Msgr. Guido Assmann im Kölner Dom
Msgr. Guido Assmann im Kölner Dom

19.02.2021

Neuer Kölner Dompropst zieht nach 150 Tagen erste Bilanz Der "Klassensprecher" des Domkapitels

Seit 150 Tagen ist Guido Assmann der Vertreter der Kölner Doms und leitet das Kölner Domkapitel. Trotz Krisenstimmung hat er gut in den neuen Job gefunden. Auch wenn der ganz anders ist als das, was Assmann vorher gemacht hat. 

DOMRADIO.DE: Können Sie sich noch an die ersten Tage erinnern, nachdem Sie zu Fuß in Köln angekommen sind?

Monsignore Guido Assmann (Dompropst der Hohen Domkirche zu Köln): Ich kann mich ganz gut erinnern. Es ist noch nicht so lange her, obwohl es sehr viele Eindrücke waren. Erstmal ist alles völlig neu. Es gibt nicht nur eine neue Kirche, nämlich den Kölner Dom und neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch die Aufgabe als Dompropst ist ganz anders, als die Aufgabe eines Pastors in mehreren Pfarreien oder auch als Kreisdechant.

Es war ein Umzug in eine andere Stadt, in ein ganz neues Umfeld. Es gibt neue Arbeitsaufgaben – und das alles in der Zeit von Lockdown und von Einschränkungen und von Distanz. Das macht das Ganze nicht unbedingt leichter.

DOMRADIO.DE: Also ist der größte Unterschied der, dass Sie jetzt keine eigene Gemeinde mehr haben?

Assmann: Das ist schon ein großer Einschnitt. Ich war 30 Jahre in der Pfarr-Seelsorge tätig. Ich bin auch so groß geworden. Ich war Messdiener und Messdiener-Gruppenleiter, habe Ferienfreizeiten gemacht und Küsterdienste in der Heimatpartei – vor dem Studium als auch während des Studiums. Dann war ich Kaplan auf zwei verschiedenen Stellen, dann Pastor in zwei verschiedenen Städten, Dechant und Kreisdechant.

Ich habe diese Vielfältigkeit sehr geschätzt: die Arbeit mit den Kindern, in den Kindergarten zu gehen, Schulmessen zu halten, Familienmessen am Sonntag zu haben, gleichzeitig eine Beerdigung vorzubereiten und mit Brautpaaren zu sprechen, dazu auch gewisse Verwaltungsaufgaben und die Leitung mehrerer Pfarreien. Man hat heute als Pastor in der Regel nicht eine, sondern mehrere Pfarreien. Das mit den vielen Gremien zusammenzuführen, ist schon eine ganz andere Arbeit und eine ganz andere Aufgabe als die, die ich jetzt hier habe.

DOMRADIO.DE: Der Kölner Dom hat so viele Ecken, Winkel und Dächer wie ein Dorf. Wie haben Sie sich denn dieses Bauwerk erarbeitet?

Assmann: Den Eindruck habe ich auch gewonnen. Der Kölner Dom ist ein in zweifacher Hinsicht ein Dorf: Einmal der Dom mit all den Menschen, die dort hinkommen, die dort arbeiten, ob sie ehrenamtlich tätig oder Angestellte des Domes sind.

Gleichzeitig lebt auch das Domkapitel an der Bergmauer in einem kleinen Dorf, wie die Domkapituliere selbst sagen, miteinander. Ich habe versucht, in den ersten Wochen – an den meisten Stellen ist mir das auch zum Glück gelungen – möglichst schnell die vielen Arbeitsplätze der Menschen zu besuchen, die im Dom, am Dom oder für den Dom arbeiten.

