25.02.2015

Das britische Oberhaus hat das umstrittene Verfahren freigegeben "Drei-Eltern-Babys" wird es geben

Das Oberhaus Großbritanniens hat der Freigabe eines umstrittenen reproduktionsmedizinischen Verfahrens zugestimmt, das unter dem Schlagwort "Drei-Eltern-Babys" bekannt ist. Die Kirche bleibt bei ihrer ablehnenden Haltung.

Das britische Oberhaus hat der Freigabe eines umstrittenen reproduktionsmedizinischen Verfahrens zugestimmt, das unter dem Schlagwort "Drei-Eltern-Babys" firmiert. In der Abstimmung am Dienstagabend votierten 280 Abgeordnete mit Ja, 48 mit Nein. Damit hat der Zusatz zum "Human Fertilisation and Embryology Act", dem geltenden fortpflanzungsmedizinischen Gesetz, die letzte Hürde genommen. Die ersten "Drei-Eltern-Babys" könnten somit im Laufe des kommenden Jahres zur Welt kommen. Anfang Februar hatte sich bereits das Unterhaus für das Verfahren ausgesprochen.

Die von britischen Forschern entwickelte gentechnische Methode zielt darauf ab, bei einer künstlichen Befruchtung die Weitergabe von schweren Erbkrankheiten wie Muskelschwund zu verhindern, die auf einem Defekt der Mitochondrien-DNA beruhen. Diese sitzt im Plasma der weiblichen Eizelle. Bei dem auch unter Wissenschaftlern umstrittenen Verfahren tauschen Mediziner die defekte DNA gegen die gesunde DNA einer erblich nicht belasteten Spenderin ein. Das Baby hätte damit die DNA von drei Menschen: dem Vater und zwei "Müttern".

Weltweit einmalig

Die katholische Bischofskonferenz von England und Wales hatte wiederholt protestiert und betont, dass bislang kein anderes Land die Methode freigegeben habe. Es gebe "ernstzunehmende ethische Bedenken" gegen das Verfahren, das "die Zerstörung eines menschlichen Embryos als Teil des Prozesses" voraussetze, hieß es. Ein menschlicher Embryo sei ein neues menschliches Leben und dürfe nicht als "frei verfügbares Material" behandelt werden. Ähnlich äußerten sich die schottischen Bischöfe.

Die anglikanische Staatskirche von England hatte im Vorfeld ebenfalls weitere ethische und wissenschaftliche Studien verlangt, um die Folgen des Verfahrens abschätzen zu können. Ohne ein besseres Verständnis darüber, welche Rolle die Mitochondrien bei der Weitergabe von Erbeigenschaften haben, halte die Kirche eine entsprechende gesetzliche Regelung für unverantwortlich, hieß es.

Kritik kam auch aus dem Ausland, unter anderem von der Deutschen Bischofskonferenz. Deren Sprecher Matthias Kopp wiederholte im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) seinen Vorwurf, dass die Methode "nicht hinnehmbar" sei, "da sie einen extremen Eingriff in die Genetik eines Menschen darstellt". Dieser Eingriff tangiere "seine genetische Identität"; die Auswirkungen seien "bis heute nicht klar".

Kein absoluter Anspruch auf ein Kind

Der Medizinethikexperte der Unionsbundestagsfraktion, Hubert Hüppe (CDU), sprach von einem "irreversiblen Human-Experiment mit unbekanntem Ausgang". Zudem gebe es "keinen absoluten Anspruch auf ein Kind auf jedem technologisch machbaren Weg".

Medienberichten zufolge kommt jedes 200. Neugeborene in Großbritannien mit einer schweren Erberkrankung zur Welt, die auf einen Defekt bei den Mitochondrien zurückzuführen ist. Derzeit haben demnach rund 2.500 Britinnen das Risiko, eine defekte Mitochondrien-DNA weiterzugeben.

(KNA)

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