Romano Christen, Direktor des Erzbischöflichen Theologenkonviktes Collegium Albertinum in Bonn
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Generalvikar Msgr. Dr. Markus Hofmann
Generalvikar Msgr. Dr. Markus Hofmann
Kardinal Woelki
Kardinal Woelki

10.05.2019

Erzbistum Köln reagiert auf Priesterausbilder-Aussagen zur Homosexualität "Nicht die Auffassung des Erzbischofs"

Homosexualität als Krankheit? Ein Priesterausbilder des Erzbistums Köln ist wegen eines Vortrags zu Homosexualität in die Kritik geraten. Nun reagiert das Erzbistum: Die von Pater Romano Christen geäußerten Ansichten entsprächen nicht der Auffassung des Kölner Erzbischofs.

In der Debatte um homosexuellenfeindliche Aussagen eines Priesterausbilders hat das Kölner Erzbistum am Freitag Stellung bezogen und sich von den Aussagen distanziert.

Generalvikar Dr. Markus Hofmann erklärte: "Die von Pater Romano Christen geäußerten Ansichten entsprechen nicht der Auffassung des Kölner Erzbischofs, Kardinal Woelki. Der Kardinal, der sich derzeit als Präsident des Heilig-Land-Vereins in Israel aufhält, wird nach seiner Rückkehr ein Gespräch mit Pater Romano Christen führen und dabei seinen Standpunkt deutlich machen."

Für das Erzbistum Köln betonte Hofmann, "dass wir großen Wert darauf legen, Fragen der Sexualität in der Priesterausbildung intensiv und vorurteilsfrei zu thematisieren und dabei den neuesten Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse darzustellen". Das Erzbistum sei dabei, mit Hilfe externer Spezialisten neue Bausteine der Ausbildung zu schaffen, die den Kandidaten für das Priesteramt eine offene und klare Reflexion sowohl über ihre eigene Sexualität als auch zu sexualwissenschaftlichen Fragen ermöglichen. Dies solle "ungeachtet der jeweiligen sexuellen Orientierung zu einer reifen Persönlichkeit und einem natürlichen Selbstvertrauen beitragen".

Homosexualität nicht angeboren?

Der Direktor des Bonner Theologenkonvikts Collegium Albertinum, Pater Romano Christen, war wegen eines Vortrags zu Homosexualität in die Kritik geraten. Er hatte vor Studenten die Position vertreten, dass Homosexualität nicht angeboren sei, sondern "Folge einer psychologischen (Fehl)entwicklung", wie die "Süddeutsche Zeitung" (Donnerstag) berichtete. Es gebe Therapien dagegen, die aber nicht immer erfolgreich seien. Männer mit "tief sitzender homosexueller Tendenz" könnten daher nicht geweiht werden, wie es auch in vatikanischen Instruktionen festgelegt sei.

In dem Vortrag heißt es unter anderem weiter, auch wenn bei homosexueller Liebe Romantik mitspiele, gehe es "weniger um die reale Begegnung mit einem Du". Vielmehr handele es sich um eine "narzisstische Suche" eines Betroffenen nach Männlichkeit, die er selbst nicht fühle.

Christen bittet um Entschuldigung

Am Freitag räumte Christen ein: "Mein Vortrag war, wie ich in den letzten Tagen in vielen Gesprächen gelernt habe, unzulänglich und mitunter vielleicht auch so formuliert, dass er Missverständnisse allzu leicht ermöglicht. Es war nicht meine Absicht, homosexuelle Menschen zu verletzen. Sofern das doch geschehen ist, bitte ich um Entschuldigung. Ich halte homosexuelle Menschen nicht für 'krank', was ich übrigens im Vortrag so auch nicht gesagt habe. Größtenteils ging in der Berichterstattung auch unter, dass ich Standpunkte Dritter referiert habe. Aber wichtiger ist mir klarzustellen, dass nach meiner Überzeugung jeder Mensch Respekt verdient und niemand wegen seiner sexuellen Orientierung herabgewürdigt werden darf. Dass durch meine Äußerungen ein anderer Eindruck entstanden ist, tut mir leid."

Der Mainzer katholische Moraltheologe Stephan Goertz sagte der Süddeutschen Zeitung, die Aussagen des Vortrags entsprächen "dem wissenschaftlichen und moraltheologischen Stand der 1950er und 1960er Jahre". Sie seien "durchzogen von Vorurteilen, die für Betroffene kaum zu ertragen sind - vor allem weil ihnen abgesprochen wird, menschlich anständige Beziehungen leben zu können". Der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet betonte, gleichgeschlechtlich orientierten Priesteramtskandidaten werde vermittelt, "dass ihre Sexualität ein Defekt ist, dass sie ihre Gefühle zu verdrängen haben." Dies sei "eines der Einfallstore für sexuelle Gewalt in der Kirche".

Erzbischof Heße: "Katastrophal"

Auch der Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße, hatte die Ausführungen Christens scharf kritisiert. Christens Aussagen seien "katastrophal", die Erkenntnisse der Wissenschaft bei Christen offensichtlich "nicht angekommen", sagte Heße auf der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) am Freitag.

Der aus Köln stammende Heße war bis zu seiner Bischofswahl 2015 Generalvikar von Kardinal Rainer Woelki. Dieser berief Christen 2015 zum Direktor des Collegium Albertinum in Bonn, wo Priesteramtskandidaten des Erzbistums ausgebildet werden.

Bereits am Donnerstag hatte das Erzbistum an eine frühere Aussage des Kölner Kardinals erinnert, homosexuelle Beziehungen nicht nur als "Verstoß gegen das natürliche Gesetz" zu sehen: "Ich versuche auch wahrzunehmen, dass da Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen, sich Treue versprochen haben und füreinander sorgen wollen, auch wenn ich einen solchen Lebensentwurf nicht teilen kann", so der Erzbischof. Die katholische Kirche trete für den Lebensentwurf der sakramentalen Ehe zwischen einem Mann und einer Frau ein, "die offen ist für die Weitergabe des Lebens". (DOMRADIO.DE/KNA/PEK)

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