Im Erzbistum Köln sind zurzeit 43 Afrikaner in der Seelsorge eingesetzt.
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Dr. Antoine Cilumba Cimbumba Ndayango aus dem Kongo
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Dieses Messgewand mit typisch afrikanischen Symbolen war ein Geschenk aus der Heimat zum Silbernen Priesterjubiläum
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Pfarrer Dr. Luke Ndubuisi brachte für fünf Jahre einen Hauch von Weltkirche nach Bensberg, kehrte dann aber nach Nigeria zurück
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Fliegender Wechsel in der Bensberg-Moitzfelder Pfarreiengemeinschaft: Cédric Kongbo Gbassinga löste Dr. Luke Ndubuisi ab
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Pfarrer Andreas Süß freut sich über die Impulse, die seine afrikanischen Mitbrüder setzen
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Zur Verabschiedung von Pfarrvikar Ndubuisi gab es neben einer Spende für das kleine Priesterseminar seiner Heimtadiözese auch ein FC Köln-Trikot
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Fremdsprachige Priester müssen im Erzbistum Köln Weiterbildungsmaßnahmen durchlaufen
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Kaplan Arnaud Avoulou aus Kamerun
Kaplan Arnaud Avoulou aus Kamerun
Pfarrer Thomas Icking, Dom- und Stadtdechant Robert Kleine und Kaplan Arnaud Avoulou aus Kamerun bei der Waldmesse im Lindenthaler Tierpark
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09.08.2020

Wie schauen afrikanische Priester auf die deutsche Kirche? "Bei der Beteiligung von Laien sind wir anderen weit voraus"

In manchen Teilen Afrikas kommen 5.000 Katholiken auf einen Priester. Trotzdem funktioniert die Seelsorge, weil Laien entsprechend mehr Verantwortung zukommt. Das präge das eigene Selbstverständnis, erzählt Pfarrer Antoine Cilumba aus dem Kongo.

Von seinen 35 Priesterjahren hat Antoine Cilumba Cimbumba Ndayango allein 28 in unterschiedlichen Gemeinden des Erzbistums Köln verbracht. Irgendwie "hängen geblieben" sei er damals hier, gesteht der mittlerweile 62-jährige Kongolese, der im Alter von 34 Jahren nach einem ersten Berufseinsatz zunächst als Dozent, dann als Leiter des Priesterseminars seiner Heimatkirchenprovinz Kasayi 1992 zur Promotion nach Deutschland gekommen ist. Vor gut zwei Jahren hat er als Pfarrvikar noch einmal von Siegburg in den Sendungsraum Leverkusen-West mit seinen fünf Gemeinden gewechselt und ist das, was man als "im Bistum herumgekommen" bezeichnen könnte.

Erst war er Kaplan zur Aushilfe in Bonn-Mehlem, später dann – parallel zu seiner Zeit als Doktorand – Kaplan in den Seelsorgebereichen Bornheim und Alfter und nach dem Pfarrexamen erst Pfarrvikar in Düsseldorf-Hassels und -Reisholz, danach dann in Brühl. Mit anderen Worten: Er kennt sich aus in den Gepflogenheiten deutscher Pastoral, ist mit allen Facetten eines abwechslungsreichen Pfarrlebens vertraut und bringt obendrein noch seine für die afrikanische Kirche charakteristische Lebensfreude ein.

Bibelwissenschaften zu studieren war immer schon sein Wunsch, und so gilt Pfarrer Cilumba heute als theologischer Experte, der sich in der Heiligen Schrift bestens auskennt. Von diesem fundierten Wissen, das der Seelsorger gerne in seine Predigten einfließen lässt, haben jedenfalls bislang die Menschen an allen seinen Wirkungsstätten ausgiebig profitiert. Immer als Mitstreiter in das Boot miteinzusteigen, das längst gestartet ist, gehört – wie er das selbst beschreibt – zu seinem priesterlichen Selbstverständnis. Unabhängig davon, wo es gerade vor Anker liegt. "Ich stehe zu dem, was ich bin und was ich habe und werde es zur Verfügung stellen." So macht sich der Seelsorger, dem vor allem Ökumene-Themen und der Austausch über Glaubensfragen am Herzen liegen, gerne mit den Menschen an einer neuen Einsatzstelle bekannt.

Die afrikanische Kirche ist lebendiger, präsenter und offener

"Mittlerweile bin ich in Deutschland zuhause und habe schon längst keinen Kulturschock mehr", erzählt er lachend, zumal er über die berühmt berüchtigte deutsche Pünktlichkeit – "in meiner Heimat warten wir eher, bis alle da sind" – bis heute schmunzelt. Doch seinen Urlaub verbringt er jedes Jahr im Kongo – allein schon, weil dort eine typisch afrikanische Großfamilie auf ihn wartet und auch sein inzwischen 94-jähriger Vater noch lebt. Immerhin ist er das vierte von insgesamt neun Kindern. Und eine Verbindung zu halten zu dem Land seiner Herkunft, in dem er aufgewachsen ist und zum Priester geweiht wurde, ist ihm wichtig. Auch weil er im Bistum Mbujimayi sowie in Kabwe und Kinshasa, wo er Philosophie und Theologie studiert hat, eine andere Kirche erlebt als in Deutschland: lebendiger, präsenter, näher an den Menschen und viel offener, was die Beteiligung von Laien angeht.