Ich habe gedacht: Ob jetzt dieser Stein 100 oder 132 Jahre alt ist, ist nicht unwichtig, aber das kann ich später noch lernen. Es ging eher darum, mir von den Menschen, die dort arbeiten, erzählen zu lassen, warum sie das tun und was ihnen da so wichtig ist. Das hat mir unheimlich viel Freude gemacht. Damit habe ich auch versucht, möglichst viele der Mitarbeitenden wenigstens anfänglich schonmal kennenzulernen. Wobei ich mich manchmal frage, ob man sich ohne Maske auf der Straße wiedererkennen würde, wenn die Zeit der Pandemie etwas abebbt oder vielleicht vorbei ist.

Aber immerhin: Es sind 180 Mitarbeitende am Kölner Dom. Dazu kommen die vielen Ehrenamtlichen und natürlich die Gläubigen, die täglich in die Messe kommen.

DOMRADIO.DE: Den Dom komplett in Augenschein zu nehmen, ist ja auch eine Zeit fressende Angelegenheit...

Assmann: Ich habe mir da mehrere Tage in den ersten Wochen genommen und bin mit dem Dombaumeister und seinem Stellvertreter einen ganzen Donnerstag mitgegangen, bei der sogenannten Baustellenbegehung, die wöchentlich stattfindet, wie ich dann erfahren habe. Wir sind dann erst einmal durch den Dom gegangen, wo die Mosaike auf dem Boden gereinigt werden, wir sind in der Dombauhütte selbst gewesen, bei den Schmieden und den Auszubildenden, bei den Steinmetzen, in der Glaswerkstatt, in der Restaurierungswerkstatt.

Wir sind dann auch auf das Dach des Doms gestiegen. Dort haben wir einen der Angestellten getroffen, der für die Reinigung der Regenrinnen zuständig ist. 3,5 Kilometer Regenrinnen und Abwasser gibt es nur am Dom, hat der erzählt. Er braucht ein ganzes Jahr, bis das dicht ist und dann fängt es wieder von vorne an. Wir sind auf dem Gerüst gewesen, das noch am Nordturm hängt und demnächst abgenommen wird. Das sind 100 Meter. Das ist schon beeindruckend. Wir haben gesehen, wie die Steinmetze bei herbstlichen Temperaturen dort Fugen loshauen, um neu zu verfugen.

Dann gibt es die Verwaltung und die Restaurierungswerkstätten. Es sind auch viele junge Leute involviert, die dort arbeiten. Sie sind teilweise für Projekte und bestimmte Restaurierungen angestellt worden und haben erzählt, wie sie dafür sorgen, dass ein Glas eine bestimmte Farbe bekommt, die dem Originalglas möglichst ähnlich ist. Das kann man nicht bei irgendeinem Baumarkt bestellen oder kaufen.

DOMRADIO.DE: Sie sind ja auch Chef des Domkapitels, das die Geschicke des Doms bestimmt. Was genau machen die Mitglieder denn?

Assmann: Das Besondere am Kölner Dom ist ja, dass er niemandem gehört. Eine Pfarrkirche gehört in der Regel einer Kirchengemeinde – es gibt immer mal Ausnahmefälle – und wird vom Kirchenvorstand verwaltet. Oder eine Wallfahrtskirche gehört vielleicht einem Orden. Aber der Kölner Dom gehört niemandem, sondern nur sich selbst. Er ist sogar eine Körperschaft öffentlichen Rechts.

Es muss ja irgendjemanden geben, der den Dom in rechtlichen Angelegenheiten vertritt. Es müssen Bauarbeiten durchgeführt werden oder Verträge geschlossen werden, wenn dort etwas stattfindet. Dafür ist das Domkapitel zuständig. Es ist auch eine eigene Körperschaft öffentlichen Rechts und besteht hier in Köln aus zwölf Priestern. Voraussetzung, um ins Domkapitel zu kommen, ist, dass man Kölner Diözesanpriester ist, also zum Erzbistum Köln gehört. Einer dieser zwölf Domkapitulare ist eben der Dompropst.

