Bei der Weltsynode kommt es in der ersten Phase auf den Austausch an
Bei der Weltsynode kommt es in der ersten Phase auf den Austausch an

23.10.2021

Erzbistum Köln startet kirchlichen Prozess der Weltsynode "In einen möglichst intensiven und ehrlichen Austausch kommen"

Bis Ende März 2022 finden die synodalen Beratungen zu den Themen der Weltsynode auf diözesaner Ebene weltweit statt. Das Erzbistum Köln startet eine unabhängige Plattform, auf der alle Gläubige ihre Anregungen eingeben können. 

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus hat in diesem Frühjahr die Weltsynode ziemlich kurzfristig anberaumt und erst im September die Vorbereitungsdokumente dazu veröffentlicht. Ich nehme mal an, Sie haben gerade alle Hände voll zu tun. Was ist denn der Stand der Vorbereitungen hier?

Vera Krause (Leiterin der Diözesanstelle "Pastoraler Zukunftsweg" im Erzbistum Köln): Ganz aktuell sind unsere Hände voll mit den letzten Vorbereitungen für den Gottesdienst am Sonntag. An den wird sich für alle, die vor Ort da sind und noch Zeit und Lust haben, auch noch Begegnung und Gespräch und auch ein kleiner Imbiss in Haus Altenberg anschließen. Darüber hinaus sind wir dabei, sozusagen "abzuarbeiten", was der Papst sich da in den kommenden Wochen vorstellt und auch wünscht von allen Kirchenmitgliedern weltweit.

Und das ist nicht wenig: Zusammenkommen, einander zuhören, dabei offen aussprechen, wie es einem so geht mit der bestehenden Verfasstheit unserer Kirche. Und das alles dafür, dass sich endlich mal wieder so richtig etwas tut in der Kirche. Ich denke, dass nicht umsonst das Gebet, mit dem alle Sitzungen des Zweiten Vatikanischen Konzils "damals" eröffnet wurden, "jetzt" in einer ganz modernen Fassung auch das Gebet der gerade beginnenden Weltsynode geworden ist. – Das gibt es übrigens auf unserer Homepage.

DOMRADIO.DE: Der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Mario Grech, hat gesagt: "Der Heilige Geist spricht nicht nur durch Bischöfe, sondern auch durch das Volk Gottes." Wie wollen Sie das hier machen? Wie wollen Sie in Köln dem Volk Gottes eine Stimme geben?

Vera Krause: Das ist schwer in nur einer Minute zu erklären. Doch ich versuche es gern wenigstens in Stichworten. Dabei ist ganz wichtig: Wir mit unserem kleinen Synoden-Team können und wollen ja nicht dem Volk Gottes im Erzbistum Köln eine Stimme geben. Das kann ja nur das Volk Gottes selber tun bzw. seine Mitglieder. Und davon sind wir ja richtig viele hier im Erzbistum Köln! Dass das im Sinne der Welt-Synode klappen kann, dafür braucht es eine geeignete Plattform. Und die zu schaffen, das ist im Moment unsere eigentliche konkrete Arbeit.

Das heißt, wir arbeiten gemeinsam mit anderen die Themen und Fragen der Synode auf. Wir werden in den kommenden Wochen dazu einladen, darüber in einen möglichst intensiven und auch ehrlichen Austausch zu kommen. Es wird eine unabhängige Plattform geben, auf der hoffentlich viele – gern Einzelpersonen, aber viel lieber noch Gruppen, Initiativen, Verbände, Räte, ehrenamtliche Teams usw. aus dem Erzbistum – ihre Ergebnisse und Anregungen eingeben können. Da werden wir eine 1:1 Auswertung erhalten, die dann wiederum Grundlage bilden soll für eine große diözesansynodale Versammlung. Das alles ist aber vielleicht besser noch einmal ein Thema für ein weiteres Gespräch nach der Eröffnung.

DOMRADIO.DE: Hier in Deutschland gibt es natürlich auch noch den Synodalen Weg. Wie sehen Sie den Zusammenhang Welt-Synode und Synodalem Weg?

Vera Krause: Ich denke, dass es da einen ganz direkten Zusammenhang gibt. Als eines der Hauptziele der kommenden Weltsynode ist ja neben der Wertschätzung auch ausdrücklich das Zu-Eigen-Machen der synodalen Erfahrungen auf den verschiedenen Ebenen der Kirche und eben auch auf den nationalen Ebenen genannt. Und ich denke, dass ganz sicher mit diesem Passus in den Vorbereitungsdokumenten auch sehr konkret der Synodale Weg in Deutschland gemeint ist.

Und es liegt doch auch irgendwie auf der Hand, dass die Welt-Synode in dieser ganz neuen Art und Weise und zu diesem Thema – Synodalität – also mit der Hauptfrage danach, wie es denn so läuft in der Kirche mit ihren Strukturen und Praktiken, geradezu als Antwort zu lesen ist auf all die Fragen, die nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Regionen der Welt laut geworden sind. Und auf jeden Fall wird in dem nationalen Ergebnis, das aus Deutschland nach Rom geschickt wird, der Stand der Dinge auf dem Synodalen Weg ja auch enthalten sein.

DOMRADIO.DE: Bei vielen Gläubigen hier herrscht Frust. Viele denken ja, dass wieder viel gesagt und vorgeschlagen werden kann, aber am Ende doch wieder nur die Bischöfe alles entscheiden. Was entgegnen Sie darauf?

Vera Krause: Ich entgegne gar nichts darauf. Denn da ist ja viel Wahres dran. Es beschreibt ja erst einmal die Erfahrung, die viele Menschen – und eben auch mehr als einmal – in den letzten Jahren gemacht haben. Ob es diesmal anders wird? Ich weiß das im Moment nicht.

Ich bin selbst total gespannt darauf und hoffe, dass die Verantwortlichen der Welt-Synode bis hin zum Papst sich dessen auch bewusst sind: dass es ganze Regionen der Welt und damit auch der Weltkirche gibt, die weitere Enttäuschungen dieser Art nicht mehr gut vertragen werden. Die Synoden-Dokumente selbst zeigen eine ganz gute Sensibilität für dieses Thema. Doch entscheiden und für die Menschen zählen werden natürlich die Ergebnisse.

Das Interview führte Hannah Krewer.

(DR)

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