"Laien haben bei uns immer schon eine große Rolle gespielt, weil Missionare von Anfang an mit Katecheten gearbeitet haben und es bis heute Gebiete gibt, in die monatelang kein Priester kommt und daher Laien dort die Seelsorge aufrecht erhalten. Für uns ist ihre Beteiligung am Gemeindeleben und ihre Rolle in sogenannten Basisgemeinden selbstverständlich. Da sind wir jedenfalls anderen, zum Beispiel auch der Kirche in Deutschland, weit voraus."

Der Staat profitiert vom sozialen Engagement der Kirche

Was hier gerade auch wieder aktuell diskutiert werde, sei im Kongo längst Realität. "Dabei setzen wir eigentlich nur das zweite Vatikanische Konzil um", sagt Cilumba. Letztlich arbeiteten doch alle gleichermaßen im Weinberg des Herrn, so dass es diese klare Unterscheidung zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen – wie in Deutschland – dort nicht gebe, zumal auch ein Bischof nicht besoldet sei, die Kirche ausschließlich von Spenden lebe und jeder bereit sei, von dem abzugeben, was er besitze. Es herrsche nun mal ein völlig anderes Verhältnis zwischen geweihten und nicht geweihten Seelsorgern. Obwohl das religiöse Leben in Afrika mit dem in Europa nicht vergleichbar sei, könne sich die westliche Kirche zumindest auf diesem Gebiet etwas von der afrikanischen abschauen, meint der Leverkusener Pfarrvikar.

"Im Kongo ist die Kirche wie ein Staat im Staat, dessen Aufgaben sie großteils mitübernimmt, wenn sie sich im Schul- und Bildungswesen, auf dem Gesundheitssektor und in der Caritas engagiert." Denn trotz seines Rohstoffreichtums zähle die einstige belgische Kolonie, bedingt durch jahrzehntelange Ausbeutung, Korruption, jahrelange Kriege und ständige Bevölkerungszunahme, heute zu den ärmsten Ländern der Welt. Auch wenn in der Verfassung verankert sei, in Form eines Sozialstaates für die eigenen Leute Sorge zu tragen, wachse die Politik nur allmählich in diese Verantwortung hinein. Dabei ruhten alle Hoffnungen auf dem erst im letzten Jahr neugewählten Präsidenten. Bislang aber profitiere die Regierung noch ausgiebig von der Tatsache, dass die Kirche, bestehend aus über 90 Prozent Christen, in akuten Notsituationen einspringe und die soziale Fürsorgepflicht zu ihrer Aufgabe mache.

Der Glaube ist in Afrika keine Privatangelegenheit

"Offiziell ist der Kongo immer noch ein Missionsland, obwohl unsere Kirche groß und einflussreich ist und sich die Menschen in ihr zuhause fühlen", erklärt der Seelsorger. "Unsere Gotteshäuser sind voll." Auch das sei anders als in Deutschland. "Wir sind eine junge und lebendige Kirche, in der zwar viel gesungen und getanzt, aber vor allem eben auch gebetet wird", betont er. Und auch das beschäftigt Pfarrer Cilumba: Während in Deutschland der fehlende Priesternachwuchs ein großes Thema ist, verzeichnen die Priesterseminare in vielen afrikanischen Ländern einen regen Zulauf, auch wenn die Zugangskriterien zum Priesteramt – ein ausgeprägtes Interesse an Intellektualität und Spiritualität gelten als wesentliche Voraussetzungen – streng sind und der Weg zur Weihe bereits oft über den Besuch eines der sogenannten kleinen Priesterseminare ab dem zwölften Lebensjahr vorgezeichnet ist.

Religiöses Leben sei nun mal in der afrikanischen Kultur ganz selbstverständlicher Teil des Alltags und damit auch in der Öffentlichkeit präsent. Über den Glauben unbefangen zu sprechen oder auch auf der Straße zu beten stehe so ganz dem entgegen, was er aus Deutschland kenne, sagt Cilumba, wo Christen ihren Glauben auf ihre Privatangelegenheit reduzierten, über die am liebsten nicht gesprochen werde.

