Rainer Maria Kardinal Woelki bei der Synodalversammlung
Rainer Maria Kardinal Woelki bei der Synodalversammlung
Stadtdechant Picken neben Rainer Maria Kardinal Woelki
Stadtdechant Picken neben Rainer Maria Kardinal Woelki
Tim Kurzbach
Tim Kurzbach

04.03.2020

Stadtdechant Picken antwortet auf harsche Kritik an Woelki "So kann man mit dem Erzbischof nicht umgehen"

Scharf hatte der Diözesanratsvorsitzende im Erzbistum Köln, Tim Kurzbach, Kardinal Woelki dafür kritisiert, dass dieser wohl Schwierigkeiten mit der Autorität des Amtes auf dem Synodalen Weg habe. Für Stadtdechant Picken ist die Kritik nicht haltbar. 

DOMRADIO.DE: Die Zeiten seien vorbei, in denen die Amtsträger reden und die anderen zuhören. Damit solle sich der Kardinal abfinden, sagte Tim Kurzbach. Sie sind der Meinung, dass man diese Kritk nicht so stehen lassen kann?

Pfarrer Dr. Wolfgang Picken (Bonner Stadtdechant): Ja, ich finde das extrem bedauerlich und beschämend, dass wir innerhalb der Kirche so miteinander umgehen und man den Kardinal auf so persönliche Weise attackiert. Eigentlich haben wir uns ja vorgenommen, dass wir geschwisterlich miteinander umgehen.

Andererseits ist es ein Ziel, dass jeder sagen kann, was er denkt, und auch in dieser Art und Weise respektiert wird. Und dafür, meine ich, sollte man sich auch bei so einem Synodalen Weg einsetzen. Und das findet auch Anwendung auf einen Bischof. So kann man einfach nicht mit unserem Erzbischof umgehen. So ein Stil in der Kirche zeigt nicht wirklich in die Zukunft, zumindest in keine positive.

DOMRADIO.DE: Tim Kurzbach bezieht sich in seiner Kritik auf ein Interview von Kardinal Woelki bei DOMRADIO.DE. Da hat der Kardinal gesagt, ihm habe nicht gefallen, dass zum Auftaktgottesdienst der Synodalen Versammlung die Gläubigen mit den Bischöfen gemeinsam in die Kirche eingezogen seien. Dies habe den Eindruck erweckt, dass jeder in der Kirche gleich sei. Das sei aber nicht die katholische Lehrmeinung. Tim Kurzbach sagt, diese Ansicht sei überholt. Was sagen Sie dazu?

Picken: Herr Kurzbach kann das für überholt erachten und da mögen ihm auch eine ganze Reihe Leute zustimmen. Aber der Kardinal zitiert die Lehre der Kirche, die für die gesamte katholische Kirche Geltung hat. Bischöfe haben nun einmal eine herausragende Position und vertreten das Lehramt in der Kirche. Von daher kann ich schon die Verwunderung des Kardinals verstehen. Das Konzil will ja im Übrigen ausdrücklich, dass bei solchen Versammlungen die Priester und die Bischöfe konzelebrieren. Wir beziehen uns immer auf das Konzil und seine Fortschritte. In diesem Fall blenden wir das völlig aus.

Wir können hier in Deutschland keine vollkommen eigenen Wege gehen. Ich habe den Kardinal bei der Synodalen Versammlung überhaupt nicht als jemanden erlebt, der anderen nicht respektvoll zugehört und sich nicht in den Dialog begeben hätte. Er muss seine Meinung vertreten können, und ich glaube, dass man ihm auch zugestehen muss, dass er als Bischof eine Funktion hat, die eine besondere ist. Am Ende muss er für unser Erzbistum Köln zukünftig die Dinge entscheiden - und davor muss bitte auch Herr Kurzbach Respekt haben. Aus dieser Position heraus, denke ich, ist es wichtig, ihm auch den Respekt entgegenzubringen, den ein Bischof verdient, den die Bischöfe allgemein in der katholischen Kirche verdienen.

DOMRADIO.DE: Tim Kurzbach sagt auch, dass sich Kardinal Woelki den Reformprozessen der Kirche widersetze. Wie bewerten Sie das?

Picken: Ich glaube nicht, dass der Kardinal sich den Reformprozessen widersetzt. Die Frage ist, wie sieht Reform aus? Und wenn Herr Kurzbach davon spricht, dass die guten Argumente zählen, ist die Frage: Wie wird ein Argument zu einem guten Argument? Indem es die Mehrheit der Menschen gut findet? Ist das für die kirchliche Lehre ein gutes Argument, oder was entscheidet darüber, was gut oder nicht gut ist?

Da geht es für meine Begriffe entschieden zu weit. Gegenwärtig sind wir in einem Synodalen Weg, in einem Prozess, in dem Meinungen gegenüber und nebeneinander stehen können. Und das muss Tim Kurzbach dem Kardinal auch zugestehen. Er kann nicht nur für sich in Anspruch nehmen, dass er weiß, wie Reformschritte aussehen und was gut für die Zukunft der Kirche ist. Das werden wir nur im ehrlichen, konstruktiven und dialogischen Ringen miteinander herausfinden. Da gibt er gegenwärtig ein wirklich schlechtes Beispiel ab.

DOMRADIO.DE: Tim Kurzbach gießt mit seiner Kritik an Kardinal Woelki ordentlich Öl ins Feuer. Inwiefern schadet das der Verständigung mit dem Kardinal und den Diözesanrat?

Picken: Ich denke, das schadet in jedem Fall. Wenn wir wirklich Zukunft gestalten wollen, dann wird es nur gehen, wenn wir zumindest versuchen, respektvoll als Schwestern und Brüder miteinander umzugehen. Das bezieht sich insbesondere auf ein Bistum. Ich weiß gar nicht, wie man sich miteinander begegnen will, wenn man sich in aller Öffentlichkeit in die Pfanne haut. Und was gibt das auch für einen Blick auf die Kirche, wenn wir so streiten wie auf einem SPD-Parteitag? Das ist nicht der Stil, den ich von einem Diözesanrat, von Laien und Priestern und auch Bischöfen in der Kirche erwarten würde.

DOMRADIO.DE: Sie sprechen die Zukunftsgestaltung der Kirche an. Sehen Sie denn optimistisch in die Zukunft der Kirche?

Picken: Ich sehe sehr optimistisch in die Zukunft der Kirche, aber es wird keine schnellen, kurzen und einfachen Lösungen geben. Wir werden uns auch nicht unter den Zeitdruck setzen können, dass wir innerhalb von zwei Jahren wissen, wohin die Kirche geht und wie sie ihren Weg findet. Wir befinden uns in so vielen Umbruchprozessen in der Gesellschaft: Dass alles in die Kirche hinein zu verarbeiten, ist eine schwierige Aufgabe. Aber ich glaube, wir können damit rechnen, dass der Heilige Geist mit uns unterwegs ist. 

Wenn wir in Respekt vor den Gaben und Begabungen eines Jeden miteinander reden und den Weg suchen, werden wir einen guten finden. Wenn wir uns in die Kniekehlen treten und in die Waden beißen, dann unterscheiden wir uns weder gut von anderen Leuten, noch geben wir ein Beispiel, wie das Evangelium in der Zukunft überzeugend gelebt werden kann.

Das Interview führte Julia Reck. 

(DR)

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