In der Domsingschule bei den Kindern der Grundschule habe ich es so erklärt, als ich mich dort vorgestellt habe: Man kann sagen, ich bin der Chef des Kölner Doms. Aber ich kann nicht alles alleine entscheiden. Das ist auch gar nicht notwendig und auch nicht sinnvoll. Das Domkapitel entscheidet gemeinsam und einer, der Dompropst, ist der Vorsitzende. Quasi der Klassensprecher. Ich habe im Kapitel auch nur eine Stimme, aber bin zuständig, das Kapitel wie den Dom nach außen hin zu vertreten. Wenn Verträge zu unterschreiben sind, die dann auch zu unterschreiben oder die Sitzungen vorzubereiten, die Beschlüsse umzusetzen.

Dann gibt es noch den Domdechanten. Ein zweiter von den Zwölfen, der ist mehr für die Liturgie und die Gottesdienste des Kapitels und des Doms zuständig. Wir beide vertreten uns gegenseitig, wenn mal einer abwesend ist oder eine Angelegenheit nicht aufgeschoben werden kann.

DOMRADIO.DE: Jetzt ist es auch Aufgabe des Domkapitels, den Erzbischof zu beraten. Wie handhaben Sie das?

Assmann: Die Beratung des Erzbischofs besteht juristisch vor allem darin, dass das Domkapitel den Erzbischof bei größeren wirtschaftlichen Angelegenheiten unterstützen muss. Wenn eine Kirchengemeinde eine größere Geldausgabe tätigen muss, weil eine ganz große Baumaßnahme ansteht oder eine größere Geldaufnahme machen muss, dann gilt da das sogenannte Vier-Augen-Prinzip. In diesem Fall sind es mehr Augen, aber vom Gedanken her ist es so, dass nicht einer alleine entscheidet.

Da gibt es neben dem Domkapitel den Wirtschaftsrat im Erzbistum, in den werden Menschen aus den Kirchengemeinden gewählt. Beide Gremien bekommen solche Dinge vorgelegt, müssen je frei voneinander ein Votum abgeben und dann kann der Erzbischof bestimmte wirtschaftliche Dinge oder Rechtsgeschäfte freigeben. In der Pastoral des Erzbistums hat das Domkapitel keine eine besondere Beratungsfunktion.

DOMRADIO.DE: Jetzt müssen Sie auch beraten, wie es denn nach der Corona-Pandemie mit dem Kölner Dom weitergeht. Ist da schon irgendetwas geplant?

Assmann: Wir sind genauso weit wie die sonstige Bevölkerung auch. Wir hoffen alle, dass es irgendwann wieder die Möglichkeiten gibt, sich zu treffen. Alleine schon für unser Domkapitel. Über den Dom gibt es einmal im Monat eine gemeinsame Sitzung. Aber wie wichtig ist es doch, dass wir uns auch zwischendurch sehen? Natürlich sehen wir uns manchmal im Dom bei den Gottesdiensten. Aber auch wir können uns im Moment nicht treffen.

Die Menschen fragen: Wird es im Sommer Orgelkonzerte geben? Die sind sehr beliebt. Wird es mal eine Nacht des offenen Domes geben, wenn andere Kirchen offen sind? Eben solche Aktionen, die Menschen einladen und willkommen heißen. Im Moment wissen wir gar nicht, wann das wieder möglich ist.

Im Moment schauen wir mehr auf die Ostertage. Wie können wir die Kar- und Osterliturgie feiern? Wie viele Menschen können in den Dom? Weihnachten haben wir ja ganz gute Erfahrungen damit machen können, dass wir ein ganz gutes Konzept  mit Abständen haben, das ist ja im Dom kein Problem. Aber ich fände es ganz schlimm, wenn wir irgendjemandem an der Tür sagen müssten: Sie können jetzt nicht in diesen Gottesdienst rein, weil es voll ist. Und "voll" heißt ja dann eigentlich höchstens 250 Menschen, wenn überhaupt so viele. Also voll im Sinne von Abstandsgeboten.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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