Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker
Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker
Stadt- und Domdechant Robert Kleine
Stadtdechant Robert Kleine

20.06.2019

Kölner Stadtdechant zu Morddrohungen gegen Oberbürgermeisterin Reker "Es muss einen Aufstand der Anständigen geben!"

Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten erhielt die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker Morddrohungen aus dem rechten Spektrum. Die katholische Kirche in Köln verurteilt das aufs Schärfste und fordert einen "Aufstand der Anständigen".

DOMRADIO.DE: Msgr. Kleine, was war Ihre Reaktion als Sie von den Drohungen gegen Frau Reker gehört haben?

Msgr. Robert Kleine (Kölner Dom- und Stadtdechant): Ich war und bin fassungslos und auch ein bisschen sprachlos. Ich habe noch mit großer Freude das Statement von Frau Reker gelesen, das sie anlässlich der Ermordung des CDU-Politikers herausgegeben hatte. Sie hatte davon gesprochen hat, dass wir zusammenstehen müssen, dass unsere Zivilgesellschaft sich nicht verängstigen darf, sondern dass wir aufstehen müssen.

Es muss einen Aufstand der Anständigen geben, um ein Zeichen zu setzen gegen den Hass und gegen diejenigen, die plötzlich unsere demokratische Grundordnung und das Miteinanderleben der Menschen unterschiedlichster Kulturen und Nationen konterkarieren, das doch seit 70 Jahren in unserem Land so friedlich war. Eine lähmende Angst schleicht sich ein. Da ist diese Morddrohung wirklich der absolute Tiefpunkt. 

DOMRADIO.DE: Also heißt es für alle in der Zivilgesellschaft, für die Kirchen, die Vereine, die Verbände, dass man jetzt noch einmal zusammenrücken muss?

Kleine: Ja, das ist ganz klar. Es wird sich auch zeigen, welche Parteien unsere Demokratie stärken und welche nicht. Da hört man ja von der einen oder anderen Partei gar nichts zu diesen Anwürfen. Das ist das Schlimme.

Wenn so viele Menschen trotzdem einer Partei die Stimme geben - nicht nur im Osten sondern auch Sympathisanten hier im Westen - dann müssen vielen doch die Augen aufgehen, dass das eine Situation ist, die es in unserem Land schon mal gab. Dass diejenigen, die sich ehrenamtlich engagieren, als Bürgermeister oder aber auch hauptamtlich in den großen Städten, um ihr Leben fürchten müssen und bedroht werden, das erinnert an Zeiten, die ich längst überwunden glaubte.

DOMRADIO.DE: Ist es auch Zeit für einen Appell an all diejenigen, die in den sogenannten Sozialen Medien unterwegs sind? Es fängt ja oft mit Worten an. Muss man genauer darauf schauen, was im Internet an Hass und Verachtung geäußert wird?

Kleine: Es gab in der letzten Zeit einige Diskussionen drüber, ob man Klarnamen braucht. Es gibt natürlich auch einige Felder, wenn es um Erkrankungen geht zu Beispiel, wo ich das vielleicht nicht möchte. Aber auf der anderen Seite begegnet einem tagtäglich so viel Hass im Netz und auf Twitter oder Facebook. Das muss ein Ende haben.

Ich bin in dieser Hinsicht immer etwas ambivalent: Soll ich mich darüber echauffieren und anderen mitteilen, was ich gefunden habe, was jemand veröffentlicht oder verbreite ich es dadurch nicht noch weiter? Aber wir können nicht schweigen. Wir können das nicht einfach hinnehmen. Ich glaube, es muss einen gesamtgesellschaftlicher Konsens geben - dazu gehören natürlich auch die Kirchen. So etwas dürfen wir uns in unserem Land nicht bieten lassen.

DOMRADIO.DE: Wir kennen die Geschichte: Unsere Oberbürgermeisterin ist bereits einmal angegriffen worden. 

Kleine: Das ist ja wirklich tragisch. Sie ist ein fast einem Mordanschlag zum Opfer gefallen, der aus derselben Ecke kam - auch aus Ärger über die Flüchtlings und Sozialpolitik. Jetzt ist sie wieder das Ziel eines solchen feigen Aufrufs und einer solchen Morddrohung. Das erschüttert mich. Ich denke an diesem Tag ganz besonders an sie. Sie ist im Augenblick im Urlaub und ich hoffe, dass sie sich die Drohungen nicht zu sehr zu Herzen nimmt. Aber man kann sich vorstellen, dass man das nicht einfach abschütteln kann.

Wir geben ein Zeichen: Ja, wir stehen zu ihr und gerade auch zu dem, was sie gesagt hat. Sie tritt so sehr für das Miteinander in unserer Stadtgesellschaft ein. Das erlebe ich immer wieder. Ich schätze sie auch persönlich sehr, deshalb trifft mich das sehr, sehr, sehr. Vor einem halben Jahr, daran möchte ich auch erinnern, gab es eine Demonstration der AfD mit "Reker muss weg"-Plakaten. Das ist eine Saat, die leider Gottes in manchen Hirnen aufgeht.

Das Interview führte Johannes Schröer.

(DR)

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