Tour de France
Tour de France

29.06.2013

Vorhang auf für die 100. Tour de France Zwischen Himmel und Hölle

Himmelsstürmer und gefallene Engel, klasse Typen und krumme Touren vor grandioser Kulisse - all das zeichnet "La Grande Boucle“, die "Große Schleife“ aus. Zum 100. Mal wird die Tour de France ausgefahren.

"Der liebe Gott richtet alles.“ So kommentierte Ex-Radsportstar Jan Ullrich die Dopingaffäre um seinen einstigen Dauerrivalen Lance Armstrong. Vor wenigen Tagen erst räumte der bislang einzige Tour de France-Sieger aus Deutschland dann ein, selbst zu verbotenen Mitteln gegriffen zu haben. Als Betrug sehe er das allerdings nicht: "Ich wollte für Chancengleichheit sorgen.“

1903 startete der "bedeutendste Radsportwettbewerb der ganzen Welt“, wie Henri Desgrange die Tour de France in seiner Zeitung "L'Auto“ vollmundig ankündigte. Das Unternehmen einer großen Fahrt durch Frankreich zog bald schon weite Kreise. Fahrradhersteller witterten neue Werbemöglichkeiten, Journalisten große Geschichten, und das Publikum bekam seine Helden frei Haus.

Ein Säckchen Nägel im Gepäck

Auch für die Sportler zahlte sich die Teilnahme an den anfangs bis zu 482 Kilometer langen Etappen aus. Der erste Sieger, Maurice Garin, ging mit 12.000 Francs nach Hause; vier Jahre später konnte einer seiner Nachfolger, Lucien Petit-Breton, diese Summe bereits mehr als verdoppeln. Ein stattliches Honorar zu Zeiten, in denen das Jahresgehalt eines Briefträgers bei ungefähr 1.200 Francs lag. Mit entsprechend harten Bandagen wurde von Beginn an gekämpft. Ein Säckchen Nägel, mit denen sich die Kontrahenten beziehungsweise deren Reifen ausstechen ließen, gehörte nicht selten zum Marschgepäck.

Um ihre Kondition zu fördern, spülten die frühen Sportler bei Rennen schon mal eine Flasche Cognac und mehr hinunter. Glücklicherweise habe damals jeder Profi selten mehr als 40 Rennen pro Jahr bestritten, resümiert der niederländische Soziologe Benjo Maso. "Sonst hätte Leberzirrhose im Peloton wahre Verwüstungen angerichtet“. In den 20er Jahren waren längst andere Stoffe gefragt.

Dem Reporter Albert Londres präsentierten die Gebrüder Pelissier, damals Stars der Szene, offenherzig ihr Arsenal an Wunderpillen und Kokain. Echte Dopingkontrollen sollte es erst gut drei Jahrzehnte später geben.

Betreuer in Soutane

Bis dahin hatte die Tour de France allen Unkenrufen zum Trotz bereits manche Kriege, Krisen und Affären überlebt. Ihre Wiederauferstehung nach dem Zweiten Weltkrieg feierte sie 1947 mit dem Sieg eines Lokalmatadors, des damals 26-jährigen Jean Robic. In Erinnerung blieben aber auch andere wie der Italiener Aldo Ronconi, der auf himmlischen Beistand setzte: Ronconis Betreuer, sein Bruder Silvio, war katholischer Priester, bei Etappenankünften unschwer zu erkennen an der wehenden Soutane.

Zwei berühmte Landsleute des italienischen Brüderpaares traten freilich erst 1948 beziehungsweise 1949 wieder auf den Plan: Gino Bartali und Fausto Coppi. Die beiden Rivalen elektrisierten die Massen und riefen selbst den Papst auf den Plan. Bartali, der bereits vor dem Krieg Erfolge gefeiert hatte, machte seinem Spitznamen "der Mönch“ alle Ehre. Stets trug er ein Amulett der heiligen Therese von Lisieux um den Hals. Und wenn die Tour in der Nähe von Lourdes vorbeikam, machte Bartali an dem Marienwallfahrtsort selbstverständlich Station.

Coppi hingegen galt als Vertreter der neuen Generation, äußerst akribisch und mit modernen Trainingsmethoden experimentierend. Bei vielen Fans im katholischen Italien hatte er allerdings einen schweren Stand, als bekannt wurde, dass er seine Gattin zugunsten einer verheirateten Frau verlassen hatte. Selbst Papst Pius XII. rief den Star auf, die Beziehung zu beenden. In die Annalen der Tour gingen Bartali und Coppi mit jeweils zwei Siegen ein.

Kommerz in himmlischen Höhen

Presse und Radio formten die Legenden um die "Giganten der Landstraße“ entscheidend mit. Erst die TV-Bilder stutzten ab den 60er Jahren die Heroen auf irdisches Maß zurück und ließen stattdessen den Kommerz in himmlische Höhen wachsen. "Der Engel der Berge“ Charly Gaul, der "barmherzige Samariter“ Raymond "Poupou“ Poulidor und der göttlich schöne Schweizer Hugo Koblet machten Platz für den "Kannibalen“ Eddy Merckx, "Big Mig“ Miguel Indurain oder den "kleinen Elefanten“ Marco Pantani.

Was bleibt, ist eine Mischung aus Faszination und Schauder. Oder, wie Sportpfarrer Thomas Nonte zusammenfasst: "Menschliche Schwäche, menschliche Sucht, menschlicher Neid - die Tour de France hat etwas von einer tragischen Oper.“

Joachim Heinz
(KNA)

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