Griechenfeindliche Schlagzeile in der Bild-Zeitung
Griechenfeindliche Schlagzeile in der Bild-Zeitung
Bernhard Remmers
Bernhard Remmers

27.02.2015

Kirche kritisiert Anti-Griechen-Kampagne der Bild "Blanke Polemik"

"Keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen", forderte die "Bild" in dieser Woche, der Bundestag hat anderes entschieden. Der Direktor der Katholischen Journalistenschule in München ifp, Bernhard Remmers, verurteilt die Kampagne.

domradio.de: Nicht erst seit diesen Tagen setzt die Bild-Zeitung Themen und beeinflusst damit die öffentliche Meinung. Wie sehen Sie das?

Remmers: Eine Boulevardzeitung wie die BILD-Zeitung hat natürlich ein Ziel: Sie will über Aufreger Aufmerksamkeit erregen. Das ist ihr gelungen, zum Glück ist es ihr nicht gelungen, politisch Einfluss zu nehmen auf Entscheidungen. Der Bundestag hat sich ja heute für die weitere Griechenlandhilfe entschlossen.

domradio.de: Wie schätzen Sie die Kampagne ein?

Remmers: So etwas muss uns Bauchschmerzen bereiten. Es hat immer Medien gegeben, die in bestimmten politischen Situationen Partei ergreifen, in einem gewissen Rahmen sollte das auch in Ordnung gehen. Früher haben sich Zeitungen ja sogar vor den Wahlen eindeutig positioniert, das ging in meinen Augen zu weit. Aber auch kirchliche Medien versuchen mitunter Einfluss zu nehmen. Ich war einmal beteiligt an einer Aktion, wo versucht wurde Leserinnen und Leser in Sachen Lebensschutz zu mobilisieren, sich in Unterschriften einzutragen. Das halte ich bis zu einem gewissen Punkt für legitim. Es darf allerdings niemals jemand ausgegrenzt oder verletzt werden. Da sehe ich bei der BILD-Kampagne das Problem. Mit gefällt eine Schlagzeile wie "Die gierigen Griechen" überhaupt nicht. Das ist blanke Polemik, die alle Griechen unter einen Generalverdacht stellt, ein ganzes Volk als gierig herabwürdigt. Was mag ein griechischer Taxifahrer bei so etwas empfinden? Wie reagiert ein Rentner in Griechenland darauf, der so etwas im Fernsehen sieht und dessen Rente gleichzeitig nicht fürs Leben reicht? Oder die Menschen in Griechenland, die unter dem maroden Gesundheitssystem leiden. Die werden pauschal als gierig hingestellt. Das kann nicht in unserem Sinne sein.

domradio.de: Sie sind journalistischer Direktor der katholischen Journalistenschule - inwiefern finden Sie es wichtig, dass man als Journalist bei einer heiklen politischen Lage nicht noch Öl ins Feuer gießt?

Remmers: Das ist ganz wichtig, wie es überhaupt wichtig ist, jungen Leuten, die in den Journalismus starten, ein Handwerkzeug und eine Sensibilität mitzugeben, die sie in die Lage versetzt, über ihr Handwerk zu reflektieren und ins Gespräch zu kommen. Alle Veröffentlichungen haben eine gewisse Wirkung, das ist ja auch der Zwecke der Sache. Aber wenn Menschen bloßgestellt und verletzt werden, wenn Verdächtigungen ausgesprochen werden, müssen wir uns immer die Folgen bewusst machen. Wir müssen darüber nachdenken, was ein solcher Journalismus mit Menschen macht. Gerade wir als eine katholische Journalistenschule sagen da: Es muss immer der ganze Mensch in den Blick genommen werden. Auch ein Politiker in Griechenland ist ein Mensch, der Respekt verdient hat, auch wenn man vielleicht seine Politik nicht für gut heißt.

Das Interview führte Christian Schlegel.

(DR)

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