Von der Willkommenskultur zur Integrationskultur
Von der Willkommenskultur zur Integrationskultur
Klaus Hagedorn
Klaus Hagedorn

31.08.2017

Zwei Jahre "Wir schaffen das" und die Aktion "Neue Nachbarn" "Wir als katholische Kirche waren gut vorbereitet"

Bevor Angela Merkel mit "Wir schaffen das" die Deutschen bewegte, hatte der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki die Aktion "Neue Nachbarn" initiiert. Flüchtlingsbeauftragter Klaus Hagedorn blickt im domradio.de zurück.

domradio.de: Der Kölner Erzbischof hat ja schon auf die Flüchtlingskrise reagiert, bevor sie zum Politikum wurde, oder?

Klaus Hagedorn (Flüchtlingsbeauftragter des Erzbistums Köln): Wer ihn kennt, der weiß, dass ihm das Projekt eine Herzensangelegenheit ist, und dass er nicht auf Katastrophen wartet, um soziales und caritatives Engagement einzufordern. Er hat zum Glück sehr rechtzeitig gehandelt. Dadurch waren wir als katholische Kirche ein Stück weit vorbereitet auf das, was zu schaffen war.

domradio.de: Auf Ihrer Homepage "Aktion Neue Nachbarn" schreiben Sie: "Wir glauben daran, dass wir in Deutschland eine neue Willkommenskultur für Flüchtlinge schaffen können". Wie haben Sie in den vergangenen Jahren den Geflüchteten helfen können?

Hagedorn: Traditionell ist die Flüchtlingshilfe bei der Caritas angesiedelt und wurde mit kirchlichen Mitteln deutlich ausgebaut. Der Aufruf des Kardinals hat zudem dazu geführt, dass sich in den Kirchengemeinden noch mehr Ehrenamtliche als zuvor aktiv einbringen wollten. Wir haben so durch unkomplizierte finanzielle Unterstützung viele Aktionen ermöglichen können, wie zum Beispiel Willkommensfeste, erste Sprachkurse und vieles mehr. Wir haben also sehr schnell reagiert; und zwar immer auf die Bedarfe, die uns gemeldet worden sind. 

domradio.de: Gefühlt ist die Euphorie rund um das Engagement für die Flüchtlinge ist etwas abgeebbt. Wie sieht das bei Ihrer Aktion "Neue Nachbarn" aus?

Hagedorn: Es sind tatsächlich nicht mehr so viele Ehrenamtliche, wie wir sie in 2015 zählen konnten. In dem Jahr waren mehr als 13.000 Menschen aus dem Erzbistum Köln in unmittelbarer Anbindung an unsere Koordinationskräfte und die Caritas-Verbände aktiv. Heute sind es knapp 10.000 Ehrenamtliche. Das halte ich immer noch für ein sensationell gutes Engagement. Es verdeutlicht auch, dass wir mit unserer Unterstützung, den Gemeinden, pastoralen Kräften, Verbänden und so weiter ein System geschaffen haben, win dem Menschen Freude haben, sich ehrenamtlich zu engagieren.

domradio.de: Wer sich aber für Flüchtlinge engagiert, muss oft mit Hassmails und Anfeindungen rechnen. Wie erleben Sie und Ihre ehrenamtlichen Mitstreitern das?

Hagedorn: Ich persönlich bin davon verschont geblieben, weil ich glaube, dass der Kardinal die meisten Briefe und Mails dieser Art bekommt. Von vielen Menschen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, höre ich aber, dass sie sich in ihrem sozialen Umfeld rechtfertigen müssen. Da geht es weniger um soziale Medien und anonymisierte Drohungen, sondern mehr um ganz konkrete Rechtfertigungen gegenüber der eigenen Familie und dem engen Freundeskreis. 

domradio.de: Welche Aufgaben werden in der Flüchtlingshilfe in den kommenden zwei Jahren von zentraler Bedeutung sein?

Hagedorn: Wir haben mit der Willkommenskultur angefangen und sind schon längst zu einer Integrationskultur gewechselt. Jetzt geht es darum, diese auszubauen. Das betrifft Fragen wie: "Wie können wir noch mehr Wohnraum - zum Beispiel in kirchlichen Gebäuden - schaffen, um noch mehr Flüchtlinge oder auch andere Menschen, die bislang nicht gut versorgt sind, gut unterzubringen? Wie können wir unsere Schulen stabilisieren und ausbauen, um noch mehr Schulplätze zu schaffen?" Für die Kindergärten gilt das Gleiche. Auch auf dem Arbeitsmarkt versuchen wir, mit intensiver Betreuung und Begleitung Unterstützung zu leisten. Da arbeiten wir etwa mit Jobpatenschaften; ein schönes Projekt aus dem diözesanen Caritas-Verband Köln. Außerdem sehen wir sehr deutlich, dass wir eine große Aufgabe vor uns haben, was Rückführungen betrifft und dass wir gefragt sind, wenn Abschiebungen ins Haus stehen.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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