Priester mehr als Führungspersönlichkeit anerkannt

In diesen Kontext passt, dass der Wunsch, Priester zu werden, in afrikanischen Ländern auf Anerkennung und eine große gesellschaftliche Akzeptanz trifft, was es dem Einzelnen leichter macht, seine Berufung zu leben. Außerdem garantiert der Eintritt ins Priesterseminar jungen Männern eine überdurchschnittliche Bildung, was sozialen Aufstieg und Ansehen bedeutet. Denn in Afrika wird ein Geistlicher als Führungspersönlichkeit mit Verantwortung wahrgenommen, der sich zur Stimme der Zivilgesellschaft macht. Durch die Weihe können auch Männer aus weniger privilegierten Familien in ihrer Heimat die Dinge zum Besseren bewegen und die Kultur ihres Landes mitprägen. Vor allem in Ländern, die politisch oder wirtschaftlich instabil sind, kommt Priestern eine Schlüsselrolle zu. Denn sie sorgen für die Opfer von Bürgerkriegen und Hunger genauso wie für diejenigen, die unter den Folgen des Klimawandels oder Repressionen wegen ihrer Religionszugehörigkeit besonders leiden.

Doch trotz großer Nachwuchszahlen ist die rein pastorale Versorgung der vielen Gläubigen angesichts einer stetig wachsenden Population und mitunter großen Entfernungen oft schwierig. Laut dem aktuellen statistischen Jahrbuch der katholischen Kirche kommen in Afrika auf einen Priester mehr als 5.000 Katholiken. Zum Vergleich: In Asien sind es 2.100 und in Europa nur 1.600.

Wissenschaftliche Weiterbildung in Deutschland als Chance

Auch Kaplan Arnaud Wilfried Foh Avoulou, seit einem Jahr Subsidiar an St. Stephan in Köln-Lindenthal, hat eine solche für afrikanische Priester klassische Ausbildung absolviert. Der 32-Jährige stammt aus dem Bistum Ebolowa im Süden Kameruns und wurde als fünftes von sieben Kindern bereits mit zehn Jahren von seinen Eltern in einem dieser kleinen Priesterseminare angemeldet, wo er unter anderem auch Deutschunterricht hat. Mit Beginn des Philosophie- und Theologiestudiums an der katholischen Universität in Yaoundé wechselt er ins große Priesterseminar der Erzdiözese. Mit 22 Jahren absolviert er ein erstes Gemeindepraktikum, das ihn in der Überzeugung bestärkt, zum Priester berufen zu sein.

"Ich glaube, dass Gott einen Plan für mich hat", zeigt sich der junge Seelsorger mit seinem fröhlichen Naturell und den lachenden Augen hinter einer großen Brille überzeugt und freut sich über die Gelegenheit, seine pastoralen Erfahrungen, die er bereits in einer kleinen kameruner Gemeinde vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit sammeln konnte, in Deutschland anzureichern und gleichzeitig über ein Stipendium als Gast Vorlesungen in Betriebswirtschaftslehre zu hören. Damit folgt er einem Vorschlag seines Bischofs Philippe Alain Mbarga, der selbst 2003 im Bistum Fulda promoviert hat, und seinen Schützling mit einem weiteren Studium in Deutschland bei seinem akademischen Eifer unterstützt.

Kaplan Avoulou: Der Glaube ist universal

Eine solche zusätzliche Bildungsmaßnahme werde in seiner Heimat als große Chance betrachtet, erklärt Avoulou und findet, dass Deutschland mit seinen vielen jahrhundertealten Gotteshäusern, die ihre je eigene Geschichte erzählten, ein beeindruckendes Land sei. Das Vorurteil, dass die Menschen in Europa zunehmend gottlos seien, kann er aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Eher begegne er bei seinen unterschiedlichsten Seelsorgediensten, bei denen er sich manches noch abschauen könne, vielen gläubigen Menschen. "Die Freundschaft von Pfarrer Thomas Icking, mit der er mich als Mitbruder aufnimmt, ist nur eines der vielen Zeichen für die Universalität von Kirche", unterstreicht der afrikanische Seelsorger. Und trotzdem: Auch wenn es sich überall um dieselben kirchlichen Rituale handle, brächten Afrikaner ihre Kultur auch liturgisch in ganz anderen Formen zum Ausdruck.

So sei beispielsweise eine Beerdigung in seiner Heimat immer ein großes Fest, bei der das ganz Dorf zusammenkomme. "Oft mehrere hundert Trauernde, die mit lauten Klageliedern ihre Verbundenheit zeigen." Oder Gottesdienste, in denen getrommelt würde – so etwas sei in Deutschland doch unvorstellbar. "Trotzdem verbindet uns alle – Afrikaner wie Deutsche – unser christlicher Glaube an den einen Gott", betont Kaplan Avoulou. "Denn wer glaubt, ist eigentlich überall auf der Welt zuhause und nirgendwo ein Fremder."

Bildergalerie "Afrikanische Priester im Erzbistum Köln".

Beatrice Tomasetti
(DR)

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