Christen auf den Philippinen
Christen auf den Philippinen
Besuch bei Bischof Gerardo Alminaza auf den Philippinen
Besuch bei Bischof Gerardo Alminaza auf den Philippinen
Reiner Nieswandt, Maike Teller und Markus Hoitz
Reiner Nieswandt, Maike Teller und Markus Hoitz

04.01.2018

Delegation aus dem Erzbistum Köln besucht Philippinen "Wir müssen uns vom Klerikalismus verabschieden"

18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der pastoralen Dienste im Erzbistums Köln sind vor Weihnachten für zehn Tage auf die Philippinen gereist. Von der dortigen Ortskirche haben sie sich für die eigene Arbeit inspirieren lassen.

"Think outside the box", also anders denken – Bischof Gerardo Alminaza von San Carlos trägt ein simples T-Shirt, darauf steht in einem grellen gelben Kasten dieser Satz. Pfarrer Markus Hoitz hat den munteren philippinischen Bischof im ungewohnten Dress fotografiert und zeigt begeistert das Bild auf seinem Smartphone. Hier kaum zu glauben – so ein Bischof im engen T-Shirt, betend, inmitten von Kindern und Jugendlichen, er ist einer von ihnen. "Die Kirche auf den Philippinen lebt von den Gläubigen und nicht von den Priestern", sagt der Pfarrer aus dem Erzbistum Köln.

Über pastorale Zukunftswege nachdenken

Gemeinsam mit 18 anderen Geistlichen und Mitarbeitern aus dem pastoralen Dienst hat er vor Weihnachten die Philippinen besucht, um dort katholische Kirche zu erleben und über pastorale Zukunftswege in Deutschland nachzudenken. Auf den Philippinen kommt ein Priester auf 20- bis 30tausend Gläubige. 85 Prozent der Menschen sind dort katholisch – und obwohl es dort so wenig Priester gibt, funktioniert das Gemeindeleben. Das hat auch Pfarrer Reiner Nieswandt beeindruckt. "Wir benötigen eine Selbstbefreiung vom Klerikalismus", sagt der Priester aus Hilden.

Anders als auf den Philippinen sei die Kirche in Deutschland viel zu sehr auf den Priester und auf den Kirchturm konzentriert. "Das Funktionieren einer Gemeinde hängt bei uns zu sehr vom Pfarrer ab", sagt er. "Wir sprechen von Gemeinde, wenn wir eine Kirche und einen Priester haben", pflichtet Markus Hoitz ihm bei. "Auf den Philippinen sprechen die Menschen von Gemeinde, wenn sie in einer Nachbarschaft Glauben und Leben teilen".

Anderes Selbstbewusstsein der Katholiken

Beeindruckt ist auch Maike Teller vom philippinischen Glaubensleben und dem ganz anderen Selbstbewusstsein der Katholiken dort. Die Pastoralreferentin aus Frechen schwärmt von der Offenheit, der Gastfreundschaft und vor allem der Freude, die gläubige Menschen dort ausstrahlen. In Ostasien hat sie erlebt, wie Kirche eine Willkommenskultur praktiziere, die sie bei uns so nicht kenne. "Wie Nachbarschaftsinitiativen das tun, was hier Pfarrer leisten sollen". Ein Neuankömmling in einer Gemeinde wird mit offenen Armen empfangen. "Zu Beginn der Reise war ich sehr skeptisch, ob so eine Exkursion etwas bringt", erzählt sie. Jetzt ist sie froh, dass Kardinal Woelki sie gewissermaßen überredet hat, diese Erfahrung zu machen und ein von der Basis her funktionierendes Glaubensleben kennen zu lernen.

Abschied vom Klerikalismus?

Aber Abschied vom Klerikalismus? "So ein Ansatz werde sicher Verunsicherung beim deutschen Klerus auslösen", ist Pfarrer Hoitz überzeugt. "Wo bleibe ich als Priester?, werden dann sicher viele Pfarrer fragen". Seine Antwort: "Think outside the box". Hoitz fordert, dass "kommunikative Prozesse" in Gang gesetzt werden. "Ein Pfarrer muss dienen und nicht herrschen, ganz im Sinne von Franziskus soll er nicht ein hochwohlgeborener Kleriker sein, sondern jemand der Gemeinde und Menschen ermöglicht, Christ zu sein", sagt er. Das bedeute zunächst auf die Gemeinde hören, hinhören und andere auch machen zu lassen.

Gemeindeleben nicht übertragbar

Natürlich lässt sich das katholische Gemeindeleben auf den Philippinen nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragen. Das wissen auch die Teilnehmer der Exkursion nach Ostasien. Die Mentalität der Menschen dort ist anders, die wirtschaftliche Situation, auch die Geschichte und Entwicklung der Kirche. "Aber wie die Menschen in sehr großen Gemeinden ihren Glauben leben, davon können auch wir lernen", sagt Maike Teller. "Und nicht immer sofort denken, darf ich das auch? Wortgottesdienstfeier am Sonntag? Darf ich das jetzt hier?".

Kirche funktioniere von unten. Von der Nachbarschaft ausgehend sei das Kirchenleben strukturiert - bis in die Bistumsleitung hinein, sagt Pfarrer Hoitz. Das zeigt schon die Performance. Der Bischof komme nicht im hochherrschaftlichen Ornat, sondern im Dress der Gläubigen. Er selbst findet diesen Ansatz überzeugend.

Glauben und das Evangelium teilen heißt für Pfarrer Hoitz aber nicht, dass er Jugendlichen nun die Bibel auf den Kopf haut. Glauben teilen heißt für ihn zunächst Leben teilen – wie auf den Philippinen im Sozialdienst in der Nachbarschaft und wie auch in Deutschland in seiner Gemeinde. "Wenn ich mit Jugendlichen unterwegs bin, dann kommen wir beim Kartoffelschälen über Gott ins Gespräch", erzählt er. Ein Priester der Kartoffeln schält? Abschied vom Klerikalismus – damit ist sicher auch das gemeint.

Johannes Schröer
(DR)

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