Kardinal Woelki: Flüchtlinge im Erzbistum Köln willkommen heißen
Kardinal Woelki: Flüchtlinge im Erzbistum Köln willkommen heißen
Christine Lieser von der Aktion Neue Nachbarn
Christine Lieser von der Aktion Neue Nachbarn

18.06.2017

Die "Aktion Neue Nachbarn" im Erzbistum Köln Gut vernetzt ist halb integriert

Damit aus Fremden Nachbarn werden, müssen sich alle ins Zeug legen: Die "Aktion Neue Nachbarn" hilft, die Flüchtlingsarbeit zu vernetzen. Christine Lieser koordiniert die Ehrenamtlichen im Erzbistum Köln und hat domradio.de davon erzählt.

domradio.de: Was genau verbirgt sich hinter der "Aktion neue Nachbarn"?

Christine Lieser (Koordinatorin für die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe der "Aktion Neue Nachbarn" im Erzbistum Köln): Bei der Aktion handelt es sich um ein Projekt des Erzbistums Köln, das schon Ende 2014 von unserem Erzbischof Kardinal Woelki ins Leben gerufen wurde. Er hatte damals nämlich beobachtet, dass sich ganz viele Menschen ehrenamtlich in der Kirchengemeinde, in ihrer Nachbarschaft oder im Stadtteil für Geflüchtete engagiert haben. Also hat er gesagt: "Wir brauchen eine Struktur, um dieses Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe zu unterstützen und zu fördern."

domradio.de:  Die "Aktion Neue Nachbarn" ist ein größeres Netzwerk – wie viele Kolleginnen haben Sie?

Lieser: Weil das Projekt im ganzen Erzbistum Köln stattfindet, wurden hauptamtliche Koordinatorenstellen eingerichtet. Ich selbst bin für Köln zuständig und habe noch einen Kollegen beim Caritasverband der Stadt Köln.

domradio.de: Bei der Aktion ging es zunächst darum, die Willkommenskultur zu unterstützen.  Was waren im Mai 2015, als das Projekt an den Start ging, die wichtigsten Voraussetzungen dafür?

Lieser: Damals befanden sich die Menschen, die hierhergekommen sind, in einer extremen Notsituation und das Erstaunliche, was wir damals im Sommer 2015 erlebt haben, war gerade diese nicht geplante, spontane Willkommenskultur, die sich entwickelt hat. Die Menschen haben das gar nicht groß hinterfragt, sondern haben nur gesehen, dass ganz viele Menschen in Not angekommen sind und die haben sie dann mit offenen Armen empfangen und ihnen ihre Hilfe angeboten. Das war für uns alle vom Projekt "Neue Nachbarn" überwältigend. Wir haben zum Beispiel viele Anrufe bekommen, von Menschen, die sich engagieren und die spenden wollten. Also haben wir begonnen, diese Menschen zu vernetzten. Auch wenn das mittlerweile zwei Jahre her ist, glaube ich nicht, dass es heute anders ist.

domradio.de: Was waren damals die größten Herausforderungen?

Lieser: Am schwierigsten waren die Unterbringungen in den Massenunterkünften, die überhaupt nicht menschenwürdig sind. Das Hauptproblem für die Ehrenamtlichen war natürlich die Verständigung. Denn wir haben in der Schule vielleicht Englisch, Französisch oder Spanisch gelernt; aber bestimmt kein Arabisch, Farsi, Tigrinja oder Albanisch. Da sind die Ehrenamtlichen also ihren neuen Nachbarn begegnet, konnten sich aber nicht mit ihnen verständigen.

domradio.de: Wie haben Sie es geschafft, das ehrenamtliche Engagement zu bündeln und alle miteinander zu vernetzten?

Lieser:  Das Tolle, was damals passiert ist, war, dass sich in den Nachbarschaften und Kirchengemeinden wie aus dem Nichts ganz viele Willkommensinitiativen gegründet haben. Ganz viele Akteure haben sich zusammengeschlossen; ob das jetzt die Kirchengemeinde war oder der Sportverein oder die Schule. Alle haben sich zusammen an einen Tisch gesetzt und überlegt, was sie für die neuen Nachbarn tun können. Wir von der "Aktion Neue Nachbarn" haben diesen Prozess begleitet. Das heißt, wir haben Informationen über die Fachkräfte bei der Caritas oder beim Therapiezentrum für Folteropfer bereitgestellt. Wir haben dann natürlich aber auch mit Informationen über Projektgelder geholfen, denn die "Aktion Neue Nachbarn" hat einen Soforthilfefond eingerichtet, über den Projekte ohne großen bürokratischen Aufwand gefördert werden können.

domradio.de:  Die "Aktion Neue Nachbarn" ist also mehr als Koordinator präsent. Warum ist diese Rolle so wichtig?

Lieser: In der Flüchtlingshilfe sind sehr viele Akteure unterwegs: die Geflüchteten, die Ehrenamtlichen oder die Hauptamtlichen in den ganzen Einrichtungen und Institutionen. Außerdem sind alle Lebensbereiche betroffen; also vom Babyalter bis hin zum Seniorenalter muss alles neu erledigt werden: Die Menschen müssen sich Wohnungen suchen, Arbeitsplätze, Kitaplätze und Schulplätze finden, sie müssen zur Sprachschule gehen und so weiter. Es geht letztendlich darum, dass die ganzen Informationen, die es überall bei den Institutionen gibt, gebündelt werden.

domradio.de: Knapp drei Jahre seit dem Start der Aktion geht es vor allem um Integration. Was melden Ihnen die Ehrenamtlichen zurück?

Lieser:  Wir sprechen oft davon, dass sich die Willkommenskultur zur Integrationskultur entwickelt, wobei ich denke, dass eine Willkommenskultur weiterhin gebraucht wird, denn es gibt immer Menschen, in unserer Nachbarschaft, die willkommen geheißen werden wollen. Bezüglich des Integrationsprozesses bekommen wir häufig die Rückmeldung, dass die Arbeit der Ehrenamtlichen insgesamt ein bisschen schwieriger wird. Das heißt, man muss jetzt nicht mehr Kleider und Spielzeug sammeln, sondern man muss vielleicht bei der Vorbereitung auf eine Deutschprüfung unterstützen oder man muss den Kindern in den Schulen eine Hausaufgabenbetreuung organisieren. Auch das Thema Wohnungssuche ist extrem schwierig, genauso wie die Arbeitsmarktintegration. Das alles sind langwierige Prozesse, für die man sehr viel Geduld auch braucht. Das gilt auch für uns als Koordinatoren.

domradio.de: Kennen Sie aus Ihrer Arbeit ein schönes Beispielerlebnis, wo Integration gelungen ist?

Lieser:  Ja, und zwar war da ein Kölner Vermieter, der einer syrischen Familie seine Wohnung vermietet hat. Er selbst wohnt direkt im Haus nebenan und mittlerweile hat sich da eine echte Nachbarschaft entwickelt: Der syrische Vater ist Schreiner und hilft bei Arbeiten am Haus, die syrische Mutter kocht sehr gut und so ergeben sich viele gemeinsame Treffen. Sie grillen zum Beispiel gerne zusammen im Garten des Vermieters. Der hat übrigens eine weitere Wohnung dem besten Freund der Familie zur Verfügung gestellt. Ein paar Wochen später hat sich der Bruder des Vermieters gemeldet, weil auch er eine Wohnung an eine Flüchtlingsfamilie vermieten wollte. Dieser Dominoeffekt ist natürlich toll.

Das Interview führte Martin Mölder.

(dr)

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