Blick auf den Kölner Dom
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Generalvikar Msgr. Dr. Markus Hofmann
Generalvikar Msgr. Dr. Markus Hofmann
Gordon Sobbeck
Gordon Sobbeck

01.09.2020

Das Erzbistum Köln der Zukunft Abschied und Aufbruch

Das Erzbistum Köln rüstet sich auf dem Weg in die Zukunft. Wie soll diese aussehen? Im Interview geben Generalvikar Markus Hofmann und Gordon Sobbeck, Finanzdirektor und Ökonom des Erzbistums Köln, Einblicke.

Frage: Das ist ein ungewöhnlicher Schritt, ein gemeinsames Interview mit Generalvikar und Ökonom. Wie kam es dazu?

Msgr. Dr. Markus Hofmann (Generalvikar des Erzbistums Köln): Wir sind mitten auf dem Pastoralen Zukunftsweg. Etwa 20.000 Menschen sind an den Beratungen über die Zukunft des Erzbistums Köln beteiligt. Jetzt haben wir im Diözesanpastoralrat die Vorstellungen über die künftige Gestalt von Pfarreien und Gemeinden vorgestellt. Mir ist es ein wichtiges Anliegen, dass der bevorstehende Wandel aus einer geistlichen Motivation heraus gestaltet wird. Erst daraus folgen neue Strukturen.

Gordon Sobbeck (Finanzdirektor und Ökonom des Erzbistums Köln): Aus meinem Arbeitsleben kenne ich Veränderungsprozesse wie den Pastoralen Zukunftsweg. Im Bistum Limburg oder auch im kommunalen Bereich durfte ich solche Prozesse bereits mitgestalten. Daher ist mir klar, dass wir vor großen Herausforderungen stehen. Doch es ist auch eine spannende Zeit voller Möglichkeiten. Ich erlebe viele engagierte Kolleginnen und Kollegen und viele engagierte Katholikinnen und Katholiken. Gut finde ich, dass Kardinal Woelki immer wieder betont, dass auch solche strukturellen Themen zur Realität unseres kirchlichen Lebens gehören. Im Gegensatz zu Unternehmen jedoch steht im Zentrum dieser Überlegungen immer unser Glaube. Meine Aufgabe als Ökonom und Finanzdirektor ist es, Strukturen und Mittel auch zukünftig so zur Verfügung zu stellen, dass die Kirche von Köln ihren Auftrag erfüllen kann.

Frage: Generalvikar Dr. Hofmann, Sie haben auf dem Diözesanpastoralrat gesagt: "Das wird unbequem. Jede Veränderung ist ein Stück weit unbequem." Meinten Sie damit, dass aus 500 Pfarreien 50 bis 60 werden sollen?

Hofmann: Die Zahlen sind in den Medien etwas durcheinandergeraten. Richtig ist, dass wir heute 180 Seelsorgebereiche haben. Das ist seit langem unsere Bezugsgröße für alle Planungen und Ressourcen. Daraus werden künftig 50 bis 60 Pfarreien. Es gibt also keine Reduzierung um 90 Prozent, wie es jetzt manchmal heißt, sondern um etwa zwei Drittel. Und auch inhaltlich sind die künftigen Pfarreien neuen Typs ganz anders aufgestellt. Sie bilden das strukturelle "Dach" und die verbindende, organische Einheit für jeweils eine Vielzahl von Gemeinden, die sich darunter bilden sollen und in denen Christinnen und Christen ihren Glauben ortsbezogen leben.

Kirche hat sich und muss sich immer wieder verändern. Nur so kann die Botschaft des Evangeliums in sich verändernden Situationen erlebbar bleiben. Unser Auftrag ist es, missionarisch Kirche zu sein. Wenn es weniger Katholikinnen und Katholiken gibt und Strukturen nicht mehr zur Realität passen, dann müssen wir diese Strukturen ändern. Auf Grundlage der Rückmeldungen von vielen tausenden Engagierten aus dem gesamten Erzbistum, haben wir am vergangenen Wochenende im Diözesanpastoralrat Vorschläge für eine Organisationsform von Pfarrei und Gemeinde gemacht. Unser Ziel ist es weiterhin, als Kirche vor Ort viele Menschen zu erreichen. Deshalb müssen wir aufbrechen und auch neue pastorale Orte entwickeln, um nah bei den Menschen zu sein. Bei den strukturellen Fragen geht es immer darum, wie Freiräume für die seelsorgliche Tätigkeit geschaffen werden können.

Sobbeck: Durch Professionalisierung, Risikominderung und Komplexitätsreduktion in der Verwaltung, werden Grundlagen geschaffen, damit das Erzbistum seinen Auftrag am Menschen erfüllt. Das Erzbistum hat eine gute und detaillierte Finanzplanung und wir haben ein wachsames Auge auf die Umsetzung dieser Planung. Die in den vergangenen Jahren entwickelte Transparenz der Finanzlage und die soliden finanziellen Grundlagen bilden dabei eine gute Ausgangslage, um das pastoral und gesellschaftlich Wünschenswerte mit dem finanziell Machbaren zu verbinden.

Frage: Mit weniger Geld wird die Kirche künftig nur noch weniger leisten können.

Sobbeck: Steigende Austrittszahlen führen zu sinkenden Kirchensteuererträgen. Dies wird – zumindest mittelfristig – verstärkt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für das Jahr 2020 mit einem deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung. Die deutsche Wirtschaft hat in einem nie zuvor dagewesenen Umfang Kurzarbeit umgesetzt. In der Folge erwartet auch das Erzbistum Köln einen spürbaren Rückgang des Kirchensteueraufkommens von bis zu 10 Prozent. Allein das führt im Jahresergebnis 2020 zu einem Defizit von rund 50 Millionen Euro. Damit ergibt sich eine finanzielle Situation, die nach bisherigen Prognosen erst in einigen Jahren zu erwarten gewesen wäre.

Hofmann: Oft wird bei diesen Fragestellungen außer Acht gelassen, dass wir für vielfältige Aufgaben und Verpflichtungen auch viel Geld ausgeben: So sieht der Wirtschaftsplan 2020 Aufwendungen von insgesamt rund 914 Millionen Euro für Aufgaben vor, die weit in die Gesellschaft reichen. Das entspricht täglichen Ausgaben in Höhe von 2,5 Millionen Euro für Einrichtungen und Projekte in Seelsorge, Bildung und Caritas sowie für Menschen in Not. Und auch in Krisenzeiten ist das Erzbistum ein verlässlicher Partner und hat vorgesorgt, so dass die Angebote für Menschen gerade dann auch vorgehalten werden.

Frage: Aber die Kirchensteuer sinkt und die finanziellen Auswirkungen verschärfen doch sicher die Situation? Mit was rechnen Sie und können kirchliche Angebote nicht mehr umgesetzt werden?

Sobbeck: Nein, so ist es nicht. Mit den verfügbaren Mitteln ist das Erzbistum weiter handlungsfähig. Unsere bisherige Linie, die verfügbaren Mittel äußerst umsichtig und planvoll einzusetzen, hat uns immer ein solides Wirtschaften ermöglicht. Allerdings müssen wir zukünftig mit weniger Mitteln auskommen. Die aktuelle Situation führt uns überdeutlich vor Augen, dass wir mit den entsprechenden Entscheidungen nicht mehr länger warten dürfen. Es gilt nun, unsere Aufgaben zu priorisieren, damit wir uns mittelfristig konsolidieren können, um unsere Kernaufgaben weiter erfüllen zu können.

Hofmann: Die Erfahrung zeigt: Es ist besser, den Kurs frühzeitig neu auszurichten, als abzuwarten und später das Steuer herumreißen zu müssen. Das Erzbistum wird sich verändern müssen, um grundlegende Leistungen sicherzustellen. Wir werden uns in manchen Aufgaben kleiner setzen oder diese gänzlich in Frage stellen müssen, um in anderen Bereichen Akzente setzen zu können. In der Aktuellen Etappe des Pastoralen Zukunftswegs arbeitet das Erzbistum Köln intensiv an einer inhaltlichen Neuausrichtung, die auch den genannten Aspekten Rechnung trägt. Auch wenn das Härten mit sich bringen wird, ist es uns wichtig, dass es dabei vorausschauend und fair zugeht. Wichtig ist mir, dass der Pastorale Zukunftsweg getrieben ist von einem geistlichen Ziel. Strukturen und Finanzen müssen sich dem unterordnen.

Frage: Es wird weniger Pfarreien geben, weniger Kirchen, weniger Gottesdienste – ist der Pastorale Zukunftsweg nicht ein riesiges verkapptes Sparprogramm.

Sobbeck: Nein, ganz sicher nicht. Aber die Energie, die wir in die Verwaltung stecken und die wir für die jetzigen Strukturen aufwenden, darf im Verhältnis zur inhaltlichen Arbeit nicht stetig größer werden. Dies wäre jedoch bei rückläufigen Mitteln die Konsequenz. Keiner konnte mit Corona rechnen. Aber die Pandemie hat noch einmal den Blick auf das geschärft, was sowieso anstand: Wir werden uns verändern müssen. Wir werden analysieren, wo wir Arbeiten doppelt erledigen, wo wir vielleicht auch zu umständlich sind oder wo andere bestimmte administrative Aufgaben besser erfüllen können als wir. Alle Finanzen dienen dem Auftrag der Kirche.

Hofmann: Die Gemeinden vor Ort werden sich in Zukunft stärker auf die Lebenswirklichkeit der Menschen konzentrieren können. Die Pfarrei als übergeordnete Einheit mit der Leitung durch einen Pfarrer, also einen geweihten Priester, entlastet die Gemeinden. Der Pfarrer wird von einem multiprofessionellen Pastoralteam, den Gremien und weiteren engagierten Personen unterstützt. Das multiprofessionelle Pastoralteam umfasst alle Personen, die in der jeweiligen Pfarrei pastoral tätig sind, also beispielsweise Pastoral- und Gemeindereferenten, Diakone, Kirchenmusiker, Engagementförderer und weitere Engagierte, aber etwa auch Krankenhaus- oder Schulseelsorger, die gegenwärtig der kategorialen Seelsorge zugeordnet sind. Die Gemeinden innerhalb einer Pfarrei werden vor Ort jeweils von engagierten Getauften und Gefirmten koordiniert, die auf diese Weise den Pfarrer in seinem Leitungsdienst unterstützen – beispielsweise in Form eines Teams von Verantwortlichen.

Die Beteiligung von vielen Engagierten gewährleistet dabei, dass sich ganz unterschiedliche Charismen und Talente entfalten können. Wesentlich für eine solche Gemeinde ist, dass sie eingebunden ist in das Pastorale Leben der Pfarrei. Missionarisch, lebendig, liturgisch vielfältig und solidarisch aktiv wirkt jede Gemeinde in ihr jeweiliges Umfeld und behält so die Grundvollzüge des Kirche-Seins im Blick. Wir bleiben als katholische Kirche sichtbar in der Fläche. Wir wollen gemeinsam wachsen. Und vor allem wollen wir im Geiste Christi lebendiger werden – gemeinsam mit allen Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum.

Frage: Wie sehen Sie heute in die Zukunft?

Sobbeck: Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, bin ich sehr optimistisch und überzeugt, dass wir auch in Zukunft gut dastehen und Mittel haben werden, um unseren Auftrag zu erfüllen.

Hofmann: Wenn ich sehe, wie viele Tausende sich bereits jetzt schon an unseren Pastoralen Zukunftsweg beteiligt haben und ich mir die kritischen und doch konstruktiven Diskussionen im Diözesanpastoralrat vor Augen führe, stimmt mich das zuversichtlich. Ich bin überzeugt, dass Gottes Geist in all diese Überlegungen und Prozesse hineinwirkt. Darauf vertraue ich.

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