Vom 20. bis zum 22. Oktober findet der Kölner "Hackathon" statt
Vom 20. bis zum 22. Oktober findet der Kölner "Hackathon" statt
Rap und Poetry Slam im Gottesdienst und auf Youtube - Pfarrer Norbert Fink
Experte des Erzbistums: Pfarrer Norbert Fink

06.10.2016

Kirche lädt die kreative Digitalszene zum Entwicklerworkshop "Hack the Erzbistum Köln"

Bibelverse zur Fastenzeit per SMS, die Weihnachtsgeschichte auf WhatsApp oder der twitternde Bischof: Kirche ist längst multimedial unterwegs. Das ist aber alles noch gar nichts gegen den "Hackathon" des Erzbistums Köln.

Auf dem Smartphone-Display zwinkert ein langhaariger Mann mit Bart: Jesus ruft an. "Gehst Du nicht ran?", der Kommentar daneben. Und: "Wir brauchen Euren Input für the next holy shit." Mit diesem Facebookpost wirbt die katholische Kirche in Köln für eine Veranstaltung unter dem Motto "Hack the Erzbistum". Das ist aber keine Aufforderung, den Server von Deutschlands mitgliederstärkster Diözese lahmzulegen. Im Gegenteil. Vom 20. bis zum 22. Oktober sollen digitale Könner in Köln zum "Hackathon" kommen, vermutlich dem bundesweit ersten der Kirche.

"Es wäre toll, wenn wir 20 Coder und Produktentwickler mit an Bord hätten", erläutert Ansgar Mayer (44), seit Februar Mediendirektor des Erzbistums und zuletzt Chief Product Officer der Computer Bild Gruppe, dessen Handschrift das Treffen trägt. Für digital weniger Versierte: Bei einem "Hackathon" arbeiten Menschen verschiedener Branchen mehrere Tage in kleinen Teams gemeinsam an einer Idee zu einem bestimmten Thema.

"Hackathon – the next holy shit"

Die Ergebnisse werden abschließend einer Jury vorgestellt. Beim Kölner "Hackathon" gibt es unter anderem den mit 1.000 Euro dotierten Sonderpreis "Back to Faith" für die beste Idee, die "aufmerksamkeitsstark und nachhaltig" um Kirchenmitglieder wirbt. Die Veranstaltung will "niedrigschwellig mit Menschen in Kontakt" kommen.

Zweieinhalb Tage lang geht es im "Solution Space Innovationshaus" in Sichtweite des Doms schlicht um "die älteste Geschichte der Menschheit", um "Glaube. Hoffnung. Liebe" und damit "um die wichtigsten Themen im Leben", wie es in der Ausschreibung heißt. "Digitaler Spirit trifft 2.000 Jahre Heiligen Geist", so der nächste hippe Slogan. Dabei sollen klassische Kirchenthemen zeitgemäß und digital gedacht werden.

"Wir nehmen wahr, dass immer mehr Menschen in unterschiedlichen Situationen nach Sinn fragen - nicht mehr weiter wissen, wütend sind, ratlos oder enttäuscht", erläutern die Einladenden. "Wir würden gern noch mehr Formen finden, um diesen Menschen zuzuhören, Antworten anzubieten, Gemeinschaft und Rückhalt zu geben."

Lob anderer Bistümer

Die Teilnahme ist kostenlos, nur ein Laptop und möglichst andere Netzwerker sind mitzubringen. "Dies ist kein Führungskräfte-Kreativ- Training, hier geht es um Leidenschaft für Produkte, Lust auf Ergebnisse, neue Kontakte und sehr viel Spaß", heißt es. Vielleicht ist auch deshalb neben der normalen Verpflegung für Bier gesorgt, "um das Gehirn zu späterer Stunde zu motivieren". Unterstützung bekommen die Teilnehmer von Experten des Erzbistums. Darunter ist auch Pfarrer Norbert Fink, der zuletzt mit seiner TV-öffentlichen Trauung von Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis weitere Bekanntheit erlangte.

Die Offensive kommt laut Mediendirektor Mayer gut an. "Aus anderen digital sehr aktiven Bistümern erhielten wir viel Lob und stießen auf großes Interesse." Intern gab es bereits eine Fülle an Anmeldungen, vor allem aus den Fachbereichen Seelsorge und Bildung. "Für die Entwickler-Community quer durch Deutschland läuft jetzt die Ausschreibung, und wir lassen uns überraschen."

Querschnitt der kreativen Digitalszene

Dass dabei "Lead Data Hipster Chicks" und "World Class Press Dudes" erwartet werden, sei nur eine Spielerei mit Nonsense-Begriffen, stellt Mayer klar. "Wir hoffen auf einen guten Querschnitt der kreativen Digitalszene in Deutschland." Die Kernfragen des kirchlichen "Hackathon" fänden sich in profaner Variante in vielen Unternehmen und Agenturen wieder, so der Theologe und Journalist.

Ob sich aus dem Bemühen um eine neue Zielgruppe etwas Nachhaltiges ergebe, sei schwierig zu sagen. "Wir haben es heute nicht mehr mit einer Kirche des Erbes, sondern einer Kirche der Entscheidung zu tun. Und immer mehr Menschen entscheiden sich in bestimmten Lebenslagen, wieder mehr Bezug zur Kirche zu haben", so der Medienexperte. "Wenn es uns gelingt, auf dem 'Hackathon' ein paar neue Türen zu zimmern, durch die Menschen zu uns kommen können, und ein paar neue Fenster, durch die wir selbst mutiger blicken müssen, dann haben wir schon viel erreicht", sagt Mayer. "Wenn daraus auch noch Beitritte folgen, freuen wir uns natürlich sehr."

Sabine Kleyboldt
(KNA)

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