Kardinal Woelki umarmt Gottfried Böhm am Vorabend dessen 100. Geburtstags
Archivbild: Kardinal Woelki umarmt Gottfried Böhm

10.06.2021

Kirche, Politik und Medien würdigen Architekt Gottfried Böhm als Vorbild "Tief empfundene Trauer"

Nach dem Tod von Gottfried Böhm würdigen Bischöfe, Politiker und Medienschaffende den Architekten und Pritzker-Preisträger. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bekundete "tief empfundene Trauer". Böhm starb am Mittwoch mit 101 Jahren.

Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben den mit 101 Jahren gestorbenen Architekten Gottfried Böhm als einen der "bedeutendsten Gestalter der gesamten Kirchenbaugeschichte" gewürdigt. Böhm sei ein Meister "gebauter Theologie" gewesen, "weil seine Kirchenentwürfe aus der persönlichen Mitfeier der Liturgie schöpften", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte, Böhm habe den zeitgenössischen Kirchenbau im Erzbistum über viele Jahrzehnte mitgeprägt. "Er ließ Bauwerke entstehen, die uns einladen, lebendige Kirche zu sein in der Welt von heute." Weit über Köln hinaus habe er mit herausragender Architektur Maßstäbe gesetzt.

Bauwerke laden ein, "lebendige Kirche zu sein"

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nannte Böhm "einen der bedeutendsten Architekten der Nachkriegszeit". Mit seiner typischen Verbindung von Tradition und Moderne bleibe Böhm für mehrere Architektengenerationen "ein ewiges Vorbild".

"In seiner langen beruflichen Schaffensphase von der deutschen Nachkriegszeit bis hin in die wirtschaftliche Hochphase der Bundesrepublik hat er das Erscheinungsbild unzähliger Gemeinden und Städte bei uns im Land nachhaltig beeinflusst", so Laschet weiter. Der Verstorbene hinterlasse mit seinen Bauten "ein für uns alle sichtbares und beeindruckendes Lebenswerk". Nicht nur über die mitunter auch heute noch kontrovers diskutierten Gebäude werde Böhms Vermächtnis weiterleben, sondern auch über die Fortführung, Weiterentwicklung und Neuschaffungen der nächsten Generation der Architektenfamilie Böhm.

Der CDU-Bundesvorsitzende verwies auf den Mariendom in Neviges, der als einer der wichtigsten Werke der nahezu 70 Kirchenbauten Böhms gewertet wird. Zudem habe der Architekt, der als erster Deutscher den renommierten Pritzker-Preis erhielt, insbesondere ab den 1970er-Jahren auch Theater, Museen, Rathäuser und weitere öffentliche Bauwerke geschaffen.

WDR-Intendant Tom Buhrow erinnerte an die von Böhm konzipierten WDR-Arkaden. Der wache Blick, mit dem Böhm seine Umwelt durchdrungen habe, sei auch für Journalisten vorbildhaft.

Böhm war am Mittwoch in Köln gestorben. Er wurde am 23. Januar 1920 in Offenbach am Main als Sohn des Architekten Dominikus Böhm (1880-1955) geboren und schuf Architektur-Ikonen wie die Wallfahrtskirche im rheinischen Neviges, ein Kinderdorf, das Potsdamer Theater oder die Stadtbibliothek Ulm. 1986 erhielt Böhm als erster Deutscher den US-amerikanischen Pritzker-Preis, der als "Nobelpreis für Baukunst" gilt. Seine Söhne Peter und Paul führen das Architekturbüro in Köln weiter.

(KNA)

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