Kinderreport 2016: Schlechtere Bildungschancen für Ärmere
Flüchtlingskinder in der Schule
Stefan Koch
Stefan Koch

23.08.2016

Katholische Schulen im Erzbistum Köln nehmen Flüchtlingskinder auf Überkonfessionelles Arbeiten

Ein Flüchtlingskind in jeder Klasse der Schulen des Erzbistums Köln: Mit diesem Ziel sind die Verantwortlichen vor dem am Mittwoch startenden neuen Schuljahr angetreten. Doch wie sieht es mit der tatsächlichen Umsetzung des Planes aus?

domradio.de: Gibt es jetzt in den Klassen jetzt zum Schulbeginn am Mittwoch überall Flüchtlingskinder?

Stefan Koch (Abteilung "Katholische Schulen in freier Trägerschaft im Erzbistum Köln"): In den Klassen gibt es Flüchtlingskinder, aber nicht in jeder Klasse ein Kind, wie wir es uns vorgenommen haben. Das war ein etwas zu anspruchsvolles Ziel. Wir hatten das im Vorfeld aber extra so forsch formuliert, weil wir anfänglich ganz bewusst wegen der besseren Integration keine Vorbereitungs-, Flüchtlings- oder internationale Förderklassen einrichten wollten. Aber wir haben jetzt beides gemacht. In vielen Klassen sind Kinder mit Fluchterfahrung und wir haben jetzt auch eine ganze Reihe von internationalen Förderklassen eingerichtet. In Köln sind an drei von unseren vier Schulen Flüchtlingsklassen eingerichtet worden.

domradio.de: Flüchtlingsklasse bedeutet dann aber nicht ein Flüchtlingskind pro Klasse, oder? Das hat nicht geklappt?

Koch: Das hat annähernd geklappt, aber nicht in vollem Umfang. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Wir haben viele Flüchtlingskinder in den Klassen. Die Schulen machen in diesem Punkt wirklich sehr viel möglich, worüber wir sehr froh sein können. Allerdings werden die Kinder an unseren Schulen nicht so zugewiesen wie an öffentlichen Schulen. Die Eltern oder die Vertreter müssen Verträge unterschreiben und manchmal kommt man auch schlecht direkt an die Flüchtlinge dran. Wir gehen zwar auf die Kommunen zu und da geschieht dann auch ganz viel. Nur eben nicht in jeder Klasse. Aber das werden wir auch erreichen, denke ich.

domradio.de: Wie haben sich die Schulen denn auf die Flüchtlinge vorbereitet?

Koch: Das ist ganz unterschiedlich. Es ist ja für uns kein ganz neues Thema. Wir haben immer schon mal Kinder mit Fluchterfahrung oder Kinder aus anderen Kulturkreisen an unseren Schulen aufgenommen, die dann integriert werden müssen. Eine Schule kann das im Prinzip ganz gut leisten. Das kann man in der Öffentlichkeit auch immer wieder wahrnehmen und sehen. Aber wir haben jetzt von der Anzahl und von der Qualität her als Schulträger einiges gemacht. Wir haben einen Haufen Fortbildungen - beispielsweise mit Deutsch als Fremdsprache - schon durchgeführt und planen gerade Fortbildungen in der interreligiösen Bildung. Als konkretes Beispiel möchte ich noch die Schule in Stommeln nennen. Dort sind in fast unmittelbarer Nachbarschaft alte Gebäude der Stadt zur Verfügung gestellt worden. Die Stadt hat diese Gebäude saniert und da ist jetzt Platz für bis zu 300 Flüchtlinge. Wir begleiten die dort einziehenden Kinder jetzt mit. Das ist uns wichtig.

domradio.de: Es gab gerade ein Urteil, dass eine junge Frau nicht in Niqab an dem Unterricht in einem Abendgymnasium teilnehmen darf. Beschäftigen Sie sich mit Fragen des Umgangs, wenn ein Mädchen mit Kopftuch oder verschleiert kommt?

Koch: Kopftuch geht, Niqab nicht. So war es bisher jedenfalls. Wir sind keine Propheten und wissen nicht, wie sich alles weiter entwickeln wird. Das Kopftuch ist ein Thema bei uns. Wir haben wenige Mädchen mit Kopftüchern. Wir schauen da schon genau drauf, ob die Mädchen denn wirklich zu uns auf die Schule wollen. Es ist ja eine katholische Schule, was man als muslimisches Mädchen ja überhaupt erstmal wollen muss.

domradio.de: Bereiten sich die Schulen auch darauf vor, wie sie religiöse Bräuche und Weltansichten der Flüchtlingskinder mit denen der anderen Schüler in Einklang bringen können?

Koch: Interreligiöse oder interkulturelle Bildung ist immer schon ein Thema für einen Bildungsträger, so auch einen katholischen Bildungsträger, gewesen. Diese Anstrengung haben wir verschärft. Wir wollen ganz bewusst auch an katholischen Schulen überkonfessionell arbeiten. Wir wollen mit evangelischen Kindern und auch muslimischen Kinder zusammen arbeiten können. Diese Erfahrung wollen wir weiter ausbauen.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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