wird, und was man sich in Singapur oder in Hongkong täglich kaufen kann. Wir brauchen ähnlich wie bei der Allgemeingültigkeit der Menschenrechte auch bei dieser Frage der biogenetischen Rechte und Möglichkeiten eine globale Reichweite.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Mit Schwester Katharina durch die Osterzeit

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen durch die Fasten- und Osterzeit.

Das neue Bischofsquartett

Endlich: Die aktualisierte neue Auflage des Bestsellers ist da! Ab sofort ist das neue Bischofsquartett bestellbar.

Glockenkarte Kölner Dom

Verschicken Sie pünktlich zum Pfingsfest eine ganz besondere Grußkarte mit dem Geläut des Kölner Doms!

Team der Woche

Sie sind ein tolles Team? Sie tun etwas für andere Menschen? Dann werden Sie unser Team der Woche!

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 26.05.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Judith Döker - Drei Fragen:Glück
  • KJG und ihre ungewöhnliche Verlosungsaktion
  • Filmfestspiele von Cannes und die Ökumenische Jury
  • Infos aus Äthiopien – Interview mit Erzbischof Heße
  • 40 Jahre Altentheater im Freien Werkstatt Theater zu Köln
07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

16:00 - 17:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff