Der Petersdom ist voll mit Priestern
Priester im Petersdom in Rom

10.01.2017

Priester aus dem Erzbistum Köln schlagen Veränderungen in der Kirche vor "Unsere Erwartungen waren naiv"

Elf Priester aus dem Erzbistum Köln haben zu ihrem 50. Priesterjubiläum einen offenen Brief geschrieben. Darin geht es um Enttäuschungen und mögliche Reformen für die Kirche. Dazu ein domradio.de-Interview mit Msgr. Wolfgang Bretschneider.

(Hinweis: Im Anhang zu diesem Artikel finden Sie den Brief der Priester des Weihejahrgangs 1967 im Wortlaut.)

domradio.de: Vor 50 Jahren wurden Sie zu Priestern geweiht. Jetzt haben Sie einen offenen Brief geschrieben, in dem es um die Kirche geht. Warum?

Monsignore Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider (Weihejahrgang 1967 im Erzbistum Köln, langjähriger Dozent für Liturgie und Kirchenmusik am Priesterseminar Köln und an den Hochschulen Düsseldorf und Köln): Wenn man 50-jähriges Jubiläum feiert, dann schaut man auch zurück. Wir haben damals unseren priesterlichen Dienst mit großer Freude und Begeisterung angetreten und haben gedacht: Wenn das so annähernd sich erfüllen kann, was das II. Vatikanische Konzil angeregt und gewollt hat, dann haben wir wieder volle Kirchen und dann glauben die Menschen so, wie Jesus es ursprünglich gedacht hat. Wir waren voller Begeisterung, haben dann aber in den Jahren gemerkt, dass diese Erwartung ein bisschen naiv und blauäugig war. Wir haben Erfahrungen gemacht, die zum Teil etwas enttäuschend waren - auch wenn wir auch viel Gutes erlebt haben. Beim Goldenen Jubiläum wollten wir jetzt zurückschauen und wollten davon berichten - aber auch eine Anregung geben. Wir hätten natürlich auch sagen können: '50 Jahre reichen, was interessiert uns die Kirche, wir fahren zum Jubiläum nach Mallorca.' Aber genau das haben wir nicht getan, weil wir die Kirche und die Botschaft Jesu lieben.

domradio.de: Sie haben den Brief geschrieben, weil Ihnen die Kirche nicht gleichgültig ist. Sie kritisieren die zunehmende Zahl von Großpfarreien, immer weniger Gläubige in den Kirchen, aber auch ein fehlendes Weiheamt für Frauen. Und auch über den Zölibat äußern Sie sich. Was hat Sie dazu bewegt, den Brief öffentlich zu machen?

Msgr. Bretschneider: Der Anlass war das 50-jährige Jubiläum. Und wir denken, dass diese Fragen einfach wichtig sind. Sie brennen uns unter den Nägeln, sie brennen vielen anderen unter den Nägeln. Wir wissen auch, dass Kardinal Woelki davon umgetrieben wird, dass auch Papst Franziskus davon umgetrieben wird. Das sind schon entscheidende Fragen. Deswegen haben wir gesagt, dass man das nicht einfach laufen lassen kann. Wir möchten, dass sich die Leute weiter mit diesen Fragen auseinandersetzen und wirklich nach Lösungen suchen.

domradio.de: Machen wir das konkret: Was haben Sie sich vor 50 Jahren erhofft, dass nicht so gekommen ist?

Msgr. Bretschneider: Zum Beispiel, dass wieder mehr Leute in die Kirche gehen. Dass wir wieder mehr zum ursprünglichen Glauben des Jesus von Nazareth finden. Dass vieles Äußeres, Sekundäres, wegfällt, was nicht unbedingt zum Glauben gehört. Dass der Glaube gleichsam frisches Blut bekommt und sich eine neue Begeisterung einstellen wird, dass man viel mehr Leute von Jesus begeistern kann. Das ist so nicht eingetreten.

domradio.de: Sie schreiben von einer möglichen Weihe von Frauen. Sie fragen sich, wie man für mehr Berufungen beten kann, wenn man die Hälfte der Berufungen ignoriert. Das ist ein Thema, das von Papst Franziskus und im Vatikan diskutiert wird. Trotzdem wird sich in absehbarer Zeit wohl nichts ändern. Was erhoffen Sie sich da realistisch?

Msgr. Bretschneider: Wir erhoffen uns, dass diese Frage nicht ad acta gelegt wird. Es gab ja auch mal eine Zeit, wo man gar nicht öffentlich darüber diskutieren konnte. Ich denke aber, durch Franziskus ist vieles wieder möglich geworden. Wir sind uns auch bewusst, dass man diese Frage nicht über Nacht entscheiden kann. Dass es um eine Weltkirche geht, dass auch die Gefahr besteht, dass die Kirche gespalten wird. Dinge, die Jahrhunderte praktiziert worden sind, die kann man nicht gleichsam über Nacht verändern. Aber ich denke, wenn das Bewusstsein dafür geschärft wird, dann kann sich im Verlauf von Jahren oder Jahrzehnten etwas ändern - hin zu einer bestimmten Lösung. Ob diese oder jene Lösung die bessere ist, ob dann viele Leute in die Kirche kommen: Das ist nicht die entscheidende Frage. Aber wenn man weiß, dass der Zölibat nicht ursächlich mit dem Priesteramt verbunden ist, dann wird man schon nachdenklicher.

domradio.de: Sie schreiben in Ihrem Brief ganz direkt von Ihrer Erfahrung mit 50 Jahren Zölibat und schreiben auch darüber, wie das ist, in Einsamkeit zu altern. Wenn Sie zurückblicken auf die 50 Jahre: Ist der Zölibat in dieser Form eine richtige Idee oder müsste man in Zukunft etwas daran ändern?

Msgr. Bretschneider: Der Zölibat ist natürlich eine ganz persönliche Angelegenheit, genauso wie die Liebe. Ich glaube, da muss man sehr vorsichtig sein, wenn man allgemeine Grundsätze aufstellen will. Ich persönlich halte den Zölibat für eine mögliche, eine gute, eine überzeugende, eine authentische Lebensform. Problematisch wird es aber, wenn man sagt: Es kann einer nur Priester werden, wenn er den Zölibat auch übernimmt. Die orthodoxen Kirchen beweisen ja, dass es auch anders geht. Da meine ich, da sollte man überlegen und vielleicht auch mutig sein, neue Lösungen zu probieren